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20:11 22 Juli 2019
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    Der Präsident der Russisch-Deutschen-Außenhandelskammer, Rainer Seele

    Umfrage: Deutsche Firmen hoffen auf Lockerung der Russland-Sanktionen

    © REUTERS / Heinz-Peter Bader
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    Die Russisch-Deutsche Außenhandelskammer hat am Dienstag die Ergebnisse einer Umfrage über den Einfluss der Wirtschaftssanktionen auf das Geschäft der deutschen Unternehmen in Russland vorgestellt.

    Die meisten Befragten halten die Sanktionen für unwirksam und rechnen mit ihrer Lockerung bzw. Abschaffung bereits im Januar 2016, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Der Präsident der Russisch-Deutschen-Außenhandelskammer, Rainer Seele, präsentierte am Dienstag die Ergebnisse einer Umfrage, die unter 100 in Russland tätigen deutschen Firmen durchgeführt wurde. Trotz der Sanktionen und einer schwierigen Wirtschaftssituation in Russland sowie dem Rubel-Absturz verlassen deutsche Unternehmen nicht den russischen Markt und sehen hier weiterhin Aussichten, so Seele.

    61 Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft beeinflusst haben. 65 Prozent sehen ihr Russland-Geschäft von den Sanktionen betroffen (im August waren es nur 38 Prozent). Als am schwierigsten erwiesen sich für die deutschen Firmen die Finanzsanktionen sowie Einschränkungsmaßnahmen für Dual-Use-Erzeugnisse sowie für juristische Personen. Für 17 Prozent der Unternehmer ist ihr Geschäft von den russischen Gegenmaßnahmen in der Landwirtschaft betroffen. 74 Prozent gaben einen Rückgang des Umsatzes (in Euro) seit der Einführung der Sanktionen im März 2014 an.

    Die meisten Unternehmen rechnen zumindest mit der Lockerung der Sanktionen. 32 Prozent erwarten, dass im Januar Sanktionen in einzelnen Bereichen gemildert werden könnten. 24 Prozent sind noch optimistischer gestimmt und rechnen mit einer völligen Aufhebung der Sanktionen. Dabei glauben fast 80 Prozent nicht daran, dass die Sanktionen die Außenpolitik der russischen Regierung beeinflussen können. Im Laufe eines Jahres ist der Anteil derjenigen, die die Effizienz der Sanktionen als politisches Instrument anerkennen, von 34 auf 21 Prozent gesunken. Diejenigen, die Erfahrung bei der Kooperation mit russischen Partnern haben, gaben zu verstehen, dass sie die Sanktionen nicht unterstützen und nicht an ihre Effizienz glauben, so Seele.

    Die Sanktionen seien schädlich für alle und man sei ebenfalls an der Stabilisierung der Situation interessiert, weshalb man aktiv am Minsker Verhandlungsprozess zur Regelung im Donezbecken teilnehme, sagte eine Quelle aus dem deutschen Außenministerium.

    Allein 2014 war der gegenseitige Handelsumsatz zwischen Russland und Deutschland von 76 auf 67 Milliarden Euro gesunken. Die Zahlen in diesem Jahr werden wohl noch schlechter sein. Dennoch verbinden die deutschen Behörden die Abschwächung bzw. Aufhebung der Russland-Sanktionen nicht mit den Wirtschaftsrealitäten, sondern mit der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen. Russland habe eine große Verantwortung bei der Erfüllung der Minsker Vereinbarungen, so die Quelle.

    Vor einigen Tagen hat auch der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow Kritik an den einseitigen EU-Sanktionen geäußert und sie als eine Bremse bei der Entwicklung der Zusammenarbeit bezeichnet. Ihre Ineffizienz werde immer offensichtlicher. Diejenigen, die für ihre Einführung gewesen seien, hätten bislang nicht erklärt, worin ihr Ziel besteht, so Tschischow.

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    Tags:
    Sanktionen, Rainer Seele, Wladimir Tschischow, Deutschland, Russland