08:28 10 Dezember 2019
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    Jetzt geht’s um den Käse: Deutscher Milchkonzern kommt zur Produktion nach Russland

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    Deutschlands größtes Molkereiunternehmen, die DMK Deutsches Milchkontor, erwägt den Erwerb einer Produktionsstätte in Russland, schreibt die russische Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Die DMK Deutsches Milchkontor befindet sich in Verhandlungen über den Kauf der Käserei Bobrow im Gebiet Woronesch. Der geplante Deal sei auch mit dem Lebensmittelembargo verbunden, welches europäische Lieferanten die Möglichkeit nahm, nach Russland zu exportieren. Nun suchen diese nach möglichen Umwegen zur Rückkehr. Zuvor hatte bereits die französische Firma Agrial Pläne angekündigt, in Russland Mini-Molkereien und eine Produktionsstätte zu bauen.

    Wie die Kartellbehörde am Donnerstag mitteilte, wurde dem Gesuch der deutschen DMK Deutsches Milchkontor zum Erwerb von vier Unternehmen im Gebiet Woronesch stattgegeben – den Käsereien und Großhandelsfirmen Käserei Bobrow, CheeseArt, FlamanFracht sowie der Einzelhandelsfirma Dart. Nach Anhaben des Internetportals Kartoteka.ru sind die Besitzer der Unternehmen Igor Kalinin und Arsen Magomedow. Ihnen gehören außerdem sechs Großhandelsfirmen in Moskau und dem Moskauer Gebiet, für deren Erwerb die DMK ebenfalls eine Genehmigung erhielt.

    Nach Angaben der Behörden des Gebiets Woronesch produziert die 2005 gegründete Käserei Bobrow rund 210 Tonnen Käse pro Monat, darunter auch Mozzarella. Zudem wird Käse für den Großhändler METRO Cash&Carry unter der Marke Horeca select hergestellt.

    Laut dem Generaldirektor der Käserei Bobrow, Wladimir Gerassimow, gebe es bislang keine konkreten Informationen zu dem möglichen Deal. „Wir haben keine Vereinbarungen, jetzt laufen erst Verhandlungen, die lange dauern können“, so Gerassimow. Die DMK nahm keine Stellung zu den Berichten.

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    Die DMK Deutsches Milchkontor ist eine große deutsche Molkerei mit 26 Standorten in Deutschland, deren Jahresumsatz 2014 bei 5,3 Milliarden Euro lag. Das Unternehmen bietet eine breite Produktpalette an, die sich von Milchbasisprodukten und Käse über milchbasierte Ingredienzien zur Lebensmittelherstellung bis hin zu Babynahrung und Gesundheitsprodukten erstreckt. Mit Marken wie Milram, Ravensberger, Casarelli, Normi, Oldenburger u.a. ist die DMK eine etablierte Größe für Handel und Verbraucher.

    Laut dem Vorstandsvorsitzenden des russischen Nationalen Verbands der Milchhersteller, Andrej Danilenko, hatte DMK bis zur Einführung des Lebensmittelembargos vor allem Käse des mittleren Preissegments nach Russland geliefert, der keinen großen Anteil auf dem Markt hatte. In Russland war vor allem die Marke Oldenburger verbreitet. Angesichts der Überproduktion von Milchprodukten in der Welt sei es für die DMK logisch, zu versuchen, auf den russischen Markt zurückzukehren, so Danilenko. Die Käserei Bobrow koste nicht mehr als 100 Millionen Rubel. Das sei weder für Russland noch für Europa ein großes Unternehmen. Für die DMK aber wäre der Kauf des Unternehmens eine Möglichkeit, den Markt „auszuloten“ und den Verkauf eigener Produkte schneller wieder aufzunehmen.

    Die DMK ist derweil nicht das einzige europäische Molkereiunternehmen, das den russischen Markt wegen des Lebensmittelembargos zurückgewinnen will. Im März war bekanntgegeben worden, dass die französische Agrargruppe Agrial in Russland rund 100 Mini-Molkereien und eine Käseproduktionsstätte einrichten will. Das Projekt wird in Partnerschaft mit dem Gründer und Co-Besitzer der Gruppe „Tscherkisowo“, Igor Babajew, umgesetzt. Die gemeinsamen Investitionen werden auf mindestens 200 Millionen US-Dollar eingeschätzt.

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