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15:08 23 Juli 2019
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    Turkmenistans Präsident Gurbanguly Berdymuchamedow

    Terrorgefahr in Zentralasien: Turkmenistan braucht militärische Hilfe

    © Sputnik / Sergey Guneev
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Turkmenistans Präsident Gurbanguly Berdymuchamedow ist am Mittwoch zu einem Besuch in Usbekistan eingetroffen. Mit seinem Amtskollegen Islam Karimow wird er wohl vor allem über das Sicherheitsproblem angesichts der Aktivitäten der Taliban im Norden Afghanistans sprechen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Experten schließen nicht aus, dass Taschkent Aschgabat militärisch unterstützen könnte.

    „Turkmenistan ist das schwächste Glied im eurasischen Sicherheitssystem“, findet der russische Orientalist Schochrat Kadyrow. „An dem turkmenischen Abschnitt der Grenze gibt es keine natürlichen Hürden wie beispielsweise im benachbarten Tadschikistan.“

    Für den Grenzschutz seien nur die turkmenischen Streitkräfte zuständig. Seit 2012 seien aber Aschgabat und Taschkent durch ein Abkommen über gemeinsamen Grenzschutz vor äußeren Gefahren verbunden. „Jetzt könnte dieses Abkommen auch praktisch umgesetzt werden“, so der Experte.

    Seit dem Frühjahr 2014 kommt es immer wieder zu Provokationen der Taliban an der afghanisch-turkmenischen Grenze. Im Januar wurden in Turkmenistan Reservisten mobilisiert. Nach der Eroberung der afghanischen Stadt Kundus durch die Taliban konzentrierte Aschgabat bis zu 70 Prozent seiner Militärtechnik an der Grenze zu Afghanistan.

    „Die Situation in der an Turkmenistan grenzenden Region wird für ganz Zentralasien und den Kaspiraum immer gefährlicher“, findet der Experte für Zentralasien und den Mittleren Osten, Alexander Knjasew. „Das Problem besteht unter anderem darin, dass es in diesem Teil Afghanistans keine großen politischen Kräfte gibt, die man unterstützen  könnte und die dafür loyal (zu Turkmenistan) wären. Es gibt keinen Pufferraum. Ein anderes Problem ist, dass Kasachstan, Russland, Usbekistan, die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) und  die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) keine systematischen Verbindungen mit Aschgabat im Bereich der kollektiven Sicherheit haben.“ Turkmenistans Verteidigungsfähigkeit stellte Knjasew in Frage. Das bedeute aber besonders große Risiken und Gefahren für die Länder der Region.

    „Die usbekische Armee ist die stärkste im gesamten postsowjetischen Zentralasien“, stellte der Direktor des Analytischen Zentrums der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen (MGIMO), Andrej Kasanzew, fest. „Ob aber Usbekistans Hilfe bei einer ernsthaften Anspannung der Situation ausreicht, ist fraglich.“ Der Experte vermutete allerdings, dass Turkmenistan als neutraler Staat auch Russland, Nato oder den Iran um Hilfe bitten könnte. „Auch China, der größte Abnehmer des turkmenischen Gases, der an störungsfreien Lieferungen interessiert ist, könnte sich einmischen.“ Laut einigen Quellen bekommt Aschgabat von Peking bereits Unterstützung in Sachen Sicherheit.

    Ferner vermutete Kasanzew, dass die „klassischen“ Taliban, also Paschtunen, nicht nach Zentralasien ziehen würden („Das ist ein Mythos, der nicht der Rede wert ist.“) Eine Invasion verschiedener Gruppierungen ethnischer Extremisten, die mit der al-Qaida und IS verbunden sind, ist jedoch „nicht nur wahrscheinlich, sondern auch angesichts der Situation in Afghanistan, Zentralasien und im Nahen Osten zu erwarten“. Nicht umsonst habe der tadschikische Präsident Emomali Rachmon bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am Dienstag in Sotschi um Hilfe gebeten.

    Gestern wurde bekannt, dass Russland Kampfhubschrauber Mi-24P und Mi-8MTW in der Nähe der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe stationiert hat.

    Experte Kasanzew zufolge entsteht in Zentralasien eine neue geopolitische Konstellation: IS ist eine große Gefahr, die gegen Russland und die anderen Länder im postsowjetischen Raum eine „zweite Front“ in Zentralasien eröffnen könnte, nachdem Russland in den Syrien-Konflikt eingegriffen hat.

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    Tags:
    Terrorismus, SOZ, OVKS, Taliban, Andrej Kasanzew, Alexander Knjasew, Islam Karimow, Gurbanguly Berdymuchamedow, Tadschikistan, Afghanistan, Turkmenistan