23:39 20 November 2017
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    Streitkräfte Saudi-Arabiens

    „Arabische Nato“ zum Scheitern verurteilt?

    © AFP 2017/ Fayez Nureldine
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    Nesawissimaja Gaseta
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    In Kairo ist heute die Unterzeichnung eines Protokolls zum Aufbau eines Militärbündnisses der Arabischen Liga geplant, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Sharm el-Sheikh
    © REUTERS/ Amr Abdallah Dalsh
    Damit wird eine entsprechende Entscheidung umgesetzt, die beim 26. Gipfeltreffen der Liga in Scharm El-Scheich getroffen wurde. Die Initiative gehörte dem ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi. Kurz zuvor hatte ein Ableger der Terrorgruppierung Islamischer Staat (IS) in Libyen 21 koptische Christen hingerichtet, von denen die meisten ägyptische Staatsbürger waren.

    Der Präsident des russischen Instituts für Religion und Politik, Alexander Ignatenko, hält die bevorstehende Unterzeichnung des Dokuments jedoch für eine PR-Aktion, die die Geschlossenheit der arabischen Staaten demonstrieren soll. Denn praktische Möglichkeiten zur Bildung eines arabischen Militärbündnisses sieht der Experte nicht. Der Hauptgrund dafür seien militärpolitische Kontroversen zwischen den verschiedenen Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga.

    Besonders wichtig sei, dass selbst der Golf-Kooperationsrat in dieser Hinsicht gespalten sei. Der einen Gruppe gehören Saudi-Arabien, Bahrain und Kuwait und der anderen Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman an.

    „An Kampagnen, an denen sich eine der Gruppen beteiligt, nehmen die Mitglieder der anderen Gruppe aus prinzipiellen Motiven nicht teil“, so der Experte. „So wurde beispielsweise viel darüber gesprochen, dass die arabischen Länder gemeinsam Schläge gegen die Stellungen der Huthi-Rebellen führen würden. Noch mehr als das: Geplant wurde sogar die Bildung einer internationalen sunnitischen Einheit unter Beteiligung von Senegalesen. Daraus wurde jedoch nichts: In den Konflikt wollten sich weder die Afrikaner noch die Pakistaner einmischen, mit denen Saudi-Arabien sehr gerechnet hatte. Auch die Beteiligung aller anderen arabischen Länder außer Riad war eher nominal“, stellte Ignatenko fest.

    Wer sich an den gemeinsamen arabischen Streitkräften beteiligen könnte, ist vorerst unbekannt. Wie die Nachrichtenagentur RIA Novosti unter Berufung auf die ägyptische Zeitung „Al-Fajr“ meldete, geht es um etwa 40.000 Soldaten, etwa 1000 Piloten und 3000 Matrosen. Das Hauptquartier werde voraussichtlich in Kairo liegen. Als wichtigster Geldgeber werde Saudi-Arabien auftreten, das auch den Befehlshaber der Truppen stellen werde.

    Ignatenko erinnerte an ein Treffen des Kronprinzen von Abu Dhabi, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, am vergangenen Dienstag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Laut arabischen Quellen wurde dabei die Bildung eines Systems zur Stärkung der Sicherheit und Terrorbekämpfung in der Golfregion besprochen, an dem sich sowohl mehrere Mitglieder des Golf-Kooperationsrats als auch der Iran beteiligen könnten.

    Hartnäckig dagegen stemmt sich jedoch Saudi-Arabien. „Damit will Riad durch die Unterzeichnung des Protokolls zur Bildung der gemeinsamen arabischen Streitkräfte möglicherweise das alternative Projekt zum Scheitern bringen, an dem laut arabischen Quellen die Vereinigten Arabischen Emirate und mehrere Staaten des Golf-Kooperationsrats interessiert sind“, so der Experte.

    Auffallend ist, dass gegen die Bildung der gemeinsamen arabischen Streitkräfte laut Medienberichten nicht nur der Iran und Israel, sondern auch die USA und die Türkei sind. Noch im März hatten einige Experten gewarnt, dass diese Truppen Washington in Konflikte verwickeln könnten, an denen sich die Amerikaner nicht beteiligen wollen.

    Obwohl die arabischen Länder vor allem gegen IS kämpfen, könnten sie auch gegen andere Gruppierungen kämpfen, die vom Iran unterstützt werden, und möglicherweise sogar gegen den Iran selbst. Manche Beobachter vermuten, dass Riad durch die Bildung der gemeinsamen arabischen Streitkräfte seine Abhängigkeit von Washington in Sicherheitsfragen verringern will.

     

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Abd al-Fattah as-Sisi, Alexander Ignatenko, Iran, Israel, Türkei, USA, Saudi-Arabien, Persischer Golf
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