04:10 22 Februar 2018
SNA Radio
    US-Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot in Türkei

    US-Raketenabwehr: Türkei will Russlands Militärpotenzial eindämmen

    © AFP 2018/ Bulent Kilic
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Iswestija
    US-Raketenabwehr in Europa (57)
    0 14102

    Die von der Türkei jüngst bekundete Absicht zur Entwicklung eines eigenen Raketenabwehrsystems hat einen politischen Hintergrund, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    „Die Hüllen sind endgültig gefallen“, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma (russisches Parlamentsunterhaus), Wladimir Komojedow, in diesem Zusammenhang.

    US-Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot in Türkei
    © AFP 2018/ Bulent Kilic

    „Die linke Nato-Flanke hat sich bereits an den Bau des so genannten europäischen Raketenabwehrsegments angeschlossen. Jetzt wird nicht mal mehr gefragt, gegen wen diese Raketenabwehr gerichtet ist“, so der Parlamentarier. „Denn es ist klar, dass sie von Anfang an die Eindämmung des russischen Atompotenzials bezweckt hat.“

    Der Vizeleiter des türkischen Departements für Rüstungsindustrie, Ismail Demir, hatte gestern in einem Interview für die Zeitung „Hurriyet“ mitgeteilt, dass sich Ankara mit der Entwicklung einer eigenen Raketenabwehr beschäftige, die Teil des Nato-Raketenabwehrsystems werden könnte bzw. sollte. „Wir setzen die Entwicklung von Kurz-, Mittel- und Langstreckensystemen fort. (…) Es wird keine direkten Ankäufe geben, wobei unser Raketenabwehrsystem in das Nato-System integriert sein wird. Unseres Erachtens wird die Kooperation mit der Nato den Prozess intensivieren“, betonte der Beamte. 

    Der russische Militärexperte vom Zentrum für internationale Sicherheit beim Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, Wladimir Jewssejew, meint, dass eine vollwertige Raketenabwehr der Türkei vorerst nicht infrage komme. „Derzeit geht es bei der so genannten türkischen Raketenabwehr nur um Radarstationen. Sie hat aber keine Angriffssysteme. Es geht also nur um die Informationsversorgung einer fremden Raketenabwehr. Einst wollte Ankara in China Flugabwehrkomplexe kaufen, die den russischen S-300 ähneln, doch dazu ist es nicht gekommen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, welche Raketensysteme Ankara entfalten könnte. Das könnten beispielsweise US-amerikanische Systeme sein, die den in Rumänien aufgestellten Komplexen ähnlich wären“, so der Experte.

    Iwan Konowalow vom Zentrum für strategische Konjunktur erinnerte seinerseits, dass die europäische Raketenabwehr bis 2018 entfaltet werden sollte. Die Aussage des türkischen Beamten bedeute, dass die Gefahr für Russland bis dahin nicht nur von der westlichen, sondern auch von der südlichen Richtung ausgehen könnte. „Die türkische Raketenabwehr als Teil des globalen amerikanischen Systems wäre gefährlich für uns. Derzeit geht es nur um Radare, aber künftig kann man nichts ausschließen. Dieses ganze System bezweckt die Eindämmung unseres strategischen militärischen Potenzials. Die Situation um die Raketenabwehr bietet viel Raum für antirussische Provokationen.“

    Moskau hatte von Washington mehrmals juristische Garantien verlangt, dass die europäische Raketenabwehr nicht gegen Russland gerichtet ist. Die Amerikaner verweigern dies aber stets, indem sie auf die angebliche Gefahr seitens Nordkoreas und des Iran verweisen.

    Themen:
    US-Raketenabwehr in Europa (57)

    Zum Thema:

    Waffenimporte und Nato-Mitgliedschaft: „Abhängigkeit der Türkei wird zunehmen“
    Nato-Radar-Flugzeuge sollen in die Türkei – gegen wen?
    Deutschlands „Patriot“-Einsatz in der Türkei beendet
    Tags:
    Raketenabwehr, NATO, Wladimir Jewssejew, Wladimir Komojedow, Türkei