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20:58 15 Oktober 2019
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    Opfer der Freiheit: Frankreich macht aus gekauftem Sex kostenlosen

    © AFP 2019 / Remy Gabalda
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    Das französische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das die Bezahlung der „Dienstleistungen“ von Prostituierten untersagt, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Freitag.

    Wie „Le Monde“ berichtet, haben 64 Abgeordnete dafür und zwölf dagegen gestimmt. Weitere elf Parlamentarier enthielten sich der Stimme.

    Ab sofort sind für Freier, die gegen das neue Gesetz verstoßen, Strafen in Höhe von 1.500 Euro für das erste Vergehen und 3.750 Euro für das zweite vorgesehen.

    Die Debatten über das neue Gesetz hatten zwei Jahre in Anspruch genommen. Dabei spielten nicht nur die große Diskussion in der Öffentlichkeit, sondern vor allem die Kontroversen zwischen beiden Parlamentshäusern eine große Rolle. Der Senat, in dem viele Vertreter rechter Parteien sitzen, weigerte sich lange, die „käufliche Liebe“ zu verbieten.

    Die Reaktionen in der Gesellschaft waren unterschiedlich: Während die Menschenrechtler das neue Gesetz begrüßten, reagierten die Prostituierten, die es eigentlich schützen sollte, mit Protesten. Etwa 100 „Liebespriesterinnen“ versammelten sich jüngst vor dem Parlamentsgebäude mit Plakaten wie „Befreit mich nicht! Ich kümmere mich selbst um mich!“ usw.

    Die Prostituierten-Gewerkschaft Strass begründete die negative Reaktion damit, dass das neue Gesetz schlimme Folgen für ihren Lebensstandard haben könnte. Die Befürworter des Prostitutionsverbots verweisen darauf, dass dadurch der Kampf gegen die organisierte Kriminalität, die dieses Geschäft kontrolliere, effizienter werden könnte.

    Zudem führen sie das Beispiel Schwedens an, dem ersten Land, wo nicht die Prostituierten kriminalisiert wurden, sondern ihre Kunden. Nach der Verabschiedung eines ähnlichen Gesetzes ist die Zahl der Prostituierten in Stockholm wesentlich gesunken. Ähnliche Gesetze gibt es in Norwegen, Island und seit 2015 auch in Nordirland.

    „Unseres Wissens nach sind 85 Prozent dieser Frauen Opfer der organisierten Kriminalität“, sagte die sozialistische Abgeordnete Maud Olivier, die das Gesetz mitinitiiert hatte. Das neue Gesetz ersetzt das vorherige, dem zufolge gerade die Prostituierten zu bestrafen gewesen waren.

    Laut verschiedenen Schätzungen gibt es in Frankreich, wo Bordelle seit 1946 verboten sind, derzeit zwischen 30.000 und 40.000 Prostituierte.

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    Prostitution, Maud Olivier, Frankreich