22:18 22 April 2019
SNA Radio
    Graffitis in Gaza

    Nahost-Konflikt: Israel fürchtet neue Intifada

    © AFP 2019 / Mohammed Abed
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    19353

    Die neuen Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern könnten mit einem bewaffneten Konflikt enden, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Der israelische Premier Benjamin Netanjahu hat nach mehreren blutigen Zwischenfällen, bei denen vier Israelis ums Leben gekommen waren, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen verfügt.

    Am Donnerstag hatten palästinensische Kämpfer im Westjordanland auf ein Auto geschossen und dabei ein Ehepaar vor den Augen ihrer vier Kinder getötet. Zwei Tage später überfiel ein mit einem Messer bewaffneter Palästinenser eine Gruppe Israelis, wobei zwei von ihnen getötet und drei weitere verletzt wurden. Die Verantwortung für diesen Angriff übernahm die extremistische Gruppierung Islamischer Dschihad.

    Gestern flog die israelische Luftwaffe einen Angriff auf Stellungen der Hamas-Bewegung. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes wurden in den letzten zwei Tagen mindestens 456 Palästinenser bei Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee verletzt. Ein 18-jähriger Palästinenser wurde getötet.

    Am Sonntag beschlossen die israelischen Behörden, die Altstadt, wo christliche, jüdische und muslimische Heiligtümer liegen, für Palästinenser, die nicht in diesem Bezirk leben, für zwei Tage zu schließen. Ein Polizeisprecher begründete das mit Sicherheitsmaßnahmen am jüdischen Feiertag Sukkot. 

    Am selben Tag kündigte Premier Netanjahu nach einem Treffen mit Vertretern der Sicherheitsbehörden „einen entschlossenen Angriff auf den palästinensischen islamischen Terror“ an. Unter anderem geht es nach seinen Worten um eine Verstärkung der Sicherheitskräfte in Jerusalem und im Westjordanland, um die Eliminierung der Kräfte, die Angriffe in der Altstadt provozieren, sowie um den Abriss von Gebäuden, in denen sich die Kämpfer aufhalten.

    Tel Aviv zufolge hat sich die Situation vor allem nach der Rede von Palästinenserchef Mahmud Abbas bei der jüngsten UN-Vollversammlung zugespitzt. Jetzt fürchten die Israelis die dritte Intifada.

    Die Palästinenser weisen diese Vorwürfe zurück und behaupten, zu der Eskalation wäre es gekommen, weil die Israelis keine Zugeständnisse bei der Bildung eines palästinensischen Staates akzeptieren. Gestern verwies Abbas in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon darauf, dass „der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die ganze Welt das palästinensische Volk schützen sollte, solange die Situation nicht außer Kontrolle geraten ist“.

    Der russische Nahost-Kenner Alexander Schumilin äußerte Zweifel daran, dass die neuen Auseinandersetzungen in Jerusalem spontan waren. „Der Gewaltausbruch lässt sich offenbar auf Abbas‘ Rede in der UNO zurückführen. Der PNA-Chef stellte die Situation so dar, als müsste man im Nahen Osten derzeit nicht die Syrer, sondern die Palästinenser retten, die von Israel bedroht werden“, so der Experte. 

    „Auffällig ist, dass Abbas die Position von extremistischen Gruppierungen wie Islamischer Dschihad übernommen hat. Er verurteilte nicht die Handlungen der Kämpfer, die unschuldige Menschen getötet haben. Deshalb sehe ich keinen anderen Grund für diese Gewaltwelle“, sagte Schumilin weiter. „Bisher war Abbas eine Kraft, die der Hamas und dem Islamischen Dschihad widerstand. Jetzt aber steht er auf ziemlich radikalen Positionen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Palästina-Chef findet separate Gespräche zwischen Hamas und Israel gefährlich
    Palästina: Wahlergebnis in Israel begräbt Friedensprozess
    Israel zufrieden mit Scheitern der Resolution zu Palästina
    Lawrow und Kerry erörtern palästinensisch-israelisches Problem
    Tags:
    Hamas, Alexander Schumilin, Mahmud Abbas, Ban Ki-moon, Benjamin Netanjahu, Israel, Palästina