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    Yuan und Dollar

    Yuan als Reservewährung – eine unausweichliche Entscheidung

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    Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am Montag beschlossen, den chinesischen Yuan in seinen Währungskorb aufzunehmen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Die Aufnahme soll am 1. Oktober 2016 abgeschlossen werden. Damit wird der Yuan offiziell zum erlauchten Kreis von US-Dollar, Euro, Yen und britischem Pfund gehören.

    Der IWF bezeichnet seinen Beschluss als politisch bedingt und erzwungen sowie  symbolisch wichtig. China entspricht nicht ganz den Anforderungen, die an die wichtigsten Reservewährungen gestellt werden, ein anderes Land wäre unter ähnlichen Bedingungen nicht in den Korb aufgenommen worden. Doch ohne China können die globalen Wirtschaftsinstitutionen unter den jetzigen Bedingungen nicht funktionieren.

    Der IWF stellt gegenüber Mitgliedern seines Klubs zwei Forderungen – eine bedeutende Präsenz im Welthandel und eine freie Bewegung der Währung. Chinas Wirtschaft bleibt nach der BIP-Größe nur hinter der Eurozone und den USA zurück – mit der ersten Forderung ist also alles in Ordnung.

    Mit der zweiten Forderung – die Währung soll bei internationalen Transaktionen breit genutzt und frei auf Börsen gehandelt werden – sieht die Situation etwas schlechter aus. Was die Präsenz des Yuan in den Währungsreserven und auf den Märkten der Schuldverpflichtungen betrifft, bleibt der Yuan hinter dem australischen und kanadischen Dollar zurück, die nicht zum Währungskorb gehören. China ließ in diesem Jahr die Zentralbanken auf dem eigenen Anleihenmarkt zu und liberalisierte den Yuan-Kurs, doch es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, inwieweit dies funktioniert.

    Wirtschaftsexperten stellen die Transparenz der Beschlüsse der chinesischen Zentralbank in Frage. Unter Liberalisierung wird einfach der Übergang zu einem anderen Typ der Kurskontrolle (beispielsweise via Interventionen) verstanden. Zugleich ist es jedoch gefährlich, den Yuan nicht in den Klub hereinzulassen. Wie die „Financial Times“ schreibt, bewegte die Blockierung der Reform des IWF-Quotensystems durch Washington China 2010 dazu, sich Gedanken über die Schaffung eigener Alternativen zum IWF, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank zu machen – daraufhin entstanden die BRICS-Entwicklungsbank, der Pool von Währungsreserven und die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank.

    Zudem soll eine größere Beteiligung Chinas an globalen Finanzinstitutionen seine Wirtschaft fördern. Die Angst vor einer bedeutenden Wirtschaftsverlangsamung (das Wirtschaftswachstum sank im dritten Quartal auf 6,9 Prozent – die schlechteste Kennzahl seit 2009) ist so groß, dass politische Details in den Hintergrund treten müssen.

    Diese Annäherung erhöht die Möglichkeit der gegenseitigen Koordinierung. Der Yuan-Beitritt zum Klub führt schneller zur Lösung vorhandener Probleme als das Warten des IWF auf eine völlige Transparenz Chinas. Eine höhere Beteiligung Chinas würde zusätzliche Anstrengungen zur Liberalisierung des Kapitalverkehrs erfordern. Die Hauptfrage besteht darin, ob sich China dazu entschließt, die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft zu senken, um an wirtschaftlichem Einfluss zu gewinnen.

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    Tags:
    Wirtschaft, Yuan, IWF, China, USA