19:23 15 Dezember 2019
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    Italienischer Käse kehrt auf Sanktions-Umwegen zurück nach Russland

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    Italien wird Russland helfen, ausländische sanktionierte Lebensmittel zu ersetzen, schreibt die „Iswestija“ am Freitag.

    Bereits in diesem Jahr können gemeinsame russisch-italienische Agrarprojekte gestartet werden, die den italienischen Kollegen vom russischen Landwirtschaftsministerium angeboten wurden. Es geht um den Bau von Produktionsstätten für Lebensmittel wie Käse, Projekte im Bereich Logistik und Vertrieb, die mithilfe von Investitionen und Technologien der italienischen Hersteller umgesetzt werden sollten. Laut dem stellvertretenden Landwirtschaftsminister Italiens, Giuseppe Castiglione, können die Länder bereits im Oktober mit der Umsetzung erster Projekte beginnen.  

    Konkret ist die Rede von 29 Investitionsprojekten in neun russischen Regionen  — in Baschkirien, Kabardino-Balkarien, Region Krasnodar, den Gebieten Belgorod, Woronesch, Kostroma, Moskau, Orenburg und Tambow. Dies berichtete der russische Botschafter in Italien, Sergej Rasow, beim russisch-italienischen Geschäftsforum in Catania. Ihm zufolge sind die Vorschläge dem italienischen Landwirtschaftsminister im Februar unterbreitet worden. Die italienische Seite zeigte Interesse an dem Projekt und bereitete eigene Vorschläge vor, die demnächst vorgelegt werden sollen. Wegen der Sanktionen und des Lebensmittelembargos, die für die italienischen Landwirte bis zu 900 Millionen Euro Einbußen bedeuten, können zwar keine Produkte, aber Investitionen und Technologien exportiert werden.

    Das russische Landwirtschaftsministerium bestätigte Informationen über Verhandlungen mit der italienischen Seite. Das Ministerium betrachte Italien als einen Partner zur Umsetzung gemeinsamer Investitionsprojekte, weshalb Rom im Februar angeboten worden sei, die Bemühungen zu vereinigen, also italienische Investitionen und Technologien zusammen mit den russischen Ressourcen und Investitionsmöglichkeiten zu nutzen, hieß es im Ministerium.

    Die Projekte betreffen verschiedene Bereiche: Laut einer regierungsnahen Quelle will man mit Hilfe der Italiener Produktionsstätten für die Käsesorten Gorgonzola und Ricotta sowie Putenfleisch und Futtermittel bauen.

    Im Juni soll die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe stattfinden, bei der die konkreten Projekte besprochen werden sollen, hieß es im Ministerium.

    Laut Castiglione ist Italien an der Umsetzung dieser Projekte sehr interessiert und plant, bei einem weiteren Treffen beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum im Juni eigene Visionen zu präsentieren. Ein weiteres Treffen soll dann im Oktober folgen, wenn man bereits auch mit der Umsetzung der Projekte beginnen könne. Investitionen sind vorgesehen, ihr Umfang wurde jedoch noch nicht bestimmt.

    „Wir sind daran interessiert, diese schwere Periode zu überwinden, in die wir wegen der Sanktionen geraten sind. Wir wollen in zwei Richtungen arbeiten: Erstens die Arbeitsleistung in der russischen Landwirtschaft erhöhen — es gibt ja solche Probleme. Wir können mit unseren Technologien, Innovationen und Know-how diese Zahlen weiterentwickeln. Zudem wollen wir die Möglichkeiten unserer Unternehmen zur internationalen Kooperation erweitern“, so Castiglione.

    Laut dem russischen Handelsvertreter in Italien, Igor Karawajew, verhält sich die italienische Agrarwirtschaft bislang sehr konservativ zum Export von Technologien im Unterschied von beispielsweise holländischen Herstellern.

    Einer regierungsnahen Quelle zufolge müsse sich die Kooperation auch nicht auf 29 Investitionsprojekte beschränken. Der russische Vizepremier Arkadi Dworkowitsch besprach im April mit dem italienischen Landwirtschaftsminister Maurizio Martina einen weiteren Aspekt der potentiellen Kooperation – Investitionsprojekte in den an China grenzenden Regionen Amur, Chabarowsk und Primorje. Landwirtschaftsprodukte können dort zum weiteren Export nach China hergestellt werden. Die italienische Seite zeigte großes Interesse an dieser Richtung.

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