15:25 12 Dezember 2017
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    US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump

    Trumps „brüderliche Liebe“: Wie Putin Unterstützung aus den USA bekommt

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    Erst vor kurzem hätte das kaum jemand für möglich gehalten, aber der exzentrische Milliardär Donald Trump bleibt weiter im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Dienstag.

    In der vorigen Woche fanden im Bundesstaat New Hampshire die Vorwahlen der Republikanischen und der Demokratischen Partei statt. Bei den Republikanern erhielt Trump 35 Prozent der Stimmen, und damit bleibt er neben seinem Parteikollegen John Kasich und den Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders weiter im Rennen.

    Ursprünglich glaubte kaum jemand, dass sich der Bauunternehmer und TV-Moderator tatsächlich an der Wahlkampagne beteiligen würde. Viele hielten seine entsprechenden Aussagen für Werbetricks, um seiner Fernsehkarriere einen Schub zu geben. Schließlich hatte Trump schon vor 30 Jahren behauptet, er würde für das Präsidentenamt kandidieren.

    Zudem waren seine Äußerungen zu manchen Themen alles andere als günstig für eine politische Karriere. So bezeichnete er beispielsweise Einwanderer als „Mörder, Vergewaltiger und Drogenhändler“ und plädierte für den Bau einer Mauer an der gesamten Grenze zwischen den USA und Mexiko, wobei die Mexikaner die Bauarbeiten bezahlen müssten. Dabei ist offensichtlich, dass Trumps Erfolgschancen bei den spanischsprachigen Wählern, von denen 60 Prozent laut Umfragen negativ ihm gegenüber eingestellt sind, bei null liegen sollten.

    Auch für Muslime hat Trump keine guten Worte übrig. Eine seiner jüngsten Initiativen war, ihnen die Einreise in die USA völlig zu verbieten: Er manipuliert geschickt mit den chauvinistischen und fremdenfeindlichen Stimmungen der ungebildeten weißen Wähler. Erwähnenswert ist, dass 56 Prozent der US-Bürger laut Umfragen der Meinung sind, dass der Islam den amerikanischen Werten widerspricht.

    Aber in Amerika war der Unternehmergeist immer sehr stark. Deshalb hoffen viele, dass ein Geschäftsmann an der Machtspitze die nationale Wirtschaft ankurbelt.

    Der exzentrische Milliardär ist der einzige US-Präsidentschaftskandidat, der den russischen Präsidenten Wladimir Putin mehrfach gelobt hat. Auch Letzterer scheint Sympathie für Trump zu empfinden. Angesehene US-Medien sprechen sogar von einer „brüderlichen Liebe“ zwischen den beiden (Putin Trump Bromance).

    Mehr zum Thema: Trump: „Putin ist ein angenehmerer Mann als ich selbst“

    Bereits im Juni 2015 merkte Trump in einem Interview für den Fernsehsender Fox an, das Putin „in Russland sehr populär“ sei. „Ich war vor zwei Jahren in Moskau und kann sagen, dass Sie mit diesen Menschen eine gemeinsame Sprache finden können. Sie können mit diesen Menschen verhandeln.“ Im Oktober sagte der Milliardär zu CNN: „Ich könnte mit ihnen eine gemeinsame Sprache finden, und dann hätten wir diese Probleme, die wir jetzt haben, nicht gehabt.“ Im Allgemeinen weiß Trump Putins Stärke sehr zu schätzen und betont, dass der russische Staatschef nach seinen Führungseigenschaften besser als dessen aktueller US-Amtskollege Barack Obama sei.

    Kein Wunder ist es also, dass Putin auf seiner großen Pressekonferenz im Dezember Trump als einen „sehr klugen und talentierten“ Mann und als „absoluten Leader des Präsidentschaftswahlrennens“ bezeichnete. Trump erwiderte seinerseits, dass eine solche Einschätzung seiner Person „eine große Ehre“ für ihn sei.

    Ob aber wieder ein „Neustart“ in den russisch-amerikanischen Beziehungen zu erwarten ist, falls Trump tatsächlich den Wahlkampf gewinnen sollte? Die gegenseitige Sympathie allein genügt wohl nicht für eine Verbesserung der Beziehungen. In diesem Zusammenhang ist das ursprünglich positive Verhalten des damaligen US-Präsidenten George W. Bush zu Putin erwähnenswert, das aber wegen objektiver Kontroversen zwischen Moskau und Washington ziemlich schnell zunichte gemacht wurde. Zur Information: Zwischen 2013 und 2015 ist der US-Export nach Russland von elf auf sieben Milliarden Dollar geschrumpft, während Russlands Export in die USA von 27 auf 16 Milliarden Dollar zurückging.

    Im Kontext der Ukraine-Krise baut die Nato (sprich die USA) unter Druck von Polen und der baltischen Länder ihre militärische Präsenz in Osteuropa aus.

    Dabei ist die US-Rüstungsindustrie, die traditionell die Republikaner unterstützt, am Ausbau der Militärausgaben sehr interessiert. Es ist also unwahrscheinlich, dass Trump als Präsident diese reduzieren würde. Das bedeutet, dass Moskau und Washington auch weiterhin viele Anlässe für Kontroversen hätten.

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    Tags:
    Wladimir Putin, Donald Trump, Bernie Sanders, Hillary Clinton, John Kasich, Russland, USA
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