03:34 06 Dezember 2019
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    Taliban-Vormarsch in Afghanistan beunruhigt Russland

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    Die Eroberung der 300.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Kundus ist der größte Erfolg der Taliban in dem seit 14 Jahren andauernden Afghanistan-Einsatz des US-Militärs, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Die afghanischen Behörden begannen am Dienstag mit Unterstützung der US-Luftwaffe eine Gegenoffensive zur Rückeroberung von Kundus. Selbst wenn die Taliban vertrieben würden, können die Extremisten die Einnahme der Großstadt als Erfolg für sich verbuchen. Sie demonstrierten damit ihre Macht im Norden des Landes, obwohl diese Region nie als ihre Hochburg galt. Für Russland ist vor allem die Tatsache alarmierend, dass sich die radikalen Islamisten in unmittelbarer Nähe der GUS-Länder befinden. Kundus ist nur 70 Kilometer von der Grenze Tadschikistans entfernt.

    Die Taliban brauchten nur wenige Stunden, um Kundus in ihre Gewalt zu bringen. Mit schweren Verlusten mussten sich die Regierungstruppen aus der Stadt zurückziehen. Sie wollten nach eigenem Bekunden Straßenkämpfe vermeiden, um nicht die friedlichen Einwohner in Gefahr zu bringen. Diese Erklärung wirkt jedoch kaum überzeugend, denn bereits am nächsten Tag wurde die Rückeroberung Kundus‘ gestartet. Von möglichen Todesopfern unter den Zivilisten war dieses Mal jedoch nicht die Rede.

    Die meisten Experten rechnen damit, dass die Regierungstruppen Kundus von den radikalen Islamisten befreien werden. Den Taliban geht es derzeit vor allem darum, ihre Stärke zu demonstrieren und den Ruf des Präsidenten Aschraf Ghani zu schädigen.

    Der neue Taliban-Chef Akhtar Mansur kann sich die Eroberung von Kundus als Erfolg anrechnen lassen. Seit 2011 hatten die Taliban keine Großstadt mehr erobert. Zuvor kontrollierten sie vor allem ländliche Gebiete, während die Provinzhauptstädte von den Regierungstruppen gehalten wurden. Zudem zeigten die Taliban, dass sie trotz des Auftauchens des Islamischen Staates (IS) als neuem Akteur am Hindukusch weiterhin kampffähig sind. Um Kundus zu erobern, sollen sich die Taliban und der IS sogar verbündet haben.

    Der Erfolg der radikalen Islamisten in Kundus ist ein alarmierendes Signal für Russland und die zentralasiatischen GUS-Staaten. Kundus ist nur 70 Kilometer von der Grenze Tadschikistans entfernt. Dort waren in den 1990er Jahren Einheiten der tadschikischen islamistischen Opposition stationiert. Angesichts der jüngsten Unruhen in Tadschikistan könnte der Taliban-Vormarsch in den Grenzgebieten das Nachbarland destabilisieren.

    Der Kampf um Kundus ist zudem ein wichtiger Prüfstein für die neue US-Strategie in Afghanistan.

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