02:44 20 Oktober 2020
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    Falls die Türkei umfassende Militäraktionen gegen die Kurden startet, könnte dies negative Folgen für Russlands Interessen haben, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Die Türkei ist an der von den USA angeführten internationalen Koalition gegen die Terrorgruppierung "Islamischer Staat" (IS) beteiligt, reagiert aber äußerst negativ auf die separatistischen Aktivitäten der von den Amerikanern unterstützten Kurden. Zudem kooperieren auch die syrischen Regierungstruppen, denen die russische Luftwaffe im Kampf gegen den “Islamischen Staat” (IS) hilft, mit den Kurden.

    Das kurdische Volksheer zählt ungefähr 20 000 Kämpfer. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte vor kurzem, dass Moskau keine Waffen an die syrischen Kurden liefere. Das tun die Amerikaner und wollen das auch weiter tun.

    Die Interessen Washingtons sind nachvollziehbar: Sein strategisches Ziel besteht in einer Spaltung Syriens und des Iraks, wo neue ethnische Staaten entstehen würden, die die USA kontrollieren könnten. Im Irak existiert mit Kurdistan bereits ein Art Quasi-Staat, was in Bagdad für große Verärgerung sorgt. Auch in Ankara ist man unzufrieden, denn man glaubt, dass Syrien und der Irak nicht gespalten werden dürfen.

    Vor kurzem wurde der Versuch unternommen, auch Russland in diese heikle Debatte einzubeziehen. Es wurde das Gerücht in Umlauf gesetzt, eine kurdische Delegation hätte in Moskau über die Eröffnung eines offiziellen Büros des Syrischen Kurdistans verhandelt. Russlands Botschafter in Ankara wurde in das türkische Außenministerium einbestellt und musste erläutern, dass Russlands internationale Kontakte „nie gegen die Interessen eines anderen Landes gerichtet“ seien und „keineswegs die Interessen der Türkei gefährden werden.“

    Auch der US-Botschafter wurde ins türkische Außenamt vorgeladen. Die Kurden-Frage ist derzeit das größte Streitthema zwischen Washington und Ankara.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich gestern entschlossen, gegen die Kurden vorzugehen. Nach seinen Worten wird Ankara „gegen alle kämpfen, die uns an der Grenze zu Syrien bedrohen“. Er bedauerte, dass die westlichen Verbündeten der Türkei die Kurden mit Waffen versorgen. „Sie erkennen nicht einmal die kurdische Demokratische Union als Terrororganisation an. Das ist doch Nonsens. Der Westen folgt immer noch dem Prinzip: ‚Mein Terrorist ist gut, und deiner ist schlecht‘.“

    Die Türkei hatte schon mehrfach Luftschläge gegen die Stellungen der syrischen und irakischen Kurden geflogen, doch das waren bislang eher Einzelaktionen. Jetzt aber könnte es zu einer richtigen Offensive gegen die Kurden kommen. Dieses Vorgehen begründete Erdogan nicht nur mit den separatistischen Zielen der Kurden, sondern auch damit, dass sie gegen die türkische Armee auf dem türkischem Territorium kämpfen. Dabei verwies der türkische Staatschef darauf, dass die kurdische Arbeiterpartei PKK die Verantwortung für mehrere Terroranschläge übernommen hatte, und führte an, dass allein in den letzten Monaten mehr als 150 Polizisten, Soldaten sowie Zivilisten von PKK-Aktivisten getötet worden seien.

    In den USA und der EU wurde die PKK zwar als terroristische Organisation eingestuft, aber Washington und Brüssel halten die syrischen und irakischen Kurden für wichtige Verbündete im Kampf gegen IS.

    Mehr zum Thema: Kampf gegen IS

    Der russische Militärexperte Juri Netkatschew vermutet, dass Erdogan den Kurden mit Militäraktionen vor allem im Zusammenhang mit der für den 1. November angesetzten Parlamentswahl drohte. Falls Ankara es aber ernst meine und gegen die Kurden in Syrien und im Irak aktiv vorgehen werde, würde das die Konstellation in der Region völlig verändern, so der Experte. Das könnte nach seinen Worten schlimme Folgen für Russland haben. „Faktisch würde die Türkei Syrien okkupieren und gemeinsam mit den Verbündeten der USA gegen IS kämpfen, aber auch gegen die Kräfte, die mit den syrischen Regierungstruppen zusammenwirken.“

    Netkatschew findet, dass Russland dieses Thema bei den dieser Tage in Wien verlaufenden Verhandlungen über Syriens Zukunft aufwerfen sollte. Auf diesem Gebiet habe Moskau Verbündete wie Deutschland, dessen Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Ankara in der vorigen Woche dringend dazu riet, nach der Parlamentswahl gleich als erstes das Kurden-Problem zu lösen.

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    Terrormiliz Daesh, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Irak, Syrien, USA