22:05 24 Juni 2019
SNA Radio
    Moskauer Kreml

    Trilaterales Treffen in Moskau von starken indisch-chinesischen Widersprüchen getrübt

    © Sputnik / Evgeniy Biyatov
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    7638

    In Moskau haben sich am Montag die Außenminister Russlands, Indiens und Chinas getroffen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Die Seiten stellten traditionell eine ähnliche Herangehensweise an die Aufgaben fest, unter anderem den Antiterrorkampf, die Reformen des internationalen Finanzsystems und die Schaffung einer multipolaren Welt. Experten betonen allerdings, dass das dreiseitige Format angesichts der BRICS und G20 sowie des kommenden Beitritts Indiens zur SOZ allmählich an Bedeutung verlieren wird. Dennoch hat es auch Alleinstellungsmerkmale – die Treffen im Russland-Indien-China-Format ermöglichen die Erörterung von Problemen der Region ohne äußere Akteure, wobei die Abschwächung der zunehmenden Widersprüche zwischen Indien und China eine wichtige Rolle spielen.

    „Wir besprachen konkret die Aussichten des Zusammenwirkens bei grenzübergreifenden Bedrohungen für die Sicherheit – Terrorismus, Extremismus, illegalen Drogenhandel sowie die Gefahr, dass Massenvernichtungswaffen in die Hände von Terrorgruppen gelangen“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Die Wichtigkeit des Russland-Indien-China-Formats hänge mit den rasanten Veränderungen in der Welt zusammen, so Lawrow.

    Die Kollegen des russischen Außenministers aus China und Indien, Suschma Swaraj und Wang Yi, stimmten Lawrow zwar im Ganzen zu, hatten allerdings eine eigene Tagesordnung. Die indische Außenministerin bezeichnete den Terrorismus als Hauptproblem und rief alle Länder dazu auf, Terroristen nicht in gute und schlechte zu teilen. Zudem appellierte sie an die Kollegen, den Beitritt Indiens als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates zu unterstützen.

    Wang Yi sprach über gemeinsame Herangehensweisen der drei Länder bei der Einhaltung des Völkerrechts, der Demokratisierung des internationalen Systems und des Respekts vor der Wahl der Völker. Zudem schnitt er das von den Ländern vorbereitete Kommuniqué an, in dem die fünf Richtungen des Zusammenwirkens genannt werden – Politik, Verteidigung, Finanzen und Wirtschaft, Infrastruktur und humanitäre Fragen. Laut Yi legten die Länder zwölf Initiativen vor, und zwar im Bereich Cybersicherheit, Hilfe für Schiffbrüchige, Infrastruktur, kulturelle und humanitäre Kooperation, Kino, Austausch von jungen Diplomaten und Wissenschaftlern sowie Kampf gegen unkonventionelle Bedrohungen, darunter Terrorismus, Seeräuberei und Drogenhandel.

    Laut dem BRICS-Experten Georgi Toloraj verliert das Russland-Indien-China-Format in der letzten Zeit an Aktualität. „Die Länder kooperieren eng in der G20 und BRICS, die Tagesordnung ist dort viel breiter. Mit dem Beitritt Indiens zur SOZ können die drei Länder die Fragen besprechen, denen auf anderen Plattformen wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird – Militär- und Antiterrorkooperation, regionale Sicherheit“, so der Experte.

    Dem Vizepräsidenten des indischen Forschungszentrums Observer Research Foundation, Samir Saran, zufolge haben Indien, Russland und China verschiedene Ziele der Beteiligung am Forum. „Russland will eine Gemeinschaft als Gegengewicht zu den atlantischen Ländern schaffen, China möchte eigene Wirtschaftsprojekte fördern, Indien will Unterstützung beim Antiterrorkampf bekommen“, sagte der Experte. Allerdings habe das Format auch einmalige Merkmale. Erstens sei es das einzige Kommunikationsformat der drei größten asiatischen Länder, das keine anderen Regionen einschließe. Zudem sei das Format ein wichtiger Stabilisator für die bilateralen Beziehungen der Länder dieses Formats, so der Experte.

    Stabilisiert sollen vor allem die indisch-chinesischen Beziehungen werden. Peking blockierte Anfang April zum vierten Mal die Resolution im UN-Sicherheitsrat die den Anführer der pakistanischen Gruppierung Jaish-e Mohammed, Masood Azhar, als Terroristen einstuft, worauf Indien beharrte. Laut der Zeitung „The Indian Express“ wurde dies nach Beratungen mit Pakistan getan. Islamabad hat traditionell schlechte Beziehungen zu Neu-Delhi und genießt dabei die Unterstützung Pekings. Anfang April hatten die Außenminister der USA und Indiens eine gegenseitige Nutzung der Militärstützpunkte vereinbart, was von den meisten Experten als Schritt gegen die chinesisch-pakistanische Allianz bezeichnet wird.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Russland schlägt erste Schritte für breite Anti-Terror-Front vor
    Tags:
    SOZ, Samir Saran, Sergej Lawrow, China, Indien, Russland