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14:58 21 Oktober 2019
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    Der britische Premier David Cameron

    Cameron im Kreuzfeuer: Panama Papers setzen Dodgy Dave unter Druck

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    Die enthüllten Panama Papers erschüttern Großbritannien. Premier David Cameron ist in die Affäre verwickelt, schreibt die „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Die vergangene Woche war wohl eine der schwierigsten in der politischen Karriere des britischen Regierungschefs. Das Land bereitet sich auf ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft vor. Cameron steht vor der nicht einfachen Mission, Briten vom Verbleib im vereinigten Europa zu überzeugen. Mehrere Probleme, die mit Brexit zusammenhängen, werden jetzt noch vom Offshore-Skandal ergänzt.

    Cameron ist einer der zwölf Staats- und Regierungschefs, deren Namen in den enthüllten Panama Papers erwähnt werden. Die Vorwürfe wegen seiner Privatfinanzen sind insbesondere für den britischen Premier beleidigend, der immer als großer Moralist auftrat und andere Länder belehrte, wie man leben und eine demokratische Gesellschaft aufbauen soll.

    Den Enthüllungen zufolge verfügte Cameron und seine Frau bis 2010 über 5000 Aktien der Blairmore Holdings auf den Bahamas. Die Briefkastenfirma gehörte seinem verstorbenen Vater. Cameron wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass die Aktien bereits 2010 einige Monate vor seinem Amtsantritt verkauft wurden. Selbstverständlich seien die gesamten Erträge versteuert worden.

    „Ich wollte nicht, dass mir irgendwelche eigennützige Interessen vorgeworfen werfen, wenn ich Premier werde“, sagte Cameron. Die Briefkastenfirma von Camerons Vaters auf den Bahamas erklärte er mit den Vorteilen der panamischen Rechtshoheit bei der Arbeit und nicht mit dem Wunsch, keine Steuer zu zahlen.

    Früher, als die meisten  Wähler noch nicht so entschlossen gegen das Establishment gestimmt gewesen waren, wäre diese Geschichte mit der Briefkastenfirma wohl schnell vergessen worden. Jetzt wird aber Cameron sowohl von Labour Party als auch von Konservativen attackiert, unter denen es viele EU-Skeptiker gibt und die damit mehr Argumente für den Brexit bekommen wollen.

    Die Opposition ruft zu Camerons Rücktritt auf. Im Parlament wurde er sogar als „Dodgy Dave“ beschimpft, was in etwa bedeutet: „Zwielichtiger Dave“.

    Zunächst ging Cameron eher ungeschickt vor und sagte sogar, dass es sich bei dieser Angelegenheit um persönliche Sache der Cameron-Familie handelt. Die Informationsblockade und die Tatsache, dass Cameron, den Besitz der Aktien und deren weiterer Verkauf erst einige Tage später einräumte, sorgte für Verärgerung bei Journalisten und weitere Attacken.

    Als Bumerang-Effekt erwies sich ebenfalls die Veröffentlichung der Steuererklärung für den Zeitraum von 2009 bis 2015. Cameron wollte damit zeigen, dass er nichts verheimlicht. Allerdings sehen seine Gegner darin einen weiteren Beweis für ihren Kampf gegen den Premier. Man diskutiert über ein Geldgeschenk von 200.000 Pfund, das der Premier vor einigen Jahren von seiner Mutter bekam — steuerfrei. Man vermutet dahinter den Versuch, die Erbschaftsteuer zu umgehen. In Großbritannien ist das gängige Praxis, doch als Premier darf sich Cameron so etwas nicht erlauben.

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