03:07 22 November 2019
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    Kämpfer der Terrorgruppierung Daesh (Islamischer Staat)

    Islamischer Staat größtes Problem 2015

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    Eines der größten Probleme des scheidenden Jahres sind die Aktivitäten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewesen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Aus einer kaum spürbaren Gefahr irgendwo im Nahen Osten hat sich diese Gruppierung in einen richtigen Alptraum verwandelt, von dem jeder Mensch auf der Welt getroffen werden kann. Erst vor kurzem war kaum vorstellbar, dass die IS-„Metastasen“ Russland, Europa und die USA erreichen könnten. Inzwischen haben die radikalen Islamisten Blut an den Händen: Ihre Opfer waren russische Touristen an Bord eines in der Luft über Ägypten gesprengten Flugzeuges sowie friedliche Einwohner von Paris und der Stadt San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien.

    Die diplomatischen und militärischen Bemühungen um die Bekämpfung des „Kalifats“ sind bisher erfolglos geblieben, und das kommende Jahr scheint den Beginn einer großen Kampagne gegen die religiösen Fanatiker zu markieren.

    Im Mai schockierten die IS-Kämpfer die Weltgemeinschaft, als sie die Hauptstadt der irakischen Provinz Ramadi eroberten und die historischen Ruinen im syrischen Palmyra vernichteten. Die Dschihadisten nahmen Rakka unter Kontrolle und verdrängten die al-Qaida-Kämpfer aus der Stadt. Dadurch gerieten syrische Ölfelder in ihre Hände. Darüber hinaus eroberten sie die Städte Mosul (Irak), Sirte (Libyen, die Hauptstadt des ehemaligen Diktators Muammar al-Gaddafi) und große Gebiete in Afghanistan.

    Diese Erfolge begeisterten Tausende Radikale weltweit: Dem „Islamischen Staat“ schlossen sich Islamisten in Nigeria, Libyen und Ägypten an. In der ganzen Welt gibt es inzwischen etwa 30 Exklaven, die dem IS die Treue geschworen haben oder gerade dabei sind, dies zu tun. Unter anderem handelt es sich dabei um mehrere Länder in Zentralasien, in Indonesien, Malaysia und sogar Indien.

    Eine der Besonderheiten des vom IS ausgelösten Kriegs besteht darin, dass es diesmal im Unterschied zu den traditionellen Kriegen der Vergangenheit keine klare Frontlinie gibt: Der IS hat kein Territorium und keine Hauptstadt, deren Eroberung ein Ende des Konfliktes bedeuten könnte. Zudem haben die Dschihadisten keine Nationalität: Der Vereinigungsfaktor ist für sie ihr radikaler Glaube.

    Der IS muss keine Terroristen in diese oder jene Region schicken, weil die Gruppierung ohnehin nahezu weltweit Anhänger hat. So stützt sich der IS auf europäische Kriminelle, die aus Slums bei Paris, Brüssel usw. stammen.

    Erstes beunruhigendes Signal war im Januar der Überfall auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris, den drei Franzosen arabischer Herkunft verübten. Dabei kamen zwölf Mitarbeiter der Redaktion ums Leben. Im Juni töteten mehrere Dschihadisten 38 Menschen an einem Strand in Tunesien, die meisten davon waren europäische Touristen. Bald darauf verübten IS-Kämpfer Anschläge in Beirut und Ankara, womit sie dem Libanon und der Türkei den Krieg erklärten.

    Russland war eines der ersten Länder, die die vom IS ausgehende Gefahr begriffen. Aber statt Schläge gegen die Islamisten zu führen, konzentrierten sich die russischen Luftstreitkräfte auf den Kampf gegen die Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, als Moskau mit einer erfolgreichen Offensive von dessen Truppen rechnete. Diese Hoffnungen gingen jedoch nicht in Erfüllung: Assads Armee war bzw. ist nicht in der Lage, nicht nur den Dschihadisten, sondern auch den Rebellen zu widerstehen, die gegen den Präsidenten kämpfen.

    Russlands Syrien-Einsatz dauert bereits drei Monate, aber echte Erfolge sind nicht in Sicht. Der Kreml scheint inzwischen daran zu denken, wie man dem Krieg mit diplomatischen Mitteln ein Ende setzen könnte.

    Der Syrien-Einsatz der russischen Luftstreitkräfte führte zu Opfern unter russischen Staatsbürgern. Zu einem neuen IS-Terrorausbruch kam es im Oktober und November, als ägyptische und belgische IS-Anhänger ein russisches Flugzeug über der Halbinsel Sinai sprengten und mehrere Anschläge in Paris verübten. Bei der A-321-Katastrophe kamen 224 Menschen ums Leben, bei den Pariser Attacken 130.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte noch vor diesen Anschlägen, und zwar bei einer UN-Vollversammlung im September, die Führungspolitiker der Welt zur Bildung einer großen Anti-IS-Koalition aufgefordert, doch sein Aufruf wurde überhört. Mehr als das: Russland verärgerte die Türkei, indem es die Turkmenen-Stellungen in Syrien angriff. Darauf reagierte Ankara am 24. November mit dem Abschuss eines russischen Su-24-Kampfjets, was einen Sanktionskrieg und eine Eiszeit zwischen beiden Ländern auslöste. Der russisch-türkische Konflikt, der alles andere als nützlich für den Anti-IS-Kampf ist, könnte zu einem neuen Sturm im Schwarzmeerraum führen.

    US-Präsident Barack Obama, der ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2016 keine Bodenoffensive in Syrien aufnehmen kann, hat dort einen „Stellvertreterkrieg“ begonnen, in dem sich Washington auf die Kurden und irakischen Schiiten stützt. Aber sein Vorgehen findet nicht immer Unterstützung in Bagdad: Die dortigen Politiker ziehen Kontakte mit Teheran vor, das dem Irak mit Beratungen hilft und ihm Kämpfer der Islamischen Revolutionsgarde zur Verfügung stellt.

    Trotz der Gegenwirkung der Türkei und der Passivität der Amerikaner ist es Russland gelungen, den so genannten Wiener Prozess zur Syrien-Regelung zu starten. Vor einigen Tagen verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einstimmig eine Resolution, die der bewaffneten Konfrontation zwischen Assad und den syrischen Oppositionellen ein Ende setzen könnte. Das wäre ein Unterpfand für eine gemeinsame IS-Bekämpfung.

    Dennoch muss sich die Weltgemeinschaft 2016 offenbar auf eine große Militärkampagne gefasst machen, wobei es nicht nur zu lokalen Auseinandersetzungen, sondern zu einem echten Zivilisations- und Weltanschauungskonflikt kommen könnte.

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    Terrorismus, A-321, Su-24-Abschuss, Terroranschläge in Paris, Charlie Hebdo, Terrormiliz Daesh, Türkei, Palmyra, USA, Europa, Russland