07:57 27 Juni 2019
SNA Radio
    Irakische-türkische Grenze

    Türken „erschließen“ den Irak: Bagdad wirft Ankara Souveränitäts-Verletzung vor

    © AFP 2019 / Mustafa Ozer
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nowyje Iswestija
    26595

    Die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak haben sich massiv zugespitzt, schreibt die „Nowyje Iswestija“ am Montag.

    Am Sonntag wurde der türkische Botschafter in das irakische Außenministerium einbestellt. Gefordert wurde der unverzügliche Abzug der türkischen Truppen aus dem Irak. Bagdad zufolge handelt es sich um ein Bataillon, das sich seit der vergangenen Woche nahe Mossul im irakischen Kurdistan aufhält. Bagdad wirft der Türkei de facto eine bewaffnete Aggression vor.

    Ankara bestätigte ebenfalls die Tatsache, dass sich die türkischen Kräfte auf dem irakischen Boden befinden. Laut der türkischen Nachrichtenagentur „Anadolu“ trafen in das Trainingscamp bei Mossul am Donnerstagabend rund 150 Soldaten und Offiziere sowie 20 bis 25 Panzer ein.

    Laut dem türkischen Premier Ahmet Davutoglu wird diese Einheit lediglich die türkischen Truppen in dem Camp ersetzen, das fast vor einem Jahr nahe des von Dschihadisten besetzten Mossul unter Zustimmung der irakischen Regierung errichtet worden war. „Man sollte auf keinen Fall fehlerhafte Schlussfolgerungen ziehen. Die Türkei braucht keinen fremden Boden“, sagte Davutoglu. In diesem Camp würden örtliche Freiwillige ausgebildet, die gegen Terroristen kämpfen. Dabei betonte der Premier, dass die türkische Einheit nicht vorhabe, gegen jemanden zu kämpfen.

    Doch Bagdad sieht die Situation anders. Wie es in der Erklärung des irakischen Außenministeriums heißt, sind die türkischen Truppen ohne Zustimmung der Regierung auf das irakische Territorium gekommen. „Das ist eine ernsthafte Verletzung der Souveränität Iraks, die den guten Nachbarschaftsbeziehungen zwischen dem Irak und der Türkei widerspricht. Die irakischen Behörden rufen die Türkei zum unverzüglichen Abzug der Truppen vom irakischen Boden auf“, hieß es in der Erklärung des irakischen Regierungschefs Haider al-Abadi.

    Die Einheiten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatten Mossul im Juni 2014 besetzt. Die lange erwartete Gegenoffensive der irakischen Truppen auf die zweitgrößte irakische Stadt wurde mehrmals verschoben. Für solch eine großangelegte Operation mangelt es der Regierungsarmee an Kräften. Der Irak wandte sich mehrmals an die internationale Gemeinschaft mit der Bitte, die Waffenlieferungen zu erhöhen sowie Ausbilder zu schicken.

    Sitaution in Syrien
    © AP Photo / Mohammad Hannon

    Doch die vorherige sowie die jetzige Zentralregierung äußerten sich gegen direkte ausländische Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Dies hinderte die USA, den Iran und die Türkei kaum aber daran, die Stellungen der Dschihadisten anzugreifen, ohne auf die Position von Bagdad Rücksicht zu nehmen. Oft werden die Handlungen mit den örtlichen Behörden bzw. einzelnen irakischen Institutionen abgestimmt.

    Ähnlich sieht die Situation mit dem türkischen Trainingscamp aus, das sich 30 Kilometer nordöstlich von Mossul befindet. Davutoglu zufolge ist die Präsenz des türkischen Bataillons legitim, wobei er sich auf eine Bitte des örtlichen Gouverneurs und die Genehmigung des Verteidigungsministeriums beruft. Dennoch betonen die irakischen Behörden, dass die Zustimmung für die Präsenz von Ausbildern und nicht die eines Panzerbataillons gegeben wurde.

    Die Krise in den Beziehungen zwischen der Türkei und dem Irak erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bagdad mit der Bitte an Russland wendet, Angriffe gegen Positionen des „Islamischen Staates“ im Lande zu fliegen. Nicht ausgeschlossen ist jedoch ebenfalls, dass dieser Vorfall demnächst geregelt wird. Es sieht nicht so aus, dass die Türkei im Norden Iraks Kampfhandlungen beginnen will.

    Ankara führt aktive Kampfhandlungen gegen die Arbeiterpartei Kurdistans, die im Südosten der Türkei vorgeht, und ist negativ gegen die Gruppierungen der syrischen Kurden gestimmt. Vielleicht soll das türkische Bataillon die Aktivitäten dieser Kräfte nahe der türkischen Grenze stören.

    Auffallend ist die Reaktion Washingtons. Sprecher des Pentagons und des Weißen Hauses betonten, dass der Einzug der türkischen Truppen ohne Zustimmung der von den USA geleiteten internationalen Koalition erfolgte. Wie jedoch die Agentur Reuters unter Berufung auf eine Quelle in den Sicherheitsdiensten der Türkei meldete, wurde die Koalition über die Operation in Kenntnis gesetzt. Das wird ebenfalls vom katarischen TV-Sender „Al-Jazeera“ unter Berufung auf zwei Quellen aus dem Pentagon bestätigt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Nach Su-24-Abschuss: Türkei stoppt vorerst Angriffe auf IS in Syrien
    Warum Erdogan besser keine Beweise für Öl-Geschäfte mit IS fordern sollte
    Bagdad: Türkische Panzer rollen in Provinz Nainawa vor
    Einmarsch ohne vorherige Vereinbarung: Bagdad erwartet Erläuterungen von Ankara
    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Ahmet Davutoglu, USA, Mossul, Irak, Türkei