21:12 24 November 2017
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    Bald 10$ je Barrel? OPEC will mit niedrigen Ölpreisen die USA ausstechen

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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Das Ölförderkartell OPEC sieht von Maßnahmen ab, die die Ölpreise auf dem Weltmarkt hochtreiben würden, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Montag.

    In der vergangenen Woche wurde Ecuador zum ersten OPEC-Land, das sein Öl unter dem Selbstkostenpreis verkaufen musste. Präsident Rafael Correa, der im Westen als linker Populist gilt, erklärte am 25. August, dass sich die Selbstkosten der Ölförderung in seinem Land auf 39 Dollar pro Barrel belaufen würden, wobei es das „flüssige Gold” aber nur für 30 Dollar verkaufen könne.

    Ecuador, auf das lediglich 1,7 Prozent des von der gesamten OPEC geförderten Öls entfallen (noch weniger fördert nur Libyen), wird allerdings wohl das einzige Land bleiben, das auf dieses Problem gestoßen ist. Bei den meisten OPEC-Ländern liegen die Selbstkosten zwischen zehn und 15 Dollar pro Barrel. Bei Saudi-Arabien, dem Irak und dem Iran liegen sie bei höchstens fünf bzw. sechs Dollar.

    Der Iran, der noch immer unter den internationalen Sanktionen leidet, wolle die Ölförderung „um jeden Preis“ ausbauen, kündigte Ölminister Bijan Zanganeh vor einer Woche an. Obwohl das vom Westen verhängte Embargo voraussichtlich erst 2016 aufgehoben wird, hat Teheran die Ölförderung im Juli um 32 300 Barrel auf 2,86 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Der iranische Minister führte an, dass die Selbstkosten drei bis vier Dollar pro Barrel auf dem Festland und fünf bis sechs Dollar pro Barrel auf hoher See betragen.

    Vor allem die OPEC-Länder, die keine Reserven haben, erleiden wegen der niedrigen Ölpreise massive Einbußen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die meisten Mitglieder des Kartells einen Ölpreis von mindestens 90 Dollar pro Barrel, damit ihr Haushaltsdefizit ausgeglichen wird. 

    Besonders gefährlich sind die niedrigen Preise für Algerien, Libyen, den Irak, Nigeria und Venezuela. Algerien ist auf einen Ölpreis von mindestens 111 Dollar und Venezuela auf einen Ölpreis von 117,5 Dollar angewiesen, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. (Dabei betragen die Selbstkosten der Ölförderung in Venezuela lediglich zwölf Dollar, wie Präsident Nicolas Maduro Ende 2014 behauptete.)

    Die OPEC-Führungsländer werden jedoch weiter an der im November 2014 vereinbarten Strategie festhalten. „Am besten wäre es, wenn sich der Markt selbst regelt“, zitierte Reuters einen anonymen Delegierten eines der OPEC-Golfländer. Ihm zufolge werden die Ölpreise in diesem Jahr zwischen 40 und 50 Dollar pro Barrel liegen und möglicherweise auf 60 Dollar steigen.

    Mit den aktuellen Preisen von höchstens 50 Dollar pro Barrel will die OPEC Konkurrenten wie den USA Paroli bieten. Als die Ölpreise im ersten Halbjahr 2015 bei ungefähr 60 Dollar lagen, sei das für Saudi-Arabien „am schlimmsten“ gewesen, denn die Konkurrenz habe sich diesen Preisen anpassen können, indem die Ölförderung gesenkt worden sei, so Paul Horsnell von der Bank Standard Chartered. „Damit diese Strategie aufgeht, bedarf es eines noch stärkeren Preisverfalls“, zitierte ihn die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

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    Tags:
    Erdöl, IWF, OPEC, Bank Standard Chartered, Bloomberg, Paul Horsnell, Rafael Correa, Nicolas Maduro, USA, Algerien, Ecuador, Nigeria, Venezuela, Iran, Saudi-Arabien, Libyen, Irak
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