01:09 10 Dezember 2019
SNA Radio
    Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien am 16. Februar, 2016

    Syrien-Konflikt: Türkische Provokation könnte „kleinen Weltkrieg“ auslösen

    © AFP 2019 / Bulent Kilic
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    Situation in Syrien (2016) (851)
    371128
    Abonnieren

    Die Türkei dementiert Medienberichte über die Verlegung ihrer Truppen nach Syrien. Experten vermuten allerdings, dass „an Ankara angegliederte“ Kämpfer die Grenze zwischen beiden Ländern überquert haben, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Der türkische Verteidigungsminister Ismet Yilmaz dementierte entsprechende Behauptungen und betonte, dass die zuständige Parlamentskommission sich mit dieser Frage gar nicht beschäftigt hätte. Gleichzeitig widersprach er Informationen über die Stationierung von saudi-arabischen Kampfjets in der Türkei. Zuvor hatte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu nicht ausgeschlossen, dass Riad seine Flugzeuge auf den Stützpunkt Incirlik verlegen könnte.

    Premier Ahmet Davutoglu hatte im türkischen Fernsehen erklärt, Ankara könnte in Syrien „dieselben Maßnahmen wie im Irak“ ergreifen. (Im Dezember waren mehr als 100 Soldaten ohne Zustimmung Bagdads in den Irak verlegt worden.) Am vergangenen Wochenende beschoss die Türkei zum ersten Mal die Stellungen der kurdischen Bürgerwehr in Syrien, nachdem diese einen Fliegerstützpunkt nördlich von Aleppo erobert hatte. Damaskus wandte sich danach an die Uno und verlangte von ihr Maßnahmen gegen die Verletzung der syrischen Souveränität.

    „Die Türkei verhält sich äußerst frech, indem sie unter einem lügnerischen und demagogischen Vorwand nach Syrien eindringt“, meint der Präsident des russischen Instituts für Religion und Politik, Alexander Ignatenko. „Es wurden zwar keine türkischen Soldaten nach Syrien geschickt, aber das sind offensichtlich Kämpfer, die auf dem türkischen Territorium ausgebildet und bewaffnet wurden und die Ankaras militärpolitische Pläne umsetzen.“

    Das Außenministerium Frankreichs brachte jüngst seine „Besorgnis über die Anspannung der Situation bei Aleppo und im Norden Syriens“ zum Ausdruck und forderte die Türkei und andere Länder zur Einstellung jeglicher Angriffe auf, darunter in den kurdischen Gebieten. Priorität müsste der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ haben, warnte man in Paris.

    US-Vizepräsident Joe Biden telefonierte mit Davutoglu und bestand auf der Einstellung der Angriffe. Auch das US-Außenministerium plädierte für eine Entspannung des Konflikts. Zugleich aber rief der Sprecher des Außenamtes, John Kirby, auch die Kurden dazu auf, „die verworrene Situation nicht auszunutzen, um neue Territorien zu erobern“.

    Die „Washington Post“ gab jüngst eine negative Prognose für die Entwicklung des Syrien-Konflikts ab. Der Zeitung zufolge könnten die Auseinandersetzungen bei Aleppo in einen globalen Krieg ausarten: „Der Bürgerkrieg in Syrien ist schon längst in einen Kreaturen-Konflikt unter Beteiligung der konkurrierenden Großmächte mutiert, die die syrischen rivalisierenden Fraktionen unterstützen.“ Aber bis zuletzt habe keine Gefahr des Beginns „eines kleinen Weltkrieges“ im Nahen Osten bestanden.  

    Mehr zum Thema: Mit Fall Aleppos werden schlimmste Alpträume Ankaras wahr

    An den Kriegshandlungen bei Aleppo sind nicht nur die Kurden beteiligt, sondern auch die von Russland und dem Iran unterstützten syrischen Regierungstruppen sowie mehrere Gruppierungen, die den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad verlangen. Laut der „Washington Post“ wäre Russland bereit, schwere Artilleriewaffen in diesen Raum zu verlegen.

    „Die türkische Intervention hat den Kontext des Syrien-Konflikts verändert“, so Experte Ignatenko weiter. Bisher sei von einem Bürgerkrieg gesprochen worden, an dem das Assad-Regime und die Opposition beteiligt wären. Inzwischen gehe es aber „um den Kampf verschiedener Kräfte, die nicht nur diese beiden Seiten unterstützen, sondern auch ihre eigenen geopolitischen, wirtschaftlichen usw. Ziele verfolgen“. In diesem Kontext erwähnte der Experte Saudi-Arabien, Katar, den Iran und die Türkei. Ausgerechnet Ankara verhindert nach seiner Auffassung „die Umsetzung von friedensstiftenden Projekten zwecks politischer Krisenregelung, mit denen Russland und die USA unter Mitwirkung der Uno auftreten.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Situation in Syrien (2016) (851)

    Zum Thema:

    Assad sieht Gefahr einer saudisch-türkischen Intervention in Syrien
    Türkei und Saudi-Arabien starten Umsetzung der US-Pläne zur Teilung Syriens
    Saudi-Arabien bereit zu Entsendung von Spezialtruppen für Syrien-Bodenoffensive
    Zwei Gründe für Krieg mit Kurden: Türkische Abgeordnete gibt Erdogans Motive preis
    Tags:
    Kurden, Mevlut Cavusoglu, Ahmet Davutoglu, Ismet Yilmaz, Russland, USA, Saudi-Arabien, Aleppo, Syrien, Türkei