15:24 17 Juni 2019
SNA Radio
    Berg-Karabach-Konflikt

    Berg-Karabach: Die Zeichen stehen auf einen großen Krieg

    © Sputnik / Asatur Yesayants
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    2913173

    Die Situation in Berg-Karabach verschärft sich nach einer kurzen Waffenruhe wieder, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Die Konfliktseiten werfen sich gegenseitig die permanente Verletzung des Waffenstillstands vor. Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte sie abermals auf, die getroffenen Vereinbarungen über eine Feuereinstellung strikt einzuhalten.

    Gestern telefonierte er mit seinem US-Amtskollegen John Kerry, wobei sie sich darauf einigten, dass es für eine friedliche Lösung des Konflikts keine Alternative gibt, und sich mit der im Allgemeinen ruhigen Situation im Konfliktraum zufrieden gaben. Diese blieb jedoch nicht lange stabil.

    Am Montag warfen Baku und Stepanakert (die Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach) sich gegenseitig vor, den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Die Aserbaidschaner behaupteten, die armenische Seite hätte ihre Stellungen 117 Mal beschossen. Stepanakert sprach im Gegenzug von 120 Artillerieangriffen seitens Aserbaidschans. Zudem bestätigte die armenische Seite, Aserbaidschan die Möglichkeit gegeben zu haben, die Leichname der zwischen 2. und 6. April ums Leben gekommenen Soldaten zu finden und abzutransportieren.

    Der Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums, Senor Asratjan, teilte zudem mit, auch die aserbaidschanische Seite hätte Armenien die Leichname der gefallenen Soldaten übergeben, behauptete allerdings, diese wären nach dem Tod entstellt und verhöhnt worden.

    Aserbaidschans Militärchef Sakir Gassanow widersprach diesen Behauptungen. Eine andere Reaktion wäre auch kaum zu erwarten gewesen. Aber internationale Beobachter haben die entstellten Leichen gesehen. Entsprechende Dokumente hat die armenische Seite parat, und internationale Organisationen werden sicherlich Rücksicht auf diesen Umstand nehmen.

    Auffallend ist auch eine andere Aussage Gassanows. Während die internationalen Vermittler die Konfliktseiten zu Verhandlungen und einer friedlichen Lösung auffordern, erklärte der Verteidigungsminister jüngst, die territoriale Integrität Aserbaidschans müsste „um jeden Preis aufrechterhalten werden“, und kündigte an, dass „für jeden getöteten aserbaidschanischen Soldaten 100 armenische Okkupanten vernichtet werden“.

    Für die Konfliktregelung in Berg-Karabach ist nach wie vor die Minsker OSZE-Gruppe zuständig, der jüngst auch die Uno ihr Vertrauen erklärt hatte. Die Ko-Vorsitzenden der Minsker Gruppe weilen bereits im Konfliktraum, aber sie haben offenbar weder neue Initiativen noch Instrumente, um die Konfliktseiten zu beeinflussen.

    „Unsere wichtigste Aufgabe bestand darin, den Seiten bei der Stabilisierung der Situation zu helfen und Maßnahmen zu ergreifen, damit es nicht mehr zu Kriegshandlungen kommt“, sagte der russische Ko-Vorsitzende der Minsker Gruppe, Igor Popow. „Unser Mandat sieht aber nicht vor herauszufinden, wer wen als erster angegriffen hat und für die jüngsten Ereignisse verantwortlich ist.“

    Dennoch bezeichnete der Diplomat die Bereitschaft beider Seiten, die Waffenruhe einzuhalten, als „zuversichtlich“, und ergänzte, dass die Förderung des gegenseitigen Vertrauens eine der Funktionen der OSZE-Gruppe sei.

    Ob den Vermittlern das aber auch gelingt, ist fraglich. Denn die Konfliktseiten haben absolut unvereinbare Positionen zum Status von Berg-Karabach.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    John Kerry, Sergej Lawrow