18:28 16 Juli 2018
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    Migranten an der Grenze Mazedonien-Griechenland in Idomeni

    Migrantenschmuggel-Bericht: Flüchtlinge als Milliardengeschäft

    © REUTERS / Marko Djurica
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    Migrationsproblem in Europa (1281)
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    Europol und Interpol haben einen gemeinsamen Bericht über die Flüchtlingsströme in der EU vorgelegt, wie die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch schreibt. Laut dem Dokument werden 90 Prozent der Migranten von kriminellen Schlepperbanden nach Europa eingeschleust.

    Das Dokument gilt nun als offizieller Aufruf, den kriminellen Strukturen, die Flüchtlinge auf illegalen Wegen nach Europa bringen, den Kampf anzusagen.

    „Ich freue mich, diesen gemeinsamen Bericht vorzustellen, der die bedeutende Rolle krimineller Gruppierungen in der Migrationskrise ans Licht bringt“, sagte Europol-Chef Rob Wainwright. „Das Dokument sendet ein eindeutiges Signal an die EU und die Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft zum notwendigen Kampf gegen diese Gruppierungen.“, so Wainwright. Dank der Schaffung des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung illegaler Migranten-Beförderung bei Europol sowie die Kooperation mit Interpol und anderen Partnern stünden den Verantwortlichen nun alle notwendigen Instrumente dafür zur Verfügung.

    Laut den Studienautoren gelangt die absolute Mehrheit der Migranten mithilfe krimineller Strukturen nach Europa, die die Einwanderer ab Grenzübertritt bis zur Ankunft am Zielort begleiten. Im vergangenen Jahr soll sich der Gewinn dieser illegalen Geschäfte mit den Flüchtlingen auf fünf bis sechs Milliarden US-Dollar belaufen haben. Es gehöre damit zu einer der lukrativsten Einnahmequelle unter kriminellen Gruppierungen in Europa.

    Migranten auf der griechischen Insel Lesbos
    © AP Photo / Sergey Ponomarev/The New York Times/Columbia University

    „Angesichts der Verschärfung der Migrationspolitik in mehreren Ländern wird diese Zahl in Zukunft rasant steigen“, heißt es in dem Bericht zu den Folgen. Dabei blieben die Routen der Schlepper fast unverändert. Seit mehr als zehn Jahren gibt es die Route entlang des westlichen Mittelmeergebietes über Spanien und Portugal. 2015 wurden 7164 Versuche des illegalen Grenzübertritts registriert. Dabei handelte es sich vor allem um Menschen aus Guinea, Algerien und Marokko. Migranten aus Libyen wählen traditionell die Meeresroute nach Italien. „Im vergangenen Jahr ist hier der Migrantenstrom um zwölf Prozent gesunken. Allerdings ist bekannt, dass in Libyen noch rund 800.000 Migranten auf den Weg nach Europa warten“, heißt es im Bericht.

    Aus der Türkei reisen die Migranten vor allem über Griechenland und Bulgarien nach Europa. Ein weiterer Weg führt die Einwanderer an die Grenzen Osteuropas – über diese Route wollen sie Europa über Weißrussland, Moldawien, die Ukraine und Russland erreichen. Insgesamt gebe es rund 250 Flüchtlings-Hotspots in- und außerhalb Europas.

    Jede Bande im Schleppergeschäft kontrolliert eine bestimmte Route oder Teilabschnitt. Nach Europol- und Interpol-Angaben waren viele der verdächtigten Schmuggler auch in andere illegale Geschäfte verwickelt wie Drogenhandel, Dokumentenfälschung, illegaler Warenumsatz und Sklavenhandel.

    „Es gibt mehrere Gründe, warum das Geschäft mit den Migranten eng mit der restlichen kriminellen Welt verbunden ist. Das hängt mit der kriminellen Vergangenheit der meisten Beteiligten dieses Geschäfts sowie der ähnlichen Geografie der Migrationswege mit den Wegen des illegalen Drogen-, Menschen- und Waffenhandels zusammen“, lautet es im Bericht weiter.

    2016 erwarten Experten eine weitere Einwanderungswelle in Europa. Dies würde auch den Konkurrenzkampf unter Schleppern intensivieren, was wiederum zu Clan-Kriegen und Anstieg der Kriminalität führen kann. In diesem Fall werden die Behörden der europäischen Länder gezwungen sein, die Aufnahmeregeln für Einwanderer weiter zu verschärfen.

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    Tags:
    Migranten, EU, Rob Wainwright, Weißrussland, Moldawien, Ukraine, Russland, Bulgarien, Griechenland, Türkei
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