Widgets Magazine
18:51 17 August 2019
SNA Radio
    Ölgewinnung

    Iran gegen Russlands Kompromiss: Keine Bereitschaft zum Einfrieren der Ölfördermenge

    © AFP 2019 / Andy Buchanan
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
    501360

    Russland hat die Teilnahme des Iran am Abkommen zum Einfrieren der Ölförderung nicht erreicht, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Moskau war bereit, Teheran exklusive Bedingungen anzubieten, die die Erhöhung der Ölförderung nach einem klaren Zeitplan ermöglichen würden. Doch Teheran wollte keine Verpflichtungen eingehen. Zudem will Teheran die bereits vereinbarten Vertragsbedingungen mit Russland zum Bau von Wärmekraftwerken und der Elektrifizierung der Eisenbahn revidieren, was die Gewährung von russischen Krediten für diese Projekte gefährden könnte.

    Der russische Energieminister Alexander Nowak, der in den letzten Monaten die Verhandlungen mit den OPEC-Ländern führte, besuchte am Montag den Iran. Im Mittelpunkt stand sein Treffen mit dem iranischen Ölminister Bischan Namdar Sangan. Nowak sollte neue Bedingungen für die Beteiligung des Iran am Abkommen über das Einfrieren der Ölförderung besprechen, das von Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela Mitte Februar vorläufig abgestimmt worden war.

    Nach „Kommersant“-Angaben war offensichtlich, dass der Iran, der von den Sanktionen befreit wurde, nicht auf die Erhöhung der Förderung verzichten wird. Moskau war zu einem Kompromiss bereit. Laut „Kommersant“-Quellen wurde dem Iran ein Zeitplan zur Erhöhung der Ölförderung angeboten, der ein starkes Wachstum in der ersten Jahreshälfte ausschloss. „Wichtig war, dass der Iran ebenfalls Verpflichtungen übernimmt, sonst werden die arabischen Länder nicht auf die Einfrierung der Förderung eingehen“, so eine Quelle.

    Nach „Kommersant“-Angaben wollte sich Teheran keine Verpflichtungen eingehen. Die Iraner bestätigten erneut ihre Pläne, die Förderung auf das Niveau vor der Sanktionseinführung zu erhöhen (vier Millionen Barrel pro Tag). Nach OPEC-Angaben belief sich die Ölgewinnung im Iran im Februar auf 3,13 Millionen Barrel am Tag. Dennoch äußerte Nowak nach den Verhandlungen die Vermutung, dass der Ort und der Termin für ein neues Treffens zwischen Russland und den OPEC-Ländern, an dem vielleicht auch der Iran teilnimmt, in den nächsten Tagen bestimmt werden.

    OPEC-Quellen sagten gegenüber Reuters in der vergangenen Woche, dass sie kein neues Treffen ohne Garantien einer Vereinbarung wollen, weil dies die Preise nach unten treiben könnte. Bei der aktuellen Position Teherans ist das Zustandekommen eines Abkommens eher unwahrscheinlich. Zugleich sei es schwer zu prognostizieren, wie schnell der Iran die Förderung ausbauen kann, so Valeri Nesterow von Sberbank Investment Research. „Bis zum Niveau von vier Millionen Barrel pro Tag kann es einige Jahre dauern, weil dem Iran bis heute die Finanzierungsquellen fehlen und sich die Unternehmen darüber beschweren, dass sich die Vorkommen in einem schlechten Zustand befinden“, so der Experte.

    Dass eine Vereinbarung mit dem Iran nicht einfach zu erreichen ist und auch die bereits abgestimmten Fragen in Teheran wieder geändert werden könnten, wurde bei einigen Äußerungen von iranischen Offiziellen deutlich. Der iranische Kommunikationsminister Mahmud Waesi sagte, dass die vertraglich fixierten Preise für die Errichtung von Wärmekraftwerken in Bander-Abbas und die Elektrifizierung der Bahnstrecke Garmsar-Intschech-Borun revidiert werden sollen. Diese Abkommen wurden im November während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Teheran unterzeichnet. Russland sollte für beide Projekte einen Staatskredit in Höhe von 2,2 Milliarden US-Dollar bereitstellen.

    Laut Waesi entsprachen die Vertragspreise der Konjunktur vor der Aufhebung der Sanktionen, jetzt sollten sie gesenkt werden. Nowak reagierte erzürnt darauf und sagte, dass keine neuen Bedingungen gestellt werden dürfen, weil dies die Umsetzung bremse.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)