16:46 18 August 2017
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    Proteste gegen Exekution: Demonstranten stürmen saudische Botschaft in Sanaa

    Saudi-Arabien und Iran: Islamische Welt in der Zerreißprobe

    © REUTERS/ Khaled Abdullah
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    Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und Iran (28)
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    Der sich zuspitzende Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran droht die gesamte islamische Welt zu destabilisieren und wird zur neuen Herausforderung für alle Weltmächte, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Nach den 47 Hinrichtungen in Saudi-Arabien im Namen des Antiterrorkampfes, bei denen auch der schiitische Geistliche und Menschenrechtler Nimr al-Nimr, weitere Schiiten sowie Sunniten ermordet wurden, hat sich die Lage in der Region dramatisch verschärft. Im Iran, wo die Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung bilden, wurden die Ereignisse in Riad als Beginn einer Großoffensive gegen Schiiten nicht nur in Saudi-Arabien, sondern auch in anderen Ländern wahrgenommen. Die Situation geriet außer Kontrolle, nachdem Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran und das Konsulat in Meschhed attackierten. Weil die iranischen Behörden die Gewalt nicht stoppen wollten, brach Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen mit Teheran ab. Diesem Beispiel folgten Bahrain, der Sudan, Somalia und Dschibuti.

    Die anschließenden Ereignisse zeigten das Streben Riads nach einer Internationalisierung des Konfliktes durch die Bildung einer antiiranischen Front der arabischen und islamischen Staaten. Saudi-Arabien will alle Hebel in Gang setzen, um den Iran politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen und zu isolieren.

    Riad will die Rückkehr Irans in die Weltgemeinschaft mit allen Mitteln bremsen und einen Wandel des Irans vom Außenseiter zu einem einflussreichen Akteur verhindern, der zusammen mit Russland einen entscheidenden Einfluss auf die Regelung des Syrien-Konfliktes ausüben könnte. Zwei Wochen vor der Hinrichtung von Nimr al-Nimr erklärte der saudische Verteidigungsminister Mohammed bin Salman al-Saud die Einrichtung einer weiteren Anti-Terror-Koalition zusätzlich zu den zwei bereits zwei bestehenden je unter Leitung der USA und Russlands. Laut dem Leiter des Nationalen Iranisch – Amerikanischen Rats (NIAC), Trita Parsi, hängt die Eskalation zwischen Riad und Teheran damit zusammen, dass Saudi-Arabien an Einfluss in der Region verliert und darum ein Erstarken des Irans verhindern will.

    Dennoch weigerten sich einige Staaten, mit Teheran auf Konfrontationskurs zu gehen. Der Libanon, in dem die proiranische schiitische Gruppierung Hisbollah beheimatet ist, schloss sich der antiiranischen Kampagne nicht an. Der Irak, wo Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung bilden, bot sich als Vermittler zwischen den Konfliktparteien an.

    Der nach den Angriffen auf die saudische Botschaft in eine peinliche Situation geratene Iran bekam am Donnerstag eine Chance auf eine diplomatische Gegenoffensive, als die gegen die Huthi-Rebellen im Jemen kämpfende arabische Koalition unter Leitung Saudi-Arabiens einen Raketenangriff gegen die iranische Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sana flog. Teheran will jetzt dem UN-Sicherheitsrat einen Bericht zum Luftangriff vorlegen. Zudem berichtet Teheran über den Einsatz von verbotenen Streubomben durch saudische Luftstreitkräfte im Jemen.

    Experten zufolge handelte es sich bei der Hinrichtung von Nimr al-Nimr im Rahmen der Massenexekution um eine geplante Aktion der saudischen Behörden. Neben der strategischen Aufgabe zur Eindämmung des Irans verfolge sie ein konkretes Ziel: Teheran aus der Syrien-Regelung herauszudrängen, die bei den Verhandlungen in Genf am 25. Januar erneut angepackt werden soll.

    „Das ist eine bewusste Provokation seitens Er-Riads. Saudi-Arabien wusste, wie einige iranische politische Kräfte auf die Hinrichtung reagieren würden, wo Angriffe auf Botschaften seit mehreren Jahrhunderten zu einem Teil der politischen Tradition wurden – wie die Angriffe auf die Botschaften der USA und Großbritanniens nach der Islamischen Revolution 1979. Die saudische Seite rechnete mit einer solchen Reaktion“, so der Politologe Alexander Ignatenko. Zudem habe Saudi-Arabien ein weiteres Ziel erreicht: die Aktivierung der schiitischen proiranischen Kräfte in Saudi-Arabien und im benachbarten Bahrain, wonach die Frage nach der Einmischung Irans in die inneren Angelegenheiten der arabischen Monarchien gestellt worden sei, so Ignatenko.

    Die Lösung der Krise zwischen beiden Ländern werde davon abhängen, welche Regional- oder Weltmacht die Vermittlerrolle übernehmen wird. Das russische Außenministerium habe bereits zu verstehen gegeben, dass Moskau bereit sei, diese Rolle zu übernehmen, so Ignatenko.

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    Tags:
    Nimr al-Nimr, Jemen, Iran, Saudi-Arabien, Syrien
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