04:20 16 Dezember 2017
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    Schwarzes Gold: OPEC erwartet Nachfrage-Plus, russische Experten zweifeln

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    Nowyje Iswestija
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Der OPEC-Generalsekretär Abdullah al-Badri hat einen Anstieg der Ölnachfrage und einen Rückgang der Lieferungen von Erdöl aus Nicht-OPEC-Staaten prognostiziert, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Freitag.

    Laut den von „Nowyje Iswestija“ befragten Experten hängen die künftigen Ölpreise davon ab, ob sich die US-Notenbank FED zur Erhöhung der Leitzinse entschließt und wie sich die militärische Situation in Syrien entwickelt.

    Seit Beginn der russischen Militäroperation in Syrien klettern die Ölpreise nach oben. Die Preise der Nordseesorte „Brent“ stiegen am Wochenbeginn auf 53 US-Dollar und der WTI-Future auf mehr als 50 US-Dollar.

    Der Ölbranche stünden noch bessere Zeiten bevor, so der OPEC-Chef. „Wir in der OPEC hoffen, dass der Ölmarkt 2016 ausbalanciert wird. In der letzten Zeit sehen wir Signale für einen Rückgang der Ölförderung in einigen Nicht-OPEC-Staaten sowie für schnelleres Wachstum der Ölnachfrage“, erklärte der OPEC-Chef. Nach seinen Einschätzungen wird die globale Ölnachfrage zum Jahr 2040 auf 110 Millionen Barrel pro Tag steigen.

    Zugleich bleibt ein zu hohes Ölangebot auf dem Markt bestehen. Die Rohstoffvorräte seien höher als die Durchschnittsmengen der letzten fünf Jahre, so der OPEC-Chef. Die Ölförderung liege jetzt bei rund 75 Millionen Barrel pro Tag. 

    Laut dem Chef des Staatlichen Ölkonzerns Kuwait, Mohammed Ghazi al-Mutairi, könne die Diskrepanz zwischen den Öllieferungen und der Nachfrage auf dem Weltmarkt im dritten Quartal 2016 verschwinden. BP-Chef Robert Dudley betonte, dass man Zeit brauche, um Nachfrage und Angebot ins Gleichgewicht zu bringen. Laut seiner Prognose wird die Energienachfrage in den nächsten zwei Jahrzehnten um einen Drittel steigen.

    Die von „Nowyje Iswestija“ befragten Experten blieben zurückhaltend angesichts der optimistischen Äußerungen der Ölexperten. „Solche Äußerungen seitens der OPEC sind anscheinend auf die Präsenz der russischen Flugzeuge in der Nähe Saudi-Arabiens zurückzuführen“, sagte Nikita Kulikow vom Consultingunternehmen „Heads“. Die reale Situation auf dem Markt werde sich nur dann ändern, wenn die OPEC auf Preisdumping verzichte und mit der Kürzung der Förderung sowie der Erhöhung der Ölpreise beginne, so der Experte. Zu diesem Zeitpunkt könnten auch US-Projekte zur Gewinnung von Schieferöl wiederaufgenommen werden, die wegen des Ölpreisrückgangs unrentabel geworden seien, so der Experte. 

    Experten zufolge wird die Ölpreisdynamik in vieler Hinsicht von der FED abhängen. „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass die Ölpreise nicht vom Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot, sondern vor allem von der FED abhängen“, so der Wirtschaftsexperte Alexej Wjasowski. Falls die US-Notenbank im nächsten Jahr den Leitzins erhöhe, werde dies den US-Dollar festigen, auch gegenüber dem Ölpreis. Der „Brent“-Ölpreis könnte in diesem Fall auf einen Tiefstand seit dem Jahr 2008 abrutschen – auf nur 36 bis 38 US-Dollar, so der Experte.

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