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17:42 15 Oktober 2019
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    Norwegisches Spionageschiff Marjata (Archivbild)

    Neues norwegisches Spionageschiff soll Russland im Hohen Norden ausspähen

    © Foto : US-Navy/ John Bouvia USN (Ret)
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    In Norwegen wird in wenigen Wochen das modernste Spionageschiff der Welt, die „Marjata IV“, in Dienst genommen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Dienstag.

    Die wichtigste Aufgabe der „Marjata IV“ wird die funkelektronische Überwachung der russischen Nordflotte, vor allem der Atom-U-Boote, sein. Das neue Schiff soll etwa 200 Millionen Dollar gekostet haben, was eine der größten Militärinvestitionen Norwegens in den letzten Jahren ausmacht.

    Norwegisches Spionageschiff Marjata (Archivbild)
    Norwegisches Spionageschiff "Marjata" (Archivbild)

    „Marjata“-Schiffe werden seit den 1960er Jahren gebaut. Die „Marjata III“ wurde in Russland vor allem nach der Tragödie um das Atom-U-Boot „Kursk“ bekannt. Ausgerechnet dieses Schiff hatte als erstes die Explosion an Bord der „Kursk“ im August 2000 registriert. Diese Nachricht wurde damals von norwegischen Medien verbreitet und erreichte erst dann Russland. 

    Mehr zum Thema: Deutschland und Frankreich sollen für Norwegen neue U-Boot-Flotte bauen

    Auffallend ist, dass zum ersten Mal in der „Marjata“-Geschichte das alte Schiff in der Bewaffnung der norwegischen Marine bleiben wird: Die „Marjata III“ soll umgebaut und ab 2017 unter dem Namen „Eger“ weiter eingesetzt werden. 

    Vizeadmiral Clive Johnstone, der an der Spitze des Nato-Marinekommandos steht, begründete den Ausbau der Aufklärungsressourcen der Allianz im Norden mit den Aktivitäten der russischen Atom-U-Boote in der Region. Nach seinen Worten geht Moskau derzeit intensiver als in den Jahren des Kalten Krieges vor. 

    Auch der schwedische Militärexperte Niklas Wiklund sagte, der Westen reagiere auf diese Weise auf Russlands immer weiter wachsende Militärstärke: „Anstatt sich am Wettrüsten zu beteiligen, hat sich die Nato für die Taktik der intensiveren Beobachtung der Ereignisse in Russland entschieden. Die Streitkräfte dieses Landes werden umfassend modernisiert, und die funkelektronische Aufklärung ist ein effizientes Instrument, um herauszufinden, wie die modernisierten Streitkräfte Russlands aussehen werden.“

    Norwegische Militärexperten räumen ein, dass sich die Lage in der Barentssee höchstwahrscheinlich anspannen wird. „Die Einführung der ‚Marjata IV‘ in die Bewaffnung beim gleichzeitigen weiteren Betrieb der ‚Marjata III‘ ist ein Beweis dafür, dass Norwegen und die Nato Russland für einen gefährlichen potenziellen Gegner halten“, sagte der norwegische Experte Lars Gyllenhaal in einem Interview für die Zeitung „Svenska Dagbladet“. Zudem betonte er, dass „die Aktivitäten der ‚Marjata III‘ nahe dem russischen Hoheitsgewässer schon immer ein großer Störfaktor für Moskau waren.“

    Der Chef der norwegischen Militäraufklärung, Kjell Grandhagen, sagte gegenüber der Zeitung „Verdens Gang“ im Hinblick auf die anstehende Intensivierung der funkelektronischen Spionage im Norden, die selbst im Kalten Krieg nicht nötig gewesen sei: „Während des Kalten Krieges sahen wir, dass die Führung in Moskau sich rational und vorhersagbar verhielt – selbst in solchen kritischen Momenten wie der Kuba- und der Suez-Krise und der Invasion in Afghanistan.“

    Das aktuelle, „kaum vorhersagbare“ Vorgehen Russlands führt Grandhagen darauf zurück, dass die Entscheidungsträger in Moskau sehr konservativ seien.

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    U-Boot-Kursk, Marjata IV, Niklas Wiklund, Russland, Norwegen