06:03 16 Dezember 2019
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    Türkei wählt vernichtendes Argument: Jetzt auch noch zwei Russen festgenommen

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    Gestern ist die Festnahme von zwei russischen Staatsbürgern in der Türkei bekannt geworden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Dies geschah bereits am 4. April. An diesem Tag reisten Juri Anissimow und Alexander Smirnow aus Moskau nach Istanbul, checkten in einem Hotel ein und reisten in die naheliegende Stadt Yalova. Als sie zurückkamen, wurden sie von Vertretern des türkischen Geheimdienstes MIT festgenommen.

    Auf dem Polizeirevier, wo man sie hinbrachte, teilte man ihnen mit, sie werden verdächtigt, Spionage zu betreiben sowie an der Vorbereitung eines Mordes beteiligt gewesen zu sein.

    Am 1. November 2015 war nämlich in Istanbul der Administrator der in Russland als extremistisch geltenden Website kavkazcenter.com, Abdulwahid Edilgerijew, getötet worden. Er ist mit Mowladi Udugow, einem der Ideologen des tschetschenischen Separatismus und früheren Informations- sowie Außenminister der selbsternannten Republik Itschkerien, verwandt.

    Laut einigen Quellen hatte sich Edilgerijew nach seiner Ausreise aus Tschetschenien unter anderem an den Kriegshandlungen in Syrien auf der Seite der Terroristen beteiligt. Nach seiner Rückkehr nach Istanbul wurde er Manager der Website kavkazcenter.com, die in Russland als „Sprachrohr der Extremisten“ gilt.

    Laut der türkischen Polizei hatten Anissimow und Smirnow, die Papiere auf andere Namen benutzt haben sollen, 2015 mehrmals Istanbul besucht. Am Tag des Mordes an Edilgerijew seien sie allerdings nicht mehr in der Türkei gewesen, die sie noch am 16. Oktober verlassen hätten.

    MIT vermutet, dass die beiden in die Türkei zurückgekehrt waren, um weitere Verbrechen zu begehen. Bei ihnen seien entsprechende „Indizien“ wie fünf Mobiltelefone, mehrere USB-Sticks mit Fotos von verschiedenen Objekten in Istanbul, US-Dollar sowie gefälschte Interpol-Ausweise entdeckt worden.

    Russlands Generalkonsul in Istanbul, Andrej Podjelyschew, teilte mit, er habe sich mit Anissimow und Smirnow im Untersuchungsgefängnis getroffen, wo sie festgehalten werden. Die beiden behaupten, als Touristen in der Türkei zu weilen und mit den erwähnten Verbrechen nichts zu tun zu haben. Sie seien vorerst für einen Monat festgesetzt worden. Die Haftzeit könnte allerdings auf Gerichtsbeschluss verlängert werden.

    Erwähnenswert ist, dass in der Türkei auch früher tschetschenische Extremisten getötet worden waren. Der größte Zwischenfall ereignete sich am 16. September 2011, als der Feldkommandeur Berg-Chasch Mussajew, der dem nächsten Umfeld des Terroristenführers Doku Umarow angehörte, ermordet wurde. Der Killer konnte nicht gefasst werden, aber die türkische Polizei behauptete, der Mord wäre von einem Russen namens Alexander Scharkow organisiert worden.

    Die von „Kommersant“ befragten Experten zweifeln allerdings, dass die russischen Geheimdienste etwas mit der Tötung Edilgerijews zu tun haben könnten. Sie seien „zwar an der Vernichtung tschetschenischer Extremisten interessiert, die ins Ausland ziehen und von dort aus mit dem bewaffneten Untergrund im Nordkaukasus weiter zusammenarbeiten“, sagte der Politologe Ruslan Martagow. „Aber Edilgerijew war ein viel zu kleines ‚Tier‘ dafür, dass sich die Geheimdienste mit ihm befassen.“

    Der türkische Journalist Yashar Niyazbaev vermutete, die Behörden in Ankara könnten die Festnahme Anissimows und Smirnows für ihre politischen Interessen nutzen. „Die türkischen Behörden suchen nach jedem möglichen Anlass, die unterbrochenen Kontakte mit Moskau wiederaufzunehmen, und deshalb lösen sie meines Erachtens einen großen Skandal um die Festnahme von russischen Spionen aus“, so Niyazbaev.

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    Tags:
    Festnahme, Yashar Niyazbaev, Mowladi Udugow, Abdulwahid Edilgerijew, Alexander Smirnow, Juri Anissimow, Russland, Türkei