18:19 25 Januar 2020
SNA Radio
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    US-Raketenabwehr in Europa (57)
    6839
    Abonnieren

    Im rumänischen Deveselu ist am Donnerstag das US-Raketenabwehrsystem Aegis Ashore in Dienst gestellt worden, wie die Zeitung „Kommersant“ am Freitag schreibt. Gleichzeitig sicherte Nato-Chef Stoltenberg zu, die Militärallianz richte sich nicht gegen Ruslsand.

    Nato- und Pentagon-Vertreter sicherten zwar zu, dass das Raketenabwehrsystem nicht gegen Moskau gerichtet sei, Moskau ist jedoch vom Gegenteil überzeugt. Laut hochrangigen russischen Diplomaten ist die größte Bedrohung damit verbunden, dass es keine Garantien dafür gibt, dass das Raketenpotential nicht weiter ausgebaut, das Verteidigungssystem nicht irgendwann in ein Angriffssystem umgewandelt wird.

    Laut Michail Uljanow, Direktor der Abteilung für Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle des russischen Außenministeriums, werden strategische Objekte solchen Niveaus an den russischen Grenzen erstmals seit dem Kalten Krieg in Dienst gestellt. Ab jetzt werden auf dem in den 1950er-Jahren mit Unterstützung sowjetischer Ingenieure gebauten Stützpunkt 24 Abfangraketen SM-3 mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern installiert. Das System wird von Radaranlage des Typs AN/SPY-1 gesteuert und kann Angaben von Radaranlagen anderer Stützpunkte und Schiffe empfangen. Die Kosten für den Ausbau des Raketenabwehrsystems in Rumänien lagen bei 800 Millionen US-Dollar. Weiterhin geben die USA für weitere technische Wartung und Bedienung 20 Millionen US-Dollar pro Jahr aus.

    Mehr zum Thema: Russland ergreift Schutzmaßnahmen gegen US-Raketenschild

    Die bei der Eröffnungszeremonie anwesenden Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, rumänische Premier Dacian Ciolos sowie stellvertretende Pentagon-Chef Robert Work betonten mehrmals, dass das System auf keinen Fall gegen Russland gerichtet sei. Es handle sich ausschließlich um ein Verteidigungssystem. Man könne es nicht für Offensivziele nutzen, auch wenn man dies gewollt hätte, so Stoltenberg. Laut Stoltenberg braucht Europa einen Schutz vor Bedrohungen außerhalb des euroatlantischen Raums. „Solange der Iran weiterhin ballistische Raketen entwickelt, werden die USA zusammen mit ihren Partnern am Schutz der Nato und aller unseren Verbündeten vor dieser Bedrohung arbeiten“, so Work.

    Moskau glaubt kaum an solche Erklärungen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete die Eröffnung des Stützpunktes und die Pläne zur Stationierung der Raketenabwehrsysteme in Europa als Verletzung des INF-Vertrags. Laut dem Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, stellt das System ohne Zweifel eine Bedrohung für Russland dar. Am schärfsten reagierte der Chef des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma (Parlamentsunterhaus), Wladimir Komojedow: „Nicht zu 100, sondern zu 200, 300, 1000 Prozent ist das alles gegen uns gerichtet“, sagte Komojedow. „Sie kommen bereits zum Schießstand. Neben dem Ortungssystem werden bereits Gegen-Raketen aufgestellt“. Zugleich fügte er hinzu, dass Russland nötigenfalls dieses Raketenabwehrsystem durchbrechen könne.

    Das russische Abschreckungspotential wird tatsächlich nicht ernsthaft von den rumänischen Gegen-Raketen bedroht. Nach Stand vom 1. März verfügt Moskau über 521 strategische Träger mit 1735 Gefechtsköpfen. Kein einziges Raketenabwehrsystem der Welt kann solch ein Potential neutralisieren.

    Mehr zum Thema: USA wollen eigene Sicherheit auf Kosten anderer festigen – Russlands Außenamt

    Laut Uljanow ist völlig unklar, wann die USA und die Nato das Schutzniveau Europas als ausreichend ansehen werden. „Jetzt wird der Stützpunkt in Rumänien in Dienst gestellt und morgen wird der Grundstein für einen ähnlichen Stützpunkt in Polen gelegt“, sagte Uljanow. Es gebe auch Schiffe, die sich in allen Meeren frei bewegen werden, darunter auch im Schwarzen Meer, der Barentssee und der Ostsee. Die USA weigern sich dabei, Einschränkungen zu besprechen.

    Zudem beunruhigt Moskau ein möglicher schneller Umbau der Raketenabwehrkomplexe in den Angriffsanlagen. „Mit dem Ausbau der universellen Startanlagen Mk-41 auf den Objekten von Aegis Ashore, die Mittelstreckenraketen abfeuern können, untergraben die USA ernsthaft den INF-Vertrag“, sagte der russische Nato-Botschafter Alexander Gruschko. Die russische Führung betrachte den Stützpunkt in Rumänien in einem breiteren Kontext. „Die Stationierung der Raketenabwehrkomplexe in Rumänien und Polen kann nicht von den gesamten militärischen Aktivitäten der Nato-Länder an der Ostflanke getrennt werden“, so Gruschko.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    US-Raketenabwehr in Europa (57)

    Zum Thema:

    Stratfor-Chef: US-Raketenabwehr in Rumänien sinnlos gegen Russland
    USA schicken Luftüberlegenheitsjäger an russische Grenze
    US-Tarnkappenjets landen in Rumänien
    Moskau: US-Raketen in Rumänien verstoßen gegen INF-Vertrag
    Tags:
    Raketenabwehr, INF-Vertrag, Warn- und Feuerleitsystem Aegis, Pentagon, NATO, Jens Stoltenberg, Rumänien, USA