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    Experten: Nicht-atomarer Krieg zwischen Großmächten wird zunehmend wahrscheinlicher

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    In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Situation in der Welt immer weiter angespannt: Es entstehen immer neue Merkmale für Konflikte zwischen den größten Militärgroßmächten. Zu diesem Schluss sind die Experten des Waldai-Klubs Andrej Suschenzow und Michael Kofman gekommen.

    In ihrem Bericht „Warum ein Krieg zwischen Großmächten möglich ist“ erwähnten die Experten die Konfrontation zwischen Russland und der Nato nach den Ereignissen der letzten Jahre in der Ukraine, den Stellvertreterkrieg in Syrien und im Jemen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien, die jüngste Krise zwischen Russland und der Türkei sowie die Spannungen im Südchinesischen Meer.

    Solche Konflikte können spontan ausbrechen: Erst Anfang 2015 hatte die Nato Angst vor einer möglichen Invasion Russlands in die baltischen Länder, aber niemand dachte in Brüssel damals, dass sich die Beziehungen zwischen Russland und einem anderen Mitglied der Allianz in Gestalt der Türkei anspannen könnten.  

    Mehr zum Thema: Beziehungen Russlands mit den Nato-Staaten

    Den Autoren des Berichts zufolge reduzieren hochpräzise Waffen und Raketenabwehrsysteme die eindämmende Rolle der Atomwaffen, aber umfassende Bodeneinsätze sind unwahrscheinlich. Gleichzeitig sei die Besetzung des feindlichen Territoriums kein Kriegsziel mehr: Selbst der Gedanke an eine Besetzung Europas, Russlands oder Chinas sehe absurd aus, so die Experten: Das Ziel sei inzwischen, den Gegner aus der Liste der Länder des 21. Jahrhunderts zu „streichen“ und ihn in das 20. oder sogar 19. Jahrhundert zurück zu versetzen.

    Erste Schläge in einem solchen Krieg werden fast ausschließlich von Elektronen versetzt – im Cyberraum, im Weltall und im elektromagnetischen Spektrum, um die Verwaltungssysteme der Armee und die wichtige nationale Infrastruktur des Gegners zu vernichten.

    Mehr zum Thema: Neue Waffen für russische Armee

    Der Experte Kofman stellte fest, dass sich die internationalen Beziehungen inzwischen in die früheren Epochen zurückversetzen, darunter sogar in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als ebenfalls Voraussetzungen für Kriege zwischen Großmächten entstanden.

    Es wäre aber noch zu früh, zu behaupten, dass die Atomwaffen ihr eindämmendes Potenzial verlieren, sagte dazu ein Offizier des russischen Verteidigungsministeriums. Wenn das so sei, dann seien die Krisen um die Atomprogramme solcher Länder wie Iran oder Nordkorea nicht so wichtig für die gesamte Weltgemeinschaft gewesen.

    Mehr zum Thema: China und USA auf Konfrontationskurs

    Dafür scheint die These von einer neuen Konfrontation begründet zu sein. Deutschland wolle im Juli die EU zur Bildung einer neuen einheitlichen europäischen Armee auffordern, behauptet die britische Zeitung "Financial Times". Berlin habe davon jahrzehntelang gesprochen, doch nach dem Kalten Krieg schien diese Idee nicht mehr akut zu sein, findet der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter (CDU). Doch nach der jüngsten Wende der USA zum Asien-Pazifik-Raum und der raschen Destabilisierung der Situation an den östlichen und südlichen EU-Grenzen sei Deutschland zum gesamteuropäischen Zusammenwirken auf dem Sicherheitsgebiet bereit. Nach seiner Auffassung könnte eine einheitliche europäische Armee die Aufgaben erfüllen, die die USA unwahrscheinlich übernehmen werden. Zu diesem Zweck seien ein einheitlicher europäischer Generalstab, ein EU-Verteidigungsministerrat, die gemeinsame Nutzung der Militärtechnik und die Festigung des Zusammenwirkens im Bereich Cybersicherheit nötig.

    Das wäre allerdings nur eine Imitationsarmee, findet seinerseits Wladimir Jewssejew vom russischen Institut für GUS-Studien. „Die Nato und die USA sind vorerst bereit, Europa nur die polizeilichen Funktionen zu überlassen. Entscheidungen bezüglich der europäischen Sicherheit werden in Washington und nicht in Brüssel getroffen“, so der Politologe. „Ohne die USA sind die europäischen Militärstrukturen kaum lebensfähig, was unter anderem der Einsatz in Libyen deutlich zeigte, wo die Franzosen und Briten bald keine Munition mehr hatten, so dass die Amerikaner ihre Flugzeuge aus Afghanistan verlegen mussten, um ihnen zu helfen.“ Und was die potenziellen Gegner der einheitlichen EU-Armee angehe, so sollte man keine Illusionen haben“, so Jewssejew weiter. „Mit der Terrorbekämpfung befassen sich die Geheimdienste, und gegen das Nato-Mitglied Türkei wird die EU keinen Krieg beginnen. Diese Idee gehört der Nato, und sie muss von den Deutschen umgesetzt werden: Der Gegner könnte nur Russland werden.“

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    Tags:
    Atomwaffen, Raketenabwehr, NATO, USA, Russland