01:07 15 November 2019
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    Türkischer Ordnungshüter begleitet Migranten in Izmir.

    Für drei Milliarden Euro: Türkei fängt Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa ab

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    In der türkischen Stadt Ayvacik (nahe der Schwarzmeerküste) sind Anfang dieser Woche etwa 1.300 Migranten aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak festgenommen worden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Zudem wurden drei Schmuggler gefasst, die die Flüchtlinge illegal in die EU bringen wollten.

    Damit hat Ankara mit der Umsetzung der jüngsten Vereinbarungen mit der EU begonnen, den Flüchtlingsansturm aus dem Nahen Osten über das türkische Territorium nach Europa besser zu kontrollieren.

    Laut den türkischen Behörden geht es um den größten Einsatz dieser Art seit Monaten. Die festgehaltenen Flüchtlinge wurden bzw. werden in Flüchtlingslager eingewiesen. Manche von ihnen werden später aus der Türkei ausgewiesen.

    Viele Flüchtlinge kommen in der EU zuerst in Griechenland an. Auf der Insel Lesbos sind allein in diesem Jahr etwa 425.000 Migranten eingetroffen. Weitere 300.000 Einwanderer landeten auf anderen griechischen Inseln.

    Am Sonntag hatten Brüssel und Ankara einen gemeinsamen Plan zur Bekämpfung der Flüchtlingskrise vereinbart. Die Türken sollen die Aufenthaltsbedingungen der Einwanderer auf ihrem Territorium verbessern und deren Flucht nach Europa unterbinden. Dafür wird die Türkei von der EU eine Hilfe in Höhe von drei Milliarden Euro erhalten.

    Unter anderem wurde vereinbart, dem EU-Beitrittsprozess der Türkei „einen neuen Impuls zu verleihen“. Am Sonntag sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, die EU könnte die Visapflicht mit der Türkei im Herbst 2016 abschaffen, falls Ankara alle entsprechenden Bedingungen erfülle.

    Die Türken behaupten, seit 2014 etwa 80.000 potenzielle Migranten, die auf dem Weg nach Europa gewesen seien, sowie 200 Schleuser festgenommen zu haben.

    Menschenrechtler warnen allerdings, dass die aktuellen Methoden, auf die die Türkei dabei zurückgreift, gefährlich für das Leben der Einwanderer seien, denn sie würden nach der Verschärfung der Kontrolle noch riskantere Schritte zur Einwanderung in die EU unternehmen.

    In der Türkei befinden sich derzeit 1,8 bis 2,2 Millionen Flüchtlinge, von denen die meisten keine offizielle Arbeitserlaubnis haben. Das ist ein zusätzlicher Grund, warum sie das türkische Territorium verlassen wollen.

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