04:32 16 Juni 2019
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    US-Luftangriff auf einen vermutlichen Taliban-Chef

    Anführer-Tod hinterlässt tief gespaltene Taliban

    © AFP 2019 /
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    Nach der Eliminierung des Taliban-Anführers Mullah Akhtar Mansur in der vergangenen Woche nehmen die Zerwürfnisse innerhalb der Bewegung immer mehr zu, wie die Zeitung "Kommersant" am Montag schreibt.

    Zwischen Mansurs potentiellen Nachfolgern ist ein Machtkampf ausgebrochen: Formell wurde sein bisheriger Stellvertreter für religiöse Fragen, Mawlawi Haibatullah Akhundzada, zum neuen Chef ernannt. Aber nicht alle Taliban-Kämpfer erkennen ihn an. Die Gruppierung um Mullah Mohammad Rasul erklärte, sie sei bereit, die Taliban bei den Verhandlungen mit der afghanischen Regierung selbstständig zu vertreten.

    „Wir glauben der Regierung in Kabul nicht, sind aber zu Verhandlungen mit ihr bereit – unter der Bedingung, dass im Land islamische Rechtsnormen eingeführt werden und ausländische Truppen abgezogen werden“, so der Vize-Chef der abgespaltenen Gruppierung, Mullah Abdul-Manan Niazi.

    Vertreter des neuen „offiziellen“ Taliban-Führers warfen Rasul und seiner Gruppierung eine Zusammenarbeit mit Kabul und Washington vor. „Für uns ist Mullah Rasul nichts als eine Marionette der afghanischen Geheimdienste“, so der Pressesprecher  Akhundzadas, Zabiullah Mujahid.

    Allerdings zeigte Akhundzada bislang keine Bereitschaft zu Kontakten mit den Behörden in Kabul, obwohl diese ihm bereits einen Waffenstillstand angeboten haben. Zugleich warnten sie ihn, dass er im Falle der Ablehnung dieses Angebots ebenfalls liquidiert werden könnte. 

    Mehr zum Thema: Neuer Taliban-Chef gewählt

    Die Spaltung der Taliban hatte sich bereits seit dem Sommer 2015 abgezeichnet. Damals wurde der Tod des Taliban-Gründers Mullah Omar offiziell bestätigt. Sein Nachfolger Mansur genoss jedoch nie die Unterstützung aller Mitstreiter. Darüber hinaus verweigerte er die Teilnahme an dem von Pakistan, den USA und China initiierten Friedensprozess. Am 22. Mai wurde er von einer US-Drohne getötet.

    Die Regierung in Kabul hatte Anfang Mai eine Offensive gegen die Taliban „an allen Fronten“ verkündet. Nach Mullah Mansur wurden am 29. Mai zehn Taliban-Feldkommandeure von den afghanischen Sicherheitskräften getötet.

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    Tags:
    Taliban, Mullah Akhtar Mansour, Zabiullah Mujahid, Afghanistan