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    Nord-Stream-2: Gazprom umgeht die Ukraine - Deutschland profitiert

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    Nord Stream 2 (91)
    202005

    Am Rande des „Östlichen Wirtschaftsforums“ in Wladiwostok hat der russische Energiekonzern Gazprom den Bau der Nord-Stream-2-Pipeline (mit einer Leistung von 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr) von Russland nach Deutschland vereinbart, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Dadurch ist es Gazprom gelungen, mit seinen Partnern (E.On, BASF-Tochter Wintershall, OMV, Shell, Engie) ein Energiebündnis zu bilden, bei dem Erdgas an der Ukraine vorbei nach Europa geliefert wird. Mit dem Ausbau der Ostsee-Pipeline steigt Deutschland zum größten Gasverteiler in Europa auf.

    Zudem haben Gazprom und die deutsche BASF ihre im Vorjahr abgebrochenen Verhandlungen über einen Beteiligungstausch wieder aufgenommen. Demnach baut der russische Gasriese seine Anteile an den mit Wintershall betrieben Gashandelsfirmen Wingas, WIEH und WIEE aus und beteiligt sich mit 50 Prozent an WINZ. Allerdings besteht die Gefahr von Sanktionen, die Gazproms Unternehmensbeteiligungen direkt betreffen könnten. 
    Der Expertin Maria Belowa von Vygon Consulting zufolge ist das neue Pipeline-Projekt mehr als nur ein Deal, sondern der Ausgangspunkt für eine weitere Kooperation.

    Das Nord-Stream-2-Projekt zeigt, dass es in der EU keine einheitliche Meinung in Bezug auf Gazprom und die Gaslieferungen durch die Ukraine gibt. Unternehmen aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich unterzeichneten ein Abkommen, dass zur Folge haben wird, dass die Gaslieferungen durch die Ukraine zurückgehen, obwohl diese politisch unterstützt wird.

    Wie der für die Energieunion zuständige EU-Kommissionsvizepräsident Maroš Šefčovič bereits im Juli mitteilte, sind keine Pipelines zur Umgehung der Ukraine notwendig. Der geplante Nord-Stream-2-Deal diskriminiere die südlichen EU-Länder. Doch nun werden Gasröhren durch die Ostsee gebaut, bei denen Länder wie Bulgarien und Ungarn leer ausgehen, Deutschland und Tschechien aber Transiteinnahmen in Milliardenhöhe beschert werden.

    Laut dem russischen Außenpolitik-Experten Fjodor Lukjanow haben die South-Stream-Teilnehmer wie Bulgarien, Griechenland und Italien im Unterschied zu Deutschland nicht das Gewicht, um eine Entscheidung durchzusetzen. Berlin sei weiter für die Diversifizierung der Lieferungen und werde die Ukraine politisch unterstützen, doch es sei eine pragmatische Entscheidung getroffen worden.

    Nach Angaben des deutschen Russland-Experten Alexander Rahr unterstützt Deutschland die Ukraine, allerdings pocht die EU auf die Energiesicherheit. Er hob hervor, dass das Nord-Stream-2-Projekt dem Dritten Energiepaket nicht widerspreche.

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    Tags:
    South Stream, Erdgas, Nord Stream, Östliches Wirtschaftsforum in Wladiwostok (2015), Shell, EU, Gazprom, Vygon Consulting, Engie, OMV, E.ON, WIEE, WIEH, Wingas, Wintershall, BASF, Alexander Rahr, Maria Belowa, Fjodor Lukjanow, Maroš Šefčovič, Bulgarien, Deutschland, Russland, Ukraine, Ungarn