03:05 20 April 2018
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    RC-135

    Russland verwarnt USA wegen gefährlicher Spionageflüge

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Das Pentagon zeigt offenbar gesteigertes Interesse an russischen Rüstungsfabriken, den Stützpunkten auf den Kurilen-Inseln und Militärobjekten in der Arktis, wie die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch schreibt. Moskau werde dem kaum tatenlos zusehen.

    Zwischen Russland und den USA beginnt ein unsichtbarer Krieg, der durch aktiven Einsatz von Spionageflugzeugen und anderen Aufklärungsmitteln an russischen Grenzen gekennzeichnet ist. Russland leistet Widerstand sowohl mit militärischen, als auch mit rein diplomatischen Mitteln. Es ist klar, dass Washington die militärischen Aktivitäten Russlands nicht außer Acht lassen wird, wobei jedoch Situationen entstehen können, die die Sicherheit der friedlichen Bevölkerung bedrohen. Bislang kam es zu keinen ernsthaften Vorfällen. Die Gefahr des Eintretens möglicher Krisensituationen bleibt jedoch weiter hoch.

    Am Montag wurde der Militärattaché der US-Botschaft ins russische Verteidigungsministerium einberufen, wo er auf unprofessionelles Vorgehen des US-Aufklärungsflugzeugs RC-135 am 22. Mai im Himmel über dem Japanischen Meer hingewiesen wurde. Die Operation habe eine Kollisionsgefahr mit Flugzeugen ziviler Fluglinien geschaffen. Das russische Verteidigungsministerium forderte außerdem, ähnliche Flüge der US-Aufklärungsflugzeuge nahe russischer Grenzen künftig zu unterlassen.

    Das US-Spionageflugzeug RC-135 flog getarnt als Zivilflugzeug in einer Höhe von 11.000 Metern im Verantwortungsbereich der russischen Fluglotsen und antwortete auf keinerlei Anfragen. Zur Verhinderung einer Notstandsituation wurde beschlossen, die Flughöhe einer im selben Gebiet befindlichen Boeing der KLM-Fluglinie zu ändern, die aus Japan in die Niederlande flog. Etwas später wurde auch die Route eines Fliegers der Swiss Airlines auf dem Weg aus Japan in die Schweiz geändert.

    Das Vorgehen der US-Aufklärungsflugzeuge nahe der russischen Grenzen wird gewöhnlich von Kampfjets der russischen Fliegerkräfte kontrolliert. So hatte beispielsweise am 14. April eine russische Su-27 die RC-135 der US-Streitkräfte im internationalen Luftraum über der Ostsee abgefangen. Am 25. Januar wurde das US-Aufklärungsflugzeug RC-135U im internationalen Luftraum über dem Schwarzen Meer abgefangen.

    Wie es aus dem Pentagon hieß, gab es im vergangenen Jahr ebenfalls mehrere Vorfälle, bei denen sich russische Militärflugzeuge den US-Maschinen so weit annäherten, dass es Sicherheitsbesorgnisse auslöste. „Wir sind über solches Verhalten stark beunruhigt“, hieß es im. Inzwischen hinderten die Besorgnisse die USA nicht mehr daran, eigene aktive Aufklärung über russischen Gebieten durchzuführen.

    Laut öffentlich zugänglichen Angaben ist die RC-135 der US-Streitkräfte zur strategischen radioelektronischen Aufklärung, Funkaufklärung, Verfolgung von Aktivitäten auf dem Boden, im Meer und in der Luft bestimmt. Die Aufklärungsdaten können direkt an den US-Präsidenten Barack Obama, Verteidigungsminister Ashton Carter und andere hochrangige Militärs übermittelt werden. Das Pentagon verfügt über 32 solcher Maschinen. Sie überwachen regelmäßig den russischen Luftraum. Detaillierte taktisch-technische Angaben über dieses Flugzeug werden unter Verschluss gehalten. Nach Experteneinschätzungen kann die RC-135 die Position von Luftabwehr, Stationierungsort der Einheiten strategischer Raketentruppen, Militärgelände, Flugplätze, Rüstungsunternehmen und anderer Militärinfrastruktur orten. Da besonders im Fernen Osten sowie in der Arktis derzeit viele Militärobjekte wieder aufgebaut werden, ist das Interesse der US-Amerikaner verständlicherweise groß.

    Gerade über diese entstehenden Objekte hat US-Geheimdienst-Chef James Clapper gesprochen, als er dem Kongress im Februar einen Bericht über die Sicherheitsbedrohungen der USA vorlegte. Das Vorgehen Russlands in der Arktis und im Fernen Osten wurde als eine bedeutende Gefahr für die USA bezeichnet. Ihm zufolge wird Russland seine Militärpräsenz entlang der nördlichen Küstenlinie aufrechterhalten, um den Grenzschutz zu verbessern und die Kontrolle über seine ausschließliche Wirtschaftszone zu gewährleisten.

    Russland kehrt derweil tatsächlich in die Polargebiete zurück und ist im Ochotskischen und Japanischen Meer aktiv. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu betonte im März, dass die Entwicklung der Militärinfrastruktur in den Arktis- und Kurilen-Inselgebieten eine vorrangige Aufgabe sei. Es wurde unter anderem die weitere Ausstattung der Garnisonen auf der Wrangel-Insel und dem Kap Schmidt besprochen. Auf den Kurilen-Inseln sollen Raketenkomplexe Bal und Bastion sowie Drohnen der neuen Generation Eleron-3 stationiert werden. Zudem wie eine künftige Stationierung der Kräfte der Pazifikflotte auf den Kurilen-Inseln erörtert.

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    Su-27, RC-135, James Clapper, Russland, USA