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03:30 14 Oktober 2019
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    Die erste Ostsee-Pipeline (hier noch im Bau) ist seit 2011 in Betrieb.

    Nord Stream 2: Westliche Firmen buhlen um Auftrag

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    Gazprom will offenbar im Januar entscheiden, wer den Meeresabschnitt der Gaspipeline Nord Stream-2 bauen wird, schreibt die „Kommersant“ am Mittwoch.

    Nach „Kommersant“-Angaben wollen die französische Firma Technip, die Schweizer Allseas, die niederländische Royal IHC und die italienische Saipem den Vertrag die zwei Stränge mit einer Gesamtlänge von 2500 Kilometer im Wert von vier Milliarden US-Dollar bauen. Der logischste Kandidat ist wohl Saipem, die die ersten zwei Nord-Stream-Stränge über die Ostsee verlegte. Doch die Italiener gehören nicht zu den Projektteilnehmern, was die Chancen von Saipem negativ beeinflussen könnte. Die Ergebnisse der Ausschreibung sollen im Januar bekanntgegeben werden.

    Auch Bloomberg-Quellen sprechen von einer möglichen Beteiligung der Firma Saipem am Bau der Pipeline. Nach Angaben der Nachrichtenagentur vom Dienstag führt die Firma entsprechende Verhandlungen mit Gazprom. Der Chef des Energiekonzerns Eni, der Saipem kontrolliert, Claudio Descalzi, schloss eine Beteiligung am Nord-Stream-2-Projekt nicht aus.

    Nord Stream 2 ist ein Projekt zum Bau einer Gaspipeline aus Russland nach Deutschland über die Ostsee. Geplant sind zwei Stränge mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Neben Gazprom (50 Prozent) sind an dem Projekt die deutschen Firmen E.On und BASF/Wintershall, die britisch-holländische Shell, die österreichische ÖMV und die französische Engie (jeweils zehn Prozent) beteiligt. Der Wert des Projekts wird von Gazprom auf zehn Milliarden Euro geschätzt.

    Von vier Bewerbern hat nur die Royal IHC keine Erfahrung bei russischen Großprojekten. Technip ist zusammen mit der japanischen JGC der größte Subauftragnehmer des Flüssiggaswerks von Nowatek, Jamal SPG, und hat Verträge zur Lieferung von technischen Anlagen für das Projekt des Petrochemie-Unternehmens SIBUR, Sapsibneftehim. Allseas hatte einen Vertrag zur Verlegung eines fast 900 Kilometer langen Rohres über den Meeresboden im Rahmen des South-Stream-Projekts. Als logischster Kandidat erscheint Saipem, weil die italienische Firma die Nord-Stream-Pipeline baute. Saipem ist ein alter Partner Gazproms und nahm bereits am Bau der Schwarzmeerpipeline Blue Stream in die Türkei zu Beginn der 2000er-Jahre teil und sollte den ersten Strang von Turkish Stream bauen.

    Doch nach der Absage des South-Stream-Projekts und der sich in die Länge gezogenen Verhandlungen mit Ankara über das Turkish-Stream-Projekt blieben die Bauschiffe im Schwarzen Meer stehen, während Gazprom der Firma Vertragsstrafen zahlen musste. Im Ergebnis kündigte Gazprom den Vertrag, nachdem Saipem nicht auf Zugeständnisse gehen wollte. Die Beziehungen zwischen den Unternehmen spitzten sich ebenfalls wegen der Tatsache zu, dass die Gazprom-Führung nur schwierig eine gemeinsame Sprache mit Eni-Chef Claudio Descalzi fand. Ein weiterer negativer Faktor ist, dass Italien im Unterschied zu Frankreich und den Niederlanden keine eigenen Unternehmen als Aktionäre des Projektes hat.

    Dabei muss die Firma, die bei der Ausschreibung ausgewählt wird, wegen der Russland-Sanktionen eine Genehmigung bei eigenen Behörden beantragen. Somit haben die zahlreichen Nord-Stream-2-Gegner unter östlichen EU-Mitgliedern die Chance, das Projekt zu bremsen.

    Laut Waleri Nesterow von Sberbank CIB dehnen sich die Sanktionen formell nicht auf die Verlegung der Unterwasserpipelines aus. Zudem will Gazprom alle Normen der europäischen Gesetzgebung erfüllen, darunter das Dritte Energiepaket. Dennoch liege die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung des Projekts bei etwa 50 Prozent.

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    Nord Stream 2, Royal IHC, Claudio Descalzi, Deutschland, Russland