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09:58 14 Oktober 2019
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    Radioaktivität

    Ist Radioaktivität wirklich so gefährlich?

    © AP Photo / Rick Bowmer
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    Einige glauben, dass radioaktive Strahlung Menschenleben retten kann, schreibt das Internetportal „Slon.ru“ am Mittwoch.

    Die Anhänger der Theorie der radioaktiven Hormesis meinen, dass Radioaktivität in geringer Dosis betroffene Zellen heilen kann. Zudem kann sie eine gefährliche Reaktion des Immunsystems auf eine Erkrankung neutralisieren. Wie funktioniert das? Inwiefern ist eine solche Behandlung sicher? In einem „Spiegel“-Artikel wird versucht, auf diese Fragen eine Antwort zu finden.

    Obwohl noch viele Forschungen zur Wirkung von Radioaktivität in geringer Dosis bevorstehen, lassen sich Menschen bereits seit langem mit radioaktiver Strahlung behandeln. Schon vor einem Jahrhundert warben die ersten Kurorte mit angeblich heilsamen Strahlen. Menschen schwören heute auf das berüchtigte Edelgas Radon, das beim Zerfall von Uran entsteht, und inhalieren es in tiefen Zügen. Die meisten Strahlengläubigen leiden an chronisch entzündlichen Krankheiten: Arthritis, Asthma, Schuppenflechte. In Bad Kreuznach gehen unerschrockene Kurgäste in den Stollen einer aufgelassenen Quecksilbermine, angelockt von der radonhaltigen Luft im Berg. Das Gas lindere ihre Beschwerden für Monate, schreibt „Der Spiegel“. In einigen Heilbädern legen sie sich in sprudelndes Radonwasser.

    Allerdings glaube nur die Minderheit an die heilenden Eigenschaften der Radioaktivität. Nach den zwei Atombomben auf Japan und etlichen Reaktorkatastrophen geriet die radioaktive Kur in Verruf, so „Der Spiegel“. Seitdem wurde die Strahlung als etwas extrem Gefährliches wahrgenommen. Allerdings gibt es in der Welt Orte, an denen die natürliche Hintergrundstrahlung der Erde ein Vielfaches der üblichen Dosis ausmacht: vom brasilianischen Badeort Guarapari bis zu den radioaktiven Thermalquellen im iranischen Ramsar.

    Deutsche Forscher stellten fest, dass Radioaktivität vermehrt spezielle Zellen entstehen lässt, die den Übereifer der Immunabwehr dämpfen. So verhindern sie, dass der Körper sich selbst zum Feind wird, so „Der Spiegel“. Dennoch sei die These von der positiven Strahlung zu pauschal. Die schädlichen Effekte gebe es immer noch. Einem Gesunden würde man keine Radonkur empfehlen, so die Forscher.

    Der Wissenschaftler Reinhard Wetzker vom Institut für Molekulare Zellbiologie an der Uni Jena analysierte, wie die Zellen im Körper auf Stress reagieren. Es gehe dabei um Kälte und Hitze, um Hunger, Giftstoffe – und um Radioaktivität. „In niedriger Dosis sind das ganz normale Herausforderungen für unseren Organismus“, sagt Wetzker. Die Zellen reagieren auf jegliche Art von Stress ähnlich.

    Laut „Spiegel“ sind die Folgen von Umweltkatastrophen, die mit Radioaktivität verbunden sind, übertrieben. Als Beispiel wird die Tschernobyl-Katastrophe angeführt. Der UN-Ausschuss zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (Unscear) kam 2011 zu dem Schluss, dass eine erhöhte Häufigkeit von Krebserkrankungen in der Bevölkerung bislang nicht feststellbar sei.

    Dennoch sorgt bislang selbst der Gedanke an Radioaktivität gewöhnlich für Panik. Vielleicht wird sich die Situation nach neuen Forschungen im Bereich Nuklearmedizin ändern. Forscher der Uni Lissabon kamen bei Experimenten zu dem Schluss, dass Radioaktivität Sepsis bei Tieren heilen kann. Vielleicht könnte man damit auch Menschen retten.

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    Radioaktivität, Deutschland