14:01 30 Oktober 2020
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    In der britischen Politik kann es zu einer sensationellen Wende kommen: Laut einer aktuellen Umfrage gilt der linksextreme Jeremy Corbyn als der wahrscheinlichste Kandidat für den Labour-Vorsitz, schreibt die Zeitung “Kommersant” am Mittwoch.

    Der zuvor zum politischen Außenseiter abgestempelte Jeremy Corbyn baute in nur wenigen Wochen seinen Vorsprung vor seinem Konkurrenten Andy Burnham kurz vor der Wahl zum Labour-Vorsitzenden am 12. September aus. Corbyn gilt als der prorussischste aller britischen Politiker seit dem Ende des Kalten Krieges. Er ruft zur Auflösung der Nato auf, kritisiert den Westen für seine Position zur Ukraine, tritt für die Normalisierung der Beziehungen mit Moskau ein und gibt dem russischen Fernsehsender Russia Today häufig Interviews.

    Corbyn, der seit 1983 im britischen Parlament sitzt, hatte sich früher häufig heftige Debatten mit der Eisernen Lady Margaret Thatcher über deren Sozialpolitik geliefert. In seinen 40 Jahren als Politiker hatte er jedoch keinen einzigen leitenden Posten bekleidet. Corbyn gehört zum ultralinken Flügel der Labour-Partei und fordert mehr staatlichen Einfluss in der Wirtschaft, die Verstaatlichung der Eisenbahn, von Banken und Unternehmen.

    Dennoch sehen Experten keine Voraussetzungen für einen Neustart der russisch-britischen Beziehungen, falls Corbyn zum Labour-Chef gewählt werden sollte „Selbst wenn man sich vorstellt, dass Corbyn die Wahlen gewinnt, muss er sich an die internationalen Verpflichtungen Großbritanniens halten“, so die russische Politologin Nadeschda Arbatowa. Dass Corbyn zum Premier gewählt wird, hält die Expertin für äußerst unwahrscheinlich. „Sein Sieg bei den Wahlen der Labour-Mitglieder würde angesichts seiner antiamerikanischen und Anti-Nato-Ansichten, die den Traditionen der britischen Außenpolitik zuwiderlaufen, die Sozialisten in Großbritannien zu einer Randfigur machen“, sagt die Expertin.

    Sie ist der Ansicht, dass „der schnelle Aufstieg Corbyns weder in Europa noch in der Welt eine neues Phänomen ist“. „Wenn sich die Bevölkerung in einem permanenten Stress wegen den  Wirtschaftsproblemen, der ungewissen Zukunft, der Terrorgefahren und der Kriminalität befindet, wachsen das Misstrauen gegenüber der etablierten bürgerlichen Gesellschaft und der Verdruss über die Führungselite. Deshalb wächst die Nachfrage nach rechten und linken Populisten in der Politik“, so die Politologin.

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    Tags:
    Umfrage, Nadeschda Arbatowa, Andy Burnham, Jeremy Corbyn, Russland, Großbritannien