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03:47 20 August 2019
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    Protest gegen die Regierung in Chisinau

    Rumänien nutzt Krise in Moldawien zum Ausbau seines Einflusses

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    Rumänische Politiker fordern verstärkt eine Annäherung an Moldawien, das derzeit in einer tiefen politischen Krise steckt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Laut Rumäniens Präsident Traian Basescu kann selbst Moskau den Zusammenschluss der „rumänischen Staaten“ nicht verhindern, falls die beiden Länder dies wollen.

    In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview für die moldawische Zeitung „Deschide“ nahm Basescu Stellung zur Systemkrise in Moldawien, wo die Proteste gegen die „korrumpierte Oligarchenmacht“ andauern. Ihm zufolge haben die in Moldawien an der Macht stehenden proeuropäischen Parteien ihren Vertrauenskredit verspielt.

    Im Mittelpunkt stehen die Aussichten des Zusammenschlusses der beiden Staaten, deren Grenze entlang des Flusses Prut von Basescu als historische Ungerechtigkeit angesehen wird: „Wir sind eine Nation, die in verschiedenen Staaten lebt, weil Hitler und Stalin es so beschlossen haben“, so Basescu. Der Politiker ist davon überzeugt, dass, falls die Bürger und Politiker der beiden Staaten die Frage der Vereinigung gewaltlos per Parlament bzw. Referendum lösen, niemand Widerstand leisten wird. „Ich bin davon überzeugt, dass auch Moskau der Wiedervereinigung nicht entgegenstehen wird“, sagte Basescu.

    Fotos: Massenunruhen gegen neue Regierung vor Parlament in Moldawien

    Der Präsident ist nicht der einzige rumänische Politiker, der über die Situation im Nachbarland besorgt ist. Der rumänische Senator von der Nationalen liberalen Partei, Viorel Badja, stellte am 10. Februar die Strategie „Republik Moldau – Priorität der Politik Rumäniens“ vor. Das Dokument betrifft mehrere Bereiche, in denen Bukarest und Chisinau zusammenwirken könnten.

    So wird vorgeschlagen, im kulturellen Bereich die rumänische Sprache und Kultur zur Aufrechterhaltung und Entwicklung der rumänischen Identität zu entwickeln. Im religiösen Bereich geht es um die Unterstützung der Bessarabischen Metropolie, die der Rumänischen Metropolie unterordnet ist und mit der Moldawischen Metropolie im Wettbewerb steht. Zudem schlagen die Verfasser vor, eine Basis zur Schaffung gemeinsamer Polizeistrukturen zu bilden. Das Hauptziel sei, Moldawien zu helfen, in der europäischen Kultur zu bleiben. „Die Republik Moldau war nie ein Teil der euroasiatischen Kultur. An einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte geriet es zeitweilig in eine andere Zone. Jetzt soll Moldawien nach Hause, nach Europa, zurückkehren“, so der Senator.

    Die Strategie sorgte in Chisinau für großes Aufsehen. Viele Beobachter sahen darin den Plan einer sanften Übernahme Moldawiens durch das Nachbarland. Milder gestimmte Experten betonen, dass Rumänien die Krise der moldawischen Staatlichkeit nutzt, um seinen Einfluss auf dieses Land zu erhöhen.

    „Vor dem Hintergrund der innenpolitischen Krise in Moldawien versuchen rumänische Politiker, hier ihren Einfluss auszubauen, um früher oder später die Idee der Vereinigung umzusetzen“, sagt der Politologe Dionis Cenusa. 500.000 moldawische Staatsbürger haben bereits die Staatsbürgerschaft des Nachbarlandes erhalten, und ebenso viele haben bereits entsprechende Anträge eingereicht.

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    Tags:
    Traian Basescu, Rumänien, Moldawien