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    US-Präsident Barack Obama in Saudi-Arabien

    USA – Saudi-Arabien: von Verbündung zur Vertrauenskrise

    © REUTERS / Kevin Lamarque
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    Der jüngste Besuch von US-Präsident Barack Obama in Saudi-Arabien ist bereits der vierte in diesem Land gewesen – keiner seiner Vorgänger hat dieses Land öfter besucht als er, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Mittwoch.

    Allerdings war nur sein erster Besuch im Jahr 2008 in einer wirklich positiven Atmosphäre verlaufen. Damals wurde Obama vom saudischen König am Flughafen empfangen und zum Abschluss seines Aufenthalts in Riad mit einem Orden ausgezeichnet.

    Seit der Zeit hat sich aber vieles verändert, vor allem in der arabischen Welt, wo das jahrzehntelang bestandene Kräftegleichgewicht durch den „arabischen Frühling“ 2011 und seine zahlreichen Folgen verletzt wurde. Unter anderem brach zwischen den USA und allen arabischen Ländern eine echte Vertrauenskrise aus. Die Araber konnten Washingtons Politik in der Region kaum nachvollziehen. Sehr fraglich fanden sie beispielsweise die Annäherung zwischen dem Weißen Haus und dem damals an die Macht in Kairo gekommenen Präsidenten Mohammed Mursi samt den „Muslimbrüdern“. Am Ende beschlossen die Araber, dass Obamas Administration kein klares strategisches Ziel in der Region und auch keinen politischen Willen hätte, um ihre Interessen zu verteidigen. 

    Das durch den „arabischen Frühling“ gebrochene Kräfteverhältnis – die aus militärischer und geopolitischer Sicht stärksten Länder mussten um ihr eigenes Überleben bangen – führte dazu, dass neue Akteure, vor allem Saudi-Arabien, die Führungsrolle in der arabischen Welt beanspruchten. (Vor dem „arabischen Frühling“ war Ägypten die unumstrittene arabische Großmacht Nummer eins gewesen.) 

    Die Ereignisse der letzten Jahre zwangen Riad, den Charakter der Beziehungen mit Washington zu überdenken, deren Fundament bei einem Treffen von US-Präsident Franklin Roosevelt und dem saudischen König Abd al-Aziz im Jahr 1945 an Bord des US-Kreuzers „Quincy“ gelegt worden war.

    Ein anderer wichtiger Grund für Riads Unzufriedenheit war Washingtons Kompromisssuche mit dem Iran in Bezug auf dessen Atomprogramm, die Ende 2015 bzw. Anfang 2016 mit entsprechenden Vereinbarungen und der Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Teheran endete. Für die Saudis ist die Islamische Republik ein Erzfeind, der nicht nur Riads Führung in der arabischen Welt, sondern das Bestehen des Königreichs selbst gefährdet.

    Für Obama steht aber nicht die Eindämmung der „iranischen Gefahr“, sondern der Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“ im Vordergrund, wobei Teheran unter gewissen Umständen sogar Washingtons Verbündeter werden könnte.

    Die Vertrauenskrise mit den Amerikanern zwingt Riad zu einer selbstbewussteren Politik im Nahen Osten. Eine ihrer wichtigsten und offensichtlichsten Folgen war die intensive Militarisierung der Nahost-Region, wodurch sie noch explosiver wird. 2015 belief sich der Waffenimport der arabischen Länder auf 9,3 Milliarden Dollar (das ist ein Anstieg um 34 Prozent gegenüber 2010), was etwa ein Drittel des gesamten Waffenimports auf der Welt ausmacht. Die Führungsrolle bei der Aufrüstung spielte ausgerechnet Saudi-Arabien, dessen Ausgaben für die Waffeneinfuhr im vorigen Jahr 3,2 Milliarden Dollar erreichten.

    Was die Beziehungen mit Washington angeht, so gibt die saudische Königsfamilie immer deutlicher zu verstehen, dass der im Januar 2017 scheidende Präsident Obama für sie nichts als eine „lahme Ente“ ist, so dass Riad seine Hoffnung auf eine neue Annäherung mit Obamas Nachfolger setzt.

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    Tags:
    Barack Obama, Saudi-Arabien, USA