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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Beim Streben, die Terroristen im Nahen Osten schneller als Baschar Assad zu zerschlagen, eröffnen die USA eine zweite Front im Irak, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Im Friedensprozess in Syrien scheint es zum Stillstand zu kommen. Am Dienstag erklärten rund zehn syrische bewaffnete Gruppierungen den Ausstieg aus dem Waffenstillstandsabkommen. US-Präsident Barack Obama rief vor diesem Hintergrund den russischen Amtskollegen Wladimir Putin dazu auf, den syrischen Präsidenten Baschar Assad unter Druck zu setzen, damit er die Offensiven gegen die Opposition stoppt.

    Die Aufrufe des US-Präsidenten blieben natürlich nicht unbemerkt in Moskau und Damaskus. Wie es sich jedoch herstellte, war es die aus dem Waffenstillstand ausgestiegene syrische Opposition, die die Offensiven begann. Assads Truppen mussten zu Gegenangriffen übergehen, die bislang jedoch nicht sehr effektiv sind.

    Mehr zum Thema: Wenn Syrien-Waffenruhe scheitert: US-„Plan B“ sieht Luftabwehr für Assad-Gegner vor

    Zu aktiven Handlungen übergingen neben der Terrorgruppe Dschabhat an-Nusra die aus dem Waffenstillstand ausgestiegenen Einheiten der Freien Syrischen Armee, der Gruppe Ahrar al-Scham und anderer Gruppierungen, die von den USA als gemäßigt eingestuft werden.

    Die Freie Syrische Armee entwickelt mit Unterstützung der Extremisten und anderer krimineller Gruppen eine Offensive in Latakia. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte vor etwas mehr als einem Monat berichtet, dass Latakia von den illegalen bewaffneten Gruppierungen völlig befreit wurde. Dennoch stellte es sich heraus, dass die Freie Syrische Armee und andere illegale bewaffneten Gruppen es geschafft haben, einige Ortschaften nahe der strategisch wichtigen Stadt Kinsibba im Nordwesten der Provinz zu ergreifen und sich der Straße M4 Aleppo-Latakia anzunähern. Extremisten kontrollieren dankt Unterstützung der Türkei mehrere Abschnitte der syrischen Grenze nicht nur in Latakia, sondern auch in Provinzen Idlib und Aleppo. Putin betonte wohl nicht zufällig im Gespräch mit Obama, dass eine möglichst schnelle Distanzierung der gemäßigten Opposition vom Islamischen Staat und Dschebhat an-Nusra sowie die Sperrung der Grenze zwischen Syrien und der Türkei notwendig ist, woher die Extremisten und Waffen kommen.

    Diese russischen Vorschläge sind kaum vorteilhaft für die USA, weil diese Maßnahmen das Assad-Regime stärken. Die USA führen weiterhin ihr eigenes Spiel im Nahen Osten. Die USA lassen nichts unversucht, die Kontrolle über Syrien im Falle eines Sieges über dem Islamischen Staat zu sichern.

    Pentagon-Chef Ashton Carter traf sich am Montag mit dem irakischen Verteidigungsminister Khaled al-Obaidi. Carter versprach der irakischen Armee umfassende Unterstützung bei weiteren Operationen gegen IS. Die wichtigste davon hängt mit der Befreiung von Mossul zusammen, einer der größten Städte im Norden Iraks. Anschließend soll eine Offensive in Richtung IS-Hochburg Rakka begonnen werden.

    Die USA wollen zusätzliche Militärberater in den Irak schicken. Damit wird die Zahl der US-Soldaten im Irak von 3870 auf 4087 steigen. Das ist ungefähr so viel wie die Zahl der russischen Militärs in Syrien. Allerdings sind die Funktionen und Aufgaben der Amerikaner im Irak etwas anders. Sie haben dort keine Fliegerkräfte stationiert (die meisten Angriffe gegen IS werden von den USA von den mit Irak grenzenden Ländern geflogen). Neben Beratern sind im Irak Spezialeinheiten sowie technisches Personal stationiert. Carter zufolge werden die USA in den Irak zusätzlich Angriffshubschrauber und Raketenartillerie schicken. Die kurdischen Einheiten bekommen finanzielle Unterstützung. Washington werde den Kurden 415 Millionen US-Dollar bereitstellen, so Carter. Das ist etwas weniger, als Russland für die gesamte Operation der russischen Fliegerkräfte in Syrien vom Oktober 2015 bis Februar ausgab.

    Zuvor hatte US-Präsident Obama unterstrichen, dass US-Truppen nicht an den Kampfhandlungen auf dem Boden gegen IS teilnehmen werden. Ihre Aufgabe sei die Kampfvorbereitung der irakischen Einheiten und Aufklärungsmaßnahmen bei der Offensive. „Wir sehen, dass die irakische Armee zur Schlacht bereit ist und ihre Positionen stärkt, weshalb wir ihr mehr Unterstützung leisten sollen. Ich hoffe, dass wir bis zum Jahresende Bedingungen zur Eroberung von Mossul schaffen“, sagte Obama.

    Dies bedeutet, dass die Amerikaner anscheinend keine Eile haben. Zudem sind sie bereit, viel Geld und Ressourcen in den Irak-Krieg zu investieren. Allerdings wird auch Russland wohl weiterhin in Syrien viele Ressourcen investieren und die Assad-Truppen unterstützen.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Freie Syrische Armee, Ashton Carter, Baschar al-Assad, Barack Obama, USA, Syrien