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22:58 20 September 2019
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    Treffen zwischen Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland und Papst Franziskus

    Historischer Kirchengipfel auf Kuba: Patriarch und Papst auf Annäherungskurs

    © AFP 2019 / Adalberto Roque
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    Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill und Papst Franziskus haben bei ihrem Treffen in der kubanischen Hauptstadt Havanna eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

    Die symbolische Bedeutung der Zusammenkunft der Vorsteher der beiden Kirchen zeugt von der Einheit der Christen und dem Streben, die Kontroversen zwischen der westlichen und östlichen Kirchenwelt zu überwinden. Dennoch müsse dafür mehr getan werden, schreibt der russische Kirchenexperte Sergej Tschapnin in einem Beitrag für die Montagsausgabe der Zeitung „Wedomosti“.

    Es war nicht zu erwarten, dass das zweistündige Treffen am Flughafen in Havanna diesen Ausgang nehmen würde. Weder politische noch religiöse Persönlichkeiten dieses Niveaus hatten sich jemals zuvor in der „technischen Atmosphäre“ eines Flughafens getroffen. Zusammenkünfte dieser Art werden traditionell in Kirchen oder Kathedralen durchgeführt.

    Patriarch Kyrill wählte mit dem José-Marti-Flughafen in Havanna einen ungewöhnlichen Ort für das Treffen. José Marti war ein kubanischer Dichter und Revolutionär. Bislang galt Marti als „Apostel der Unabhängigkeit“. Eventuell könnte dieses Zeichen für Verständnis in Lateinamerika sorgen, dennoch wirkt der Ort des Treffens für russische Orthodoxe befremdlich.

    Vor dem Treffen hieß es, dass der Papst und der Patriarch keine kirchlichen Themen erörtern, sondern gemeinsam Gebete sprechen werden. Denjenigen, die scharfe Kritik an der Annäherung zwischen der römisch-katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche üben, wollte man keinen Vorwand geben. Die Gegner halten das gemeinsame Gebet für eine Abkehr vom orthodoxen Christentum und Ketzerei.

    Die verabschiedete Deklaration ist ein kompliziertes und umfangreiches Dokument, in dem das Gleichgewicht der Interessen eingehalten wird. Die Deklaration tritt nur in Kraft, wenn eine breite und offene Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Seiten auf unterschiedlichen Ebenen folgt. Die Seiten gingen einen Kompromiss bei der Abstimmung des Dokuments ein. Erstens geht es um „weiche“ Formulierungen zur Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche: Der Konflikt zwischen den Orthodoxen und Griechisch-Katholiken in der Westukraine galt jahrelang als eine der größten Hindernisse für das Treffen zwischen dem Papst und dem russischen Patriarchen. Damals hatte der Patriarch gefordert, die Aktivitäten der griechisch-katholischen Gemeinden zu verurteilen. Der Vatikan lehnte dies ab.

    Nun wird der Konflikt zwischen der orthodoxen und der griechisch-katholischen Kirche als „Reibereien“ bezeichnet. Zudem bekräftigen der Papst und der Patriarch, dass die Methode des „Unitarismus“ nicht zum „Wiederaufbau der Einheit“ beitrage. „Die christlichen Gemeinden, die unter historischen Umständen entstanden waren, haben das Recht zu existieren und alles zu unternehmen, um die geistlichen Bedürfnisse ihrer Kirchengänger befriedigen zu können“.

    Der Status quo der griechisch-katholischen Gemeinden wurde bekräftigt, und alle Seiten wurden dazu aufgefordert, sich zu versöhnen und nach einvernehmlichen Formen der Koexistenz zu suchen. Moskau hat seine Vorwürfe gegen den Vatikan in dieser Frage vollends zurückgenommen.

    Was die Lage in der Ukraine und im Nahen Osten anbelangt, verloren der Papst und der Patriarch keine Worte über Militäreinsätze als Lösung von Konflikten. Zuvor hatte die russisch-orthodoxe Kirche erklärt, den russischen Militäreinsatz in Syrien zu unterstützen. In Bezug auf die Ukraine-Krise übte man sich in Zurückhaltung. Weitere Themen waren Familien-Probleme, soziale Gerechtigkeit und Bioethik; es wurde zu einem Dialog aufgerufen.

    Wie sehen die katholisch-orthodoxen Beziehungen nun aus? Einerseits gibt es mysteriöse „gemeinsame Projekte“, die der Papst in Havanna erörtert hat. Andererseits wird Patriarch Kyrill von den orthodoxen Fundamentalisten scharf kritisiert. Es bleibt offen, ob Kyrill die Mehrheit seiner Kirche überzeugen wird, die Beziehungen zu den Katholiken auszuweiten.

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    Papst Franziskus, Patriarch Kyrill, Havanna