SNA Radio
    Berg-Karabach-Konflikt

    Berg-Karabach-Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien neu entflammt

    © Sputnik / Asatur Yesayants
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    Karabach-Konflikt (134)
    1522
    Abonnieren

    Der Gebietsstreit zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach hat sich Ende vergangene Woche zugespitzt. In der Nacht auf Samstag brachen neue Gefechte aus, wobei Luftwaffe und Artillerie zum Einsatz kamen, wie die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Montag schreibt.

    Wer das Abkommen über die Feuereinstellung von 1994 gebrochen hat, ist schwer zu sagen: Baku und Stepanakert (Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach) werfen sich die Verletzung gegenseitig vor. Die Verluste der aserbaidschanischen Seite betragen laut dem Verteidigungsministerium zwölf Personen. Die armenische Militärbehörde informierte über 18 tote und 35 verletzte Soldaten. Eriwan behauptet zudem, dass es auch unter der Zivilbevölkerung Berg-Karabachs Todesopfer gebe.

    Russland verfolgt im Südkaukasus auch eigene Interessen und ist der wichtigste Vermittler bei der Konfliktregelung zwischen Armenien und Aserbaidschan. Der Konflikt brach bereits 1988 aus und kostete schon mehr als 30.000 Menschen das Leben. Fast eine Million Menschen mussten aus Berg-Karabach fliehen, wobei Aserbaidschan de facto 21 Prozent seines Territoriums verloren hat. In Berg-Karabach leben hauptsächlich ethnische Armenier.

    Russland ist damit in eine schwierige Lage geraten, denn es bemüht sich um gute Beziehungen sowohl zu Armenien, mit dem es durch einen Freundschafts- und Kooperationsvertrag von 1997 verbunden ist, als auch zu Aserbaidschan, einem der wichtigsten ölfördernden Länder der Region. Präsident Wladimir Putin hat bereits beide Seiten zur Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens aufgerufen. Außenminister Sergej Lawrow telefonierte mit seinen Amtskollegen aus beiden Ländern. Auch die Uno rief die Konfliktseiten zur Einstellung des Feuers auf.

    In den letzten 20 Jahren kam es öfter zu Auseinandersetzungen zwischen Aserbaidschan und der selbsternannten Republik Berg-Karabach. Die jüngste Eskalation ist insofern besonders, da die Türkei unverhohlen Aserbaidschan unterstützt. „Wir beten, dass unsere aserbaidschanischen Brüder diesen Kampf mit möglichst geringen Verlusten gewinnen“, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem jüngsten Aufenthalt in den USA. „Wir werden Aserbaidschan bis zum Ende unterstützen“, so Erdogan.

    In Stepanakert schließt man angesichts dessen nicht aus, dass Ankara die Eskalation provoziert haben könnte, um seine Vermittlerdienste einzubringen. Zudem hatte Erdogan in letzter Zeit öfter zu verstehen gegeben, dass er in Berg-Karabach Spannungen provozieren könnte, nachdem Russland die Kurden unterstützt hatte, gegen die Ankara seinerseits faktisch einen unerklärten Krieg führt. 

    Der territoriale Streit zwischen Aserbaidschan und Armenien könnte tatsächlich zu einem echten bewaffneten Konflikt werden. Die Situation in Aserbaidschan ist in den letzten eineinhalb Jahren wegen des Verfalls der Ölpreise schwieriger geworden, was zum Rückgang der Umfragewerte des Präsidenten Ilcham Alijew führte. Jetzt bemüht er sich um seine Autorität, unter anderem durch die Wiederherstellung der territorialen Einheit des Landes. Falls es tatsächlich zu einem Krieg kommen sollte, wäre sein Ende kaum vorhersehbar, zumal Armenien als Mitglied der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) mit Hilfe seitens seiner Partner rechnen darf.

    Die Situation in Berg-Karabach, das offiziell ein Teil Aserbaidschans ist, wird seit mehr als 20 Jahren von ethnischen armenischen Kräften kontrolliert. Die Seiten sind zwar durch eine Pufferzone voneinander getrennt, aber trotzdem kommt es immer wieder zu kleinen Auseinandersetzungen. Die jahrelangen Friedensverhandlungen unter Mitwirkung der OSZE haben nur geringe Fortschritte bei der Schlichtung des territorialen Streits gebracht.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Karabach-Konflikt (134)

    Zum Thema:

    Berg-Karabach: Aserbaidschans Armee will 170 armenische Soldaten getötet haben
    Berg-Karabach berichtet von 300 getöteten aserbaidschanischen Soldaten
    Kämpfe in Berg-Karabach – Lawrow: Keine Vorwürfe gegen Ankara
    Berg-Karabach-Konflikt : Georgien bietet sich als Vermittler an
    Tags:
    Berg-Karabach, Aserbaidschan, Armenien