05:29 25 Februar 2020
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    Am vergangenen Samstag hat zum ersten Mal eine Frau eine Präsidentschaftswahl auf Taiwan gewonnen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Montag.

    Die Kandidatin der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), Tsai Ing-wen, erhielt nahezu 60 Prozent der Stimmen. Ihr Gegner Eric Chu von der Partei Kuomintang (KMT) musste sich mit 31,04 Prozent begnügen.

    Das war bereits der zweite Anlauf für Tsai Ing-wen, die sich 2012 gegen den bisherigen Präsidenten Ma Ying-jeou (51,6 Prozent) geschlagen geben musste. Dieser durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl antreten.

    Tsais Wahlsieg war allerdings voraussagbar gewesen: Laut einer Umfrage des Fernsehsenders TVBS im Vorfeld der Abstimmung hatten sich 43 Prozent der Befragten bereit gezeigt, für sie zu votieren.

    Tsai Ing-wen ist nicht nur die erste Präsidentin Taiwans: Die Rückkehr der DPP an die Machtspitze nach der acht Jahre dauernden Amtszeit der KMT könnte das politische Klima auf der Insel und ihre Beziehungen mit dem chinesischen Festland grundsätzlich verändern.

    Die DPP tritt traditionell für die Unabhängigkeit Taiwans von China ein. Die zwei Amtszeiten Ma Ying-jeous waren dagegen durch eine beispiellose Annäherung an die Volksrepublik gekennzeichnet. In dieser Zeit wurden Hunderte Direktflüge in die größten chinesischen Städte eröffnet, auf der Insel wimmelte es von chinesischen Touristen, und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Seiten intensivierten sich enorm. Höhepunkt dieser Annäherung war das erste Treffen der beiden Präsidenten in der Geschichte im Herbst 2015 in Singapur.

    Tsai Ing-wen neigt allerdings zur wirtschaftlichen Annäherung an die USA und Taiwans ostasiatische Nachbarländer. Sie hat sich bereits für den Beitritt zur Transpazifischen Partnerschaft ausgesprochen, die am 5. Oktober auf Initiative Washingtons gegründet worden war.

    Die niederschmetternde Niederlage der Kuomintang (die Partei hat auch die Parlamentswahl verloren und wird künftig nur 19 Sitze gegenüber 73 Sitzen der DPP haben) wird schlimme Folgen für ihr Image und ihre Popularität sowie für den Einfluss Pekings auf der Insel haben.

    Doch dieses Scheitern ist eher logisch: Die Taiwanesen waren schon seit längerer Zeit mit der Politik Ma Ying-jeous unzufrieden. Sie empörten sich über die Horden chinesischer Touristen, über die wachsende Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft und die ständig steigenden Immobilienpreise wegen der chinesischen Käufer.

    Die Amtseinführung Tsai Ing-wens ist für den 20. Mai angesetzt.

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    Tags:
    DPP, Ma Ying-jeous, Eric Chu, Tsai Ing-wen, China, Taiwan