10:02 07 Dezember 2019
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    Bloomberg View: Gestohlene Gemälde bremsen EU-Annäherung der Ukraine

    © AFP 2019 / ANP / Olaf Kraak
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    Der Skandal um die nach einem Diebstahl in einem Museum in den Niederlanden in der Ukraine aufgetauchten Gemälde zeigt, dass die Ukraine noch weit entfernt von der EU ist, schreibt der Kolumnist Leonid Bershidsky von Bloomberg View.

    „Die bizarre Episode um zwei Dutzend gestohlene Bilder von alten holländischen Meistern zeigt, welch langen Weg die Ukraine noch zurücklegen muss, um eine europäische Nation zu werden, und erklärt, warum die Holländer Befürchtungen wegen der Ratifizierung eines Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine haben“, so der Kolumnist.

    Es handelt sich um 24 Gemälde im Gesamtwert von zehn Millionen US-Dollar, die 2005 aus dem Westfriesischen Museum in der Kleinstadt Hoorn gestohlen worden waren.

    Die Bilder wurden in einer Villa in der Ukraine entdeckt. Zwei ukrainische Freiwilligen-Kämpfer hatten im Juli in der niederländischen Botschaft in Kiew ihren Fund gemeldet.

    „Die Extremisten der Organisation der ukrainischen Nationalisten betonten, dass sie über die ganze Bildersammlung verfügen, die aus dem Westfriesischen Museum gestohlen wurde“, hieß es auf der Webseite des Museums. Als Beweis wurde das Foto eines Bildes vorgelegt.

    Die Organisation der ukrainischen Nationalisten bestehe vor allem aus rechtsextremen Mitgliedern, die mit der in Russland verbotenen Organisation „Rechter Sektor“ in Verbindung steht.

    Vertreter des holländischen Museums teilten mit, dass sie mit Boris Gumenjuk, einem Kommandeur eines Bataillons, gesprochen hätte. Ihnen zufolge forderte er 50 Millionen Euro für die Gemälde. Wie es auf der Facebook-Seite des Bataillons hieß, befasste sich Gumenjuk mit PR und dem Sammeln von Geldern für die Organisation und wurde gefeuert, nachdem  sich herausstellte, dass das gesammelte Geld nur zum Teil ins Bataillon floss.

    Nach Angaben des Museums sind auch Vertreter der ukrainischen Sicherheitsbehörden und hochrangige Politiker in Gelderpressungsversuche in diesem Fall verwickelt. Unter anderem werden der Chef der nationalistischen Freiheitspartei, Oleg Tjagnibok, und der ehemalige Chef des ukrainischen Inlandgeheimdienstes SBU, Walentin Naliwajtschenko, erwähnt.

    Bershidsky zufolge sind die Verhandlungen über die Rückgabe der Bilder in eine Sackgasse geraten. Die Niederländer wollen diese Geschichte jetzt an die Öffentlichkeit bringen. Der Vorfall, der in den Niederlanden für großes Aufsehen erregt habe, werde die Sympathien gegenüber den Ukrainern kaum steigern, so Bershidsky.

    Viele Niederländer sind  beunruhigt über einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine. Eine Gruppe von Aktivisten berichtete im Oktober, dass sie 427.000 Unterschriften für ein Referendum zur Zweckmäßigkeit der Ratifizierung des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine sammelte. Die Abstimmung soll am 6. April 2016 stattfinden. Laut Bershidsky sind die Ergebnisse der Abstimmung nicht verbindlich, doch die niederländische Regierung wird sie kaum ignorieren können. Kiew steht unter Druck und muss etwas unternehmen.

    Doch das sei für Kiew nicht so einfach. Die jetzige Ukraine sei ein Land voller Waffen in Händen radikaler Gruppierungen, die keinen Respekt vor den Behörden haben, so der Kolumnist. Die Regierung gehe vorsichtig vor, was harte Maßnahmen gegenüber Vertretern der Freiwilligenbataillone betreffe, weil sie einst ein Instrument für den Machtwechsel gewesen seien und jetzt auch gefährlich sein können, falls man sie provoziere.

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    Museum, Rechter Sektor, Leonid Bershidsky, Oleg Tjagnibok, Boris Gumenjuk, Ukraine, Hoorn