13:11 23 September 2017
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    Erdogan umstellt von zwei Kurdistans

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    Kommersant
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    Der Syrien-Konflikt wird zur Hauptfrage der türkischen Politik, die die Zukunft sowohl des Landes als auch des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bestimmen wird, schreibt die „Kommersant“ am Donnerstag.

    Die Offensive der kurdischen Einheiten in den nördlichen Grenzgebieten Syriens zur Türkei kann der Idee des kurdischen Nationalismus in der Türkei, gegen den Ankara seit vielen Jahrzehnten kämpft, neues Leben einhauchen. Präsident Erdogan versucht aus Angst vor einer einheitlichen Front aus syrischen und türkischen Kurden um jeden Preis eine Pufferzone zwischen dem Syrischen Kurdistan und dem Nördlichen Kurdistan in der Türkei einzurichten. Doch dieser Versuch könnte schwerwiegende Folgen für ihn haben: Vor dem Hintergrund des Konfliktes mit Russland kann der Krieg gegen syrische Kurden die Beziehungen zwischen Ankara und seinen westlichen Verbündeten deutlich verschlechtern.

    Die Militäroperation der Türkei gegen die im benachbarten Syrien stationierten kurdischen Einheiten wird trotz Warnungen der westlichen Partner fortgesetzt. Dies wurde am Mittwoch von Präsident Erdogan selbst bestätigt. „Die Türkei wird es nicht zulassen, an ihren südlichen Grenzen ein neues Kandil zu schaffen“, sagte Erdogan und verwies auf die kurdische Enklave im Nordirak, Kandil. Erdogan zufolge dürfe man den Zusammenhang zwischen der „Demokratischen Union“ der syrischen Kurden und der in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans nicht vergessen, die Ankara als Terrororganisation eingestuft hat. Ihm zufolge können die erbarmungslosen Syrien-Operationen Russlands sowie des syrischen Regimes die Entstehung eines „einheitlichen Kurdischen Gürtels“ hervorrufen.

    Die Offensive der kurdischen Einheiten in Nordsyrien, deren Ziel die Befreiung der von Islamisten kontrollierten Stadt Asas ist, ist besonders von strategischer Bedeutung. Ein Erfolg würde es ermöglichen, zwei Gebiete zu vereinigen, die von syrischen Kurden kontrolliert werden. Bei einem solchen Szenario wird die radikale syrische Opposition, die gegen die Assad-Armee kämpft und von Ankara unterstützt wird, von der türkischen Grenze abgeschnitten. Die syrischen Kurden könnten dann zu situationsabhängigen Verbündeten von Damaskus werden. Damit würde ihr Gewicht in den Augen der Weltmächte noch mehr steigen und die Aufgabe der türkischen Seite erschweren.

    Ankara will um jeden Preis dieses Szenario verhindern und treibt die Schaffung einer Pufferzone im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei voran. Kurdische Einheiten jedoch gaben bereits zu verstehen, dass für sie von der Schaffung einer Sicherheitszone keine Rede sein könne.

    Die Militärhandlungen Ankaras gegen syrische Kurden können die Zuspitzung des kurdischen Problems sowie eine Destabilisierung in der Türkei zur Folge haben. Ebenso wie Ankara die Situation in Syrien nutzen will, um die Schrauben im Lande fester zu ziehen, wollen die türkischen Kurden die Erfolge der syrischen Kurden zu einem neuen Feilschen mit Ankara und der Lösung der eigenen Probleme nutzen, die seit vielen Jahrzehnten ungelöst sind.

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    Tags:
    Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Syrien, Türkei
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