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    Russlands Energieminister Alexander Nowak

    Zuckerbrot und Peitsche für Teheran: Russland gewährt Iran Kredit trotz Öl-Streit

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    Nowyje Iswestija
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    Russland ist bereit, dem Iran einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte bereitzustellen, wie Russlands Energieminister Alexander Nowak laut der Zeitung „Nowyje Iswestija“ vom Mittwoch nach einem Treffen mit dem Co-Vorsitzenden der russisch-iranischen Zwischenregierungskommission, Mahmud Waesi, in Teheran sagte.

    Dennoch hat der russische Energieminister es nicht geschafft, den iranischen Kollegen davon zu überzeugen, sich dem Abkommen zum Einfrieren der Ölförderung anzuschließen, damit die Ölpreise zumindest etwas nach oben gehen und der russischen Wirtschaft helfen, die Krise zu überwinden.

    Irans Position, die Ölförderung nach der Aufhebung der Sanktionen zu erhöhen, ist für Russland verständlich. Nowak sagte nach dem Treffen in Teheran, dass sich der Iran in einer besonderen Situation befinde, wobei die iranische Seite im Ganzen die Notwendigkeit der Koordinierung der Handlungen zwischen den Ölexporteuren unterstütze.

    „Die Position des Irans besteht darin, dass er zunächst die eigene Ölfördermenge auf das Niveau vor den Sanktionen bringen will und sich erst dann der Vereinbarung über das Einfrieren der Ölförderung anschließt. Er verzichtet also im Ganzen nicht auf die Idee, dass dieses Herangehen zweckmäßig ist“, sagte Nowak.

    Nach OPEC-Angaben machte die Ölförderung im Iran im Februar 3,132 Millionen Barrel pro Tag aus. Das Erreichen des Niveaus vor den Sanktionen (etwa vier Millionen Barrel pro Tag) würde rund anderthalb Jahre dauern.

    Teherans Position bewegte auch andere Ölförderstaaten dazu, sich Gedanken über die Zweckmäßigkeit einer neuen Verhandlungsrunde zu machen. Nach Reuters-Angaben berichteten die Vertreter der Golf-Staaten in der OPEC, dass sie keinen Sinn in einem Deal ohne den Iran sehen und nicht an Verhandlungen teilnehmen wollen, die ergebnislos enden könnten.

    Dennoch ist Moskau trotz des Verzichts auf das Einfrieren der Ölförderung bereit, Teheran einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte zu gewähren, unter anderem für den Bau einer Bahnstrecke und den Umbau der Wärmekraftwerke. Dieser Kredit könnte ein effektiver Einflusshebel auf den Iran bei der Ölförderung sein.

    Laut dem Leiter des Instituts für strategische Analyse des Unternehmens FBK, Igor Nikolajew, sieht die Bereitstellung des Kredits wie eine Bedingung aus, dank der Russland mit der Verhandlungsbereitschaft Teherans bei der Senkung der Ölförderquoten rechnen kann. Doch man sollte berücksichtigen, dass der Iran, ebenso wie China, pragmatisch sei und das tun werde, was vorteilhaft ist. Man könne kaum davon ausgehen, dass der russische Kredit die iranische Ölförderung senken wird, so der Experte.

    Dem Analytiker Alexej Wjasowski zufolge ähnelt die Angelegenheit mit dem Kredit für Teheran an eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Taktik. Es sei kein Geheimnis, dass der Iran große Interessen in Syrien hat, wo iranische Freiwillige kämpfen. Der Abzug der russischen Streitkräfte aus Syrien sei eine Peitsche, der Kredit ein Zuckerbrot. Alles zusammen könnte den Iran zur Änderung seiner Position in Bezug auf die Ölfördermenge bewegen.

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    Sanktionen, Ölförderung, OPEC, Mahmud Waesi, Alexander Nowak, Russland, Iran