03:54 26 Juni 2017
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    Kurdische Frauen im Kampf gegen IS in Rakka

    Syrien: Kurden wollen eigenen Staat auf Trümmern des IS errichten

    © AFP 2017/ Delil Souleiman
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    Nesawissimaja Gaseta
    Kampf gegen den IS (813)
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    Die Allianz der syrischen Volksheerkämpfer hat mit Unterstützung der USA eine Offensive auf Rakka, die inoffizielle Hauptstadt des sogenannten Islamischen Staates (IS, auch Daesh), gestartet, wie die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag schreibt. An der Spitze des Bündnisses stehen auch syrische Kurden.

    An der Spitze steht die Union der demokratischen Kräfte Syriens, der sowohl Vertreter des kurdischen Volksheeres, als auch arabische Kämpfer angehören. Falls sie Rakka einnehmen, könnte die Stadt Teil des künftigen kurdischen Staates werden. Wie RIA Novosti unter Berufung auf kurdische Quellen berichtet, sind an der Kampagne Zehntausende Kämpfer beteiligt. Laut BBC beläuft sich ihre Zahl auf etwa 30.000.

    Vor Beginn der Offensive hatte der Chef des Zentralen US-Kommandos, General Joseph Votel, den Norden Syriens besucht. Er ist damit der hochrangigste US-Beamte, der dieses Land seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchte.

    Russland hat seinerseits seine Bereitschaft bekündet, sich an der Befreiung Rakkas zu beteiligen. Außenministerium Sergej Lawrow erklärte nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Taschkent: „Wir haben uns mit unseren amerikanischen Partnern darauf geeinigt, vom Informationsaustausch zu einer Koordinierung unseres Vorgehens im Kampf gegen den Terrorismus überzugehen.“ Nach seiner Auffassung könnten Rakka und das irakische Mossul schneller befreit werden, indem die russischen und amerikanischen Militärs gemeinsam handeln: „Wir gehen davon aus, dass die russische Luftwaffe mit der von den USA angeführten Koalition synchron und koordiniert vorgehen und die Kräfte unterstützen sollten, die am Boden gegen die Terroristen kämpfen.“ 

    Der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, bestätigte in einem Pressegespräch, dass Vertreter Washingtons und Moskaus das Thema eines gemeinsamen Vorgehens in Syrien tatsächlich erörtert hätten, konnte aber nicht bestätigen, dass speziell Rakkas Befreiung besprochen worden wäre. Pentagon-Sprecherin Michelle Baldanza sagte ihrerseits, die US-Militärs planten vorerst keine gemeinsamen Handlungen mit Russland in Syrien. Sie räumte allerdings ein, dass Russland „sich allmählich auf Angriffe gegen IS-Stellungen in Syrien konzentriert und dadurch das Waffenstillstandsabkommen einhält.“ 

    Das bestätigen auch die jüngsten Erklärungen des russischen Verteidigungsministeriums. Trotz der in der vorigen Woche für den 25. Mai angekündigten Schläge gegen die Terroristen, waren diese am Mittwoch abgesagt worden. Der  Sprecher der Militärbehörde, Igor Konaschenkow, erläuterte, dass die russische Seite von mehreren bewaffneten Formationen in den Provinzen Aleppo und Damaskus eine entsprechende Bitte erhalten habe.

    Experten verbinden mit der aktuellen Rakka-Offensive große Hoffnungen. Joshua Walker vom German Marshall Fund vermutete in einem Interview für den Fernsehsender Al Jazzeera, „Rakka könnte für den IS zum Anfang vom Ende werden“. Der US-Kongressabgeordnete Adam Schiff zweifelte zwar daran, dass Rakka schnell zurückerobert werden könnte, betonte aber, es werde immer offensichtlicher, dass der IS „den Boden unter den Füßen verliert“.

    Andere Experten warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen. Der Nahost- und Zentralasien-Kenner Arsen Chisrijew vom Russischen Institut für strategische Forschungen sagte beispielsweise, man solle noch „offizielle Erklärungen der Vertreter syrischer Kurden abwarten. Denn selbst aus der Sicht des Pentagons ist die Anwesenheit der Kurden in Rakka kaum begründet, was die US-Militärs im November 2015 erklärten. Denn die Kurden hätten nie in den arabischen Gebieten Kriegshandlungen geführt. Aus demselben Grund setzte das Pentagon immer auf die syrischen Araber. Jetzt aber scheint Washington seine Meinung geändert zu haben.“

    Wegen des „kurdischen Faktors“ hätten auch gar nicht alle Gruppierungen die begonnene Offensive unterstützt. „Die Einwohner dieser Gegend sprechen sich gegen die Anwesenheit der Demokratischen Kräfte Syriens aus – aus Angst vor ‚ethnischen Säuberungen‘, wovon viele Posts in sozialen Netzwerken zeugen. Manche behaupten wiederum, das sei nur IS- Propaganda“, so Chisrijew.

    Zudem zeigte er sich überzeugt, dass die irakischen Kurden die Offensive ihrer syrischen „Brüder“ nicht unterstützen würden. „Man sollte keine aktive Beteiligung der irakischen Kurden erwarten: Sie haben eigene Probleme in Mossul und Kirkuk. Sie werden keine Verpflichtungen bei der Rakka-Offensive übernehmen. Vertreter des Irakischen Kurdistans erklärten vielmehr, dass eine Offensive bei Mossul für dieses Jahr nicht geplant werde“, ergänzte der Experte.

    In Rakka, das seit August 2013 unter Kontrolle des IS steht, könnten sich bis zu 5000 Terroristen befinden. Lauf AFP nutzten sie friedliche Einwohner der Stadt als „lebendiges Schild“.

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    Tags:
    Kurden, SOZ, Terrormiliz Daesh, Rakka, Syrien