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10:50 20 Oktober 2019
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    Stolpert VW-Chef Winterkorn über Abgas-Affäre in USA?

    © REUTERS / Luke MacGregor
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    Abgas-Affäre bei Volkswagen (36)
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    Volkswagen-Aktien sind am Montag an der Frankfurter Börse um 18,6 Prozent abgestürzt, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Dienstag. Der Börsenwert des deutschen Autokonzerns sackte im Nu von 77,3 auf 62,9 Milliarden Euro ab.

    Der Grund dafür war ein Skandal, der vergangene Woche in den USA ausgebrochen war: Die dortige Umweltschutzbehörde EPA verpflichtete VW, 482 000 Fahrzeuge mit Dieselmotoren zurückzurufen und eine Strafe in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar zu zahlen.

    In den Modellen VW Jetta, Beetle, Golf und Passat sowie Audi A3, die in den USA zwischen 2009 und 2015 verkauft wurden, wurde eine Software entdeckt, die erkennt, wenn das jeweilige Auto einem Abgastest unterzogen wird, und erst dann das Abgaskontrollsystem einschaltet.

    VW-Vorstandschef Martin Winterkorn entschuldigte sich für die Manipulationen und kündigte interne Ermittlungen an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben. (…) Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität“, zitierte die Deutsche Welle Winterkorn. Nach seinen Worten wird der Konzern „keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art“ dulden.

    Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg meldete, könnte demnächst ein Strafverfahren eingeleitet werden. Commerzbank-Analyst Sascha Gommel zeigte sich überzeugt, dass das Top-Management des Konzerns sich in diesem Fall für die Fälschung der Abgasmessungen verantworten muss. Experten von Kepler Cheuvreux schlossen nicht aus, dass in absehbarer Zeit nicht nur die VW-Aktien an der Börse massiv an Wert verlieren, sondern dass dem deutschen Autobauer längerfristig Gerichtsprozesse in den USA drohen könnten.

    Ihre Kollegen von Bernstein Research sehen die Situation für die Wolfsburger skeptisch. Es gehe nicht um „irgendwelche Rückrufprobleme“. „Es gibt keinen Weg, das Ganze zu beschönigen — die Sache ist wirklich ernst“, heißt es in einer Analyse. Zudem drohe VW „der Status eines Ausgestoßenen“.

    Für den kommenden Freitag ist eine Abstimmung des VW-Aufsichtsrats über eine Vertragsverlängerung für Winterkorn bis Ende 2018 angesetzt. Der Skandal in den USA könnte schlimme Folgen für ihn haben. Der deutsche Automarktexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet einen Rücktritt des VW-Chefs. Er müsse von allen Manipulationen gewusst haben, und wenn nicht, dann bedeute dies, dass er das Unternehmen nicht kontrollieren könne, so Dudenhöffer. Jedenfalls sei Winterkorn an der Konzernspitze „nicht mehr tragbar“.

    Erst im Frühjahr hatte der VW-Vorstandschef einen internen Machtkampf gegen den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch gewonnen. Damals zweifelte Piëch offen an Winterkorn, doch der Aufsichtsrat stimmte für eine Vertragsverlängerung mit ihm. Danach mussten Piëch und seine Gattin Ursula von allen Posten bei VW zurücktreten.

     

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    Volkswagen AG, Deutschland, USA