01:46 24 Oktober 2020
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Das Öl wird auf den Weltmärkten bei mehr als 40 Dollar gehandelt – so etwas hatte es seit Anfang Dezember 2015 nicht mehr gegeben, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Der neue Aufwärtstrend lässt sich unter anderem auf die jüngsten Äußerungen des russischen Energieministers Alexander Nowak zurückführen, dass Vertreter der ölfördernden Länder, egal ob OPEC- oder Nicht-OPEC-Mitglieder, zwischen dem 20. März und dem 1. April zusammentreffen würden. Auf der Tagesordnung stünde die Festlegung der Fördermenge zur Stabilisierung der Ölpreise.

    Vorerst sind weder die Details des bevorstehenden Treffens noch der Verhandlungsort bekannt. Nowak zufolge kämen Moskau, Wien oder Doha infrage. Die internationale Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg behauptete unter Berufung auf eigene Quellen, dass man sich für die russische Hauptstadt als Austragungsort entschieden hätte.

    Noch wichtiger als die Tagesordnung der bevorstehenden Gespräche ist aber die Tatsache, dass die ölfördernden Länder in den letzten drei Wochen den ersten Versuch seit dem Sommer 2014 unternommen haben, eine Kürzung der Ölförderung zu vereinbaren, um den Preis für das „flüssige Gold“ wieder hochzutreiben.

    Denn bisher war die Situation fast schon paradox: Die Ölpreise schrumpften wegen des Überangebots auf dem Markt, und die Ölförderung wurde ausgebaut, weil jeder Angst hatte, seinen Marktanteil zu verlieren. Ein massiver Rückgang der Haushaltseinnahmen war die Folge. Venezuelas Wirtschaft brach deswegen zusammen. Russland und Aserbaidschan durchleben eine schmerzhafte Krise. In den USA steht die Schieferölförderung vor dem Aus. Saudi-Arabien schreibt enorme Haushaltsverluste und selbst das wohlhabende Norwegen muss sparen.

    Ein Mechanismus zur Regelung der entstandenen Krise wären Maßnahmen der OPEC, die früher in solchen Fällen immer erfolgreich intervenierte. Doch in den letzten anderthalb bzw. zwei Jahren funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr – wahrscheinlich weil Saudi-Arabien als absoluter OPEC-Spitzenförderer den „Preiskrieg“ quasi erst losgetreten hatte. In erster Linie wollte Riad das Schieferöl in den USA vom Markt drängen. Allerdings traf dies auch zahlreiche Projekte in Brasilien, Kanada und Russland.

    Egal wie, aber viele Experten sind sich einig, dass sich die OPEC in ihrer aktuellen Form diskreditiert hat, weil sie die Quoten, die sie selbst festlegte, ständig verletzt. So hatten die Mitgliedsländer des Kartells nach eigenen Angaben im Januar mehr als 32 Millionen Barrel pro Tag gewonnen, wobei die Quote bei höchstens 30 Millionen Barrel lag. 

    Aber seit Mitte Februar scheint der Wind in die Gegenrichtung zu wehen. Jedenfalls vereinbarten Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela, die Fördermenge auf dem Januar-Stand auf Eis zu legen. Dieses Abkommen würde allerdings nur dann funktionieren, wenn alle wichtigen Akteure des internationalen Ölmarktes sich daran halten. Mehrere OPEC-Länder wie Ecuador, Algerien, Nigeria und Kuwait sowie Oman (Nicht-OPEC-Mitglied) befürworteten diese Vereinbarung. Nowak sagte in diesem Zusammenhang, es seien insgesamt 15 Länder, die 73 Prozent des Öls auf der Welt fördern.

    Die US-Zeitschrift „Business Insider“ behauptete jüngst, dass derzeit ein neues Ölkartell gebildet werde, in dem Moskau die Führungsrolle spielen und das fast drei Viertel der weltweiten Ölförderung kontrollieren würde. Es soll ROPEC (Russland und OPEC) heißen. Doch das ist vorerst nichts als eine Art Verschwörungstheorie.

    Fragen ruft aber die Position des Iran hervor, der nach der Abschaffung der Sanktionen die Ölförderung und den Ölexport ausbauen will. Einerseits befürwortet Teheran die Idee zur Beschränkung der Ölförderung, verweist aber andererseits auf seine großen Verluste während der westlichen Sanktionen und will zunehmend mehr Öl fördern und verkaufen.

    Der Direktor des russischen Fonds für Energieentwicklung, Michail Pikin, begrüßte die Vereinbarung zwischen Russland und der OPEC. Gleichzeitig verwies er aber darauf, dass es sich nicht um eine Kürzung der Ölförderung handele, sondern dass diese nur auf dem Stand vom 11. Januar eingefroren worden sei. „Das ist keine Kürzung und nicht das, was der Markt erwartet hatte“, betonte er.

    Auch der Ölmarktexperte Michail Krutichin (RusEnergy) zeigte sich überzeugt, dass die Preiskriege weitergehen werden, „weil die Saudis über das amerikanische Schieferöl sehr besorgt sind. Zudem gibt es faktisch kein richtiges Abkommen, um die Ölförderung auf Eis zu legen. Die Saudis werden um ihren Marktanteil kämpfen und die Preise senken, darunter in Europa, wo sie mit dem russischen Öl konkurrieren werden.“

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    Öl, OPEC, Michail Krutichin, Alexander Nowak, Russland