05:15 24 August 2017
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    Öl-Förderung

    Niedrige Preise: Russland erwägt Drosselung der Ölförderung

    © AP Photo/ Desmond Boylan
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    Nowyje Iswestija
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    Die Förderung von Öl-Gaskondensat ist in Russland von Januar bis August 2015 um 1,4 Prozent auf 354,5 Millionen Tonnen im Vergleich zur Vorjahreszeitraum gestiegen.

    Der Export ins ferne Ausland (außer GUS) stieg in den ersten acht Monaten des Jahres um neun Prozent auf 145,6 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Russlands Vizepremier Arkadi Dworkowitsch kündigte derweil Verhandlungen mit den OPEC-Ländern zur Drosselung der Ölförderung an, um höhere Preise zu erreichen.

    Sollten die Ölpreise lange Zeit niedrig bleiben, werde auch die Förderung gesenkt, so Dworkowitsch. Dennoch könne Russland die Förderung nicht künstlich senken, nur um den Markt zu unterstützen. „Die Ölförderung in Russland unterscheidet sich technologisch von der Ölförderung in den OPEC-Ländern, weshalb sich in Russland der Förderungsprozess nur natürlich entwickeln kann“, so der Vizepremier. Zugleich sei Russland bereit, mit der OPEC eine Stabilisierung der Ölpreise zu erörtern.

    Die Beratungen zwischen der OPEC und den Förderstaaten, die nicht zu dem Kartell gehören, laufen bereits seit einige Monaten, brachten jedoch keine greifbaren Ergebnisse. Russland hatte bisher nie seinen Ölexport reduziert, wenn die Preise nach unten gingen. Im Gegenteil: Wenn die OPEC-Lieferungen sanken, stieg der russische Ölexport, obwohl der Ölpreis dadurch noch stärker fiel. Auf die Versprechen, die Ölförderung zu senken, folgten bislang keine Taten.

    Doch russische Unternehmen stoßen jetzt auf Schwierigkeiten bei der Erschließung neuer Vorkommen, weshalb ein Rückgang der Ölförderung kaum umgangen werden kann. „Bei den aktuellen Ölpreisen gehen die Investitionen in schwer zu erschließende Vorkommen und neue Projekte zurück, weshalb die Ölförderung nahezu auf dem jetzigen Niveau bleibt. Einen Anstieg wird es wohl kaum geben“, so Dworkowitsch.

    „Die Botschaft Moskaus ist klar – man will zu den Verhandlungen zwischen den Ölförderstaaten bereits vor dem OPEC-Gipfel am 4. Dezember zurückkehren. Diese Botschaft wurde gehört, was bereits im OPEC-Bericht seinen Niederschlag fand. Bei diesen Verhandlungen kann man mit der Stabilisierung der Preise mit einem weiteren langfristigen Wachstum rechnen“, so der Ölmarktexperte Iwan Kapitonow.

    Doch andere Experten zweifeln daran, dass Russland freiwillig seine Ölförderung drosseln wird. „Das Problem besteht darin, dass Russland angesichts seines Haushaltsdefizits die Ölförderung nicht senken will, weil sie Einnahmen generiert“, so Tamara Kasjanowa von der Beratungsfirma  2K.

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    Tags:
    Erdöl, OPEC, GUS, Iwan Kapitonow, Arkadi Dworkowitsch, Russland
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