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    Flüchtlinge an der kroatischen Grenze

    Flüchtlingskrise: Balkanstaaten wollen sich mit Zaun vor Europa abschotten

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    Nesawissimaja Gaseta
    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Die Staats- und Regierungschef der EU-Länder haben am Sonntag in Brüssel versucht, einen Ausweg aus der Migrationskrise zu finden. Laut Österreichs Kanzler Werner Faymann kann der Migrantenansturm mit dem Zerfall der EU enden, falls das Problem jetzt nicht gelöst wird, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Einen Tag zuvor hatten die Regierungschefs Bulgariens, Rumäniens und Serbiens in der bulgarischen Hauptstadt Sofia über das Flüchtlingschaos gesprochen. Sie drohten mit der Sperrung ihrer Grenzen, um nicht zur Pufferzone für Migranten zu werden.

    Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Nordafrika werden zur Belastungsprobe für die europäische Einheit. Die EU-Länder setzen zunehmend weniger auf die Unterstützung der EU-Behörden, sondern auf die eigenen Kräften.

    „Jetzt geht es um ein gemeinsames Europa oder um den leisen Zerfall der EU. Der eine Weg ist mühsam, schwierig und vermutlich langsam, doch der andere führt nur ins Chaos“, sagte Faymann der österreichischen „Kronen-Zeitung“.

    Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner stellte fest, dass die Unzufriedenheit unter den Migranten zunehme. „Unsere Einsatzkräfte stellen fest, dass jetzt das Verhalten der Flüchtlinge emotionaler wird, sie sind panisch. Man muss mit Gewalt rechnen – und unsere Polizei wird mit Gegenmaßnahmen reagieren müssen“, so Mikl-Leitner.

    Flüchtlinge
    © REUTERS / Leonhard Foeger

    Laut Alexander Tewdoj-Burmuli vom Lehrstuhl für europäische Integration der Moskauer Diplomatie-Universität MGIMO sind die Warnungen des österreichischen Kanzlers zwar begründet, weil die Migrationskrise zusätzliche Spannungen unter EU-Ländern auslöst, allerdings ist diese Krise keine Katastrophe. Bereits jetzt könnte man sehen, dass eine Stabilisierung des Flüchtlingsstroms zu erkennen sei. Die EU habe natürlich auch andere Probleme, doch die Migrationskrise werde kaum die europäische Einheit untergraben. Die Äußerungen Faymanns sollten daher nur als Alarmsignal wahrgenommen werden.

    Die Regierungschefs Bulgariens, Rumäniens und Serbiens kritisierten bei ihrem Treffen in Sofia den Plan von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Demnach sollen die Balkan-Länder Flüchtlinge nicht mehr ohne Absprache mit den Zielländern durch ihr eigenes Territorium ziehen lassen. Die Balkan-Länder sollen aber noch mehr Flüchtlinge aufnehmen.

    Belgrad, Bukarest und Sofia reagierten kritisch auf die EU-Initiative. „Falls Deutschland und Österreich ihre Grenzen sperren, werden wir es nicht zulassen, dass unsere Länder eine Pufferzone für Migranten werden. Wir werden bereit sein, die Grenzen zu sperren“, sagte der bulgarische Premier Bojko Borisov.

    Am Freitag drohte Slowenien mit der Errichtung einer Mauer an der Grenze zu Kroatien. Laut dem kroatischen Premier Zoran Milanovic verstehen die Urheber des neuen Antikrisenplans nicht, was wirklich geschieht. Damit gaben die Balkan-Länder zu verstehen, dass sie sich lieber mit einem Zaun abgrenzen als die Rolle eines „Flüchtlingskellers“ Europas zu übernehmen.

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