Widgets Magazine
01:21 23 September 2019
SNA Radio
    Russische Tennis-Spielerin Maria Scharapowa

    Maria darf zwei Jahre nicht spielen: Scharapowa will Doping-Sperre anfechten

    © AFP 2019 / Roslan Rahman
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Von
    3207
    Abonnieren

    Der russische Tennis-Star Maria Scharapowa ist für zwei Jahre gesperrt. Sie darf erst ab dem 25. Januar 2018 wieder zu Wettkämpfen antreten, wie die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag schreibt.

    Diese Entscheidung hat das unabhängige Strafgericht des Internationalen Tennisverbandes (ITF) nach der Behandlung des Falls Scharapowa am 18. und 19. Mai getroffen. Gleichzeitig räumten die Richter ein, dass die Sportlerin durch die Einnahme der erst seit dem 1. Januar verbotenen Substanz die Anti-Doping-Regeln nicht absichtlich verletzt hatte.

    Der Doping-Skandal um Scharapowa war am 2. März aufgekommen, als Positiv-Ergebnisse einer Dopingprobe der Russin veröffentlicht wurden, die ihr während der Australian Open am 26. Januar genommen worden war. Am 7. März informierte Scharapowa bei einer Pressekonferenz in Los Angeles die Öffentlichkeit über den Test. Dabei übernahm sie die gesamte Verantwortung dafür. Die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin wurde vom Internationalen Tennisverband provisorisch suspendiert und vor den unabhängigen ITF-Gerichtshof gekladen.

    Scharapowa war die erste russische Sportlerin, bei der das mittlerweile verbotene Meldonium entdeckt wurde. Danach stellte sich heraus, dass russische Sportler die bis Ende 2015 erlaubte Substanz massenweise konsumieren. Angesichts dessen musste die Internationale Anti-Doping-Agentur (WADA) ihre Regeln novellieren, sodass die Dopingtests, die bis 1. März genommen wurden und in denen der Meldoniumgehalt bei unter einem Mikrogramm lag, als negativ gelten. Dann könne davon ausgegangen werden, dass die Substanz zuletzt vor dem 1. Januar 2016 eingenommen wurde. Deshalb dürfen fast alle russischen Sportler, bei denen Meldonium entdeckt wurde, inzwischen wieder trainieren.

    Der Fall Scharapowa war bzw. ist allerdings komplizierter. Gemäß den Regeln durfte sie während der Verhandlungen nicht die Öffentlichkeit über den Verlauf informieren oder Beweise gegen sie infrage stellen. An den Verhandlungen nahmen mehrere vom ITF geladene Juristen sowie Scharapowas Rechtsanwalt John Haggerty teil. Die Sportlerin soll zu mehreren Verhandlungen gekommen sein und eingeräumt haben, Meldonium noch nach dem 1. Januar eingenommen zu haben.

    Im Sinne des ITF-Regelwerks gab es drei Szenarien für den russischen Star. Allerdings war von Anfang an klar, dass sie nicht für weniger als ein Jahr gesperrt werden könnte. Denn sonst müsste sie freigesprochen werden. In der Anfangsphase der Verhandlungen hatte Haggerty diese Möglichkeit noch nicht ausgeschlossen.

    Experte zu Meldonium-Skandal: Was in Arena nicht gelang, gelingt in Anti-Doping-Büro

    Der ITF verlangte für Scharapowa die maximale Sperre von vier Jahren. Das hätte für die 29-Jährige mit Sicherheit das Ende ihrer Laufbahn bedeutet. Ihr Anwalt verwies bei den Verhandlungen jedoch darauf, dass seine Mandantin ohnehin bald ihre Karriere beenden würde.

    Neben dem praktisch unrealistischen Freispruch wäre die vierjährige Sperre eines der drei möglichen Szenarien gewesen. Grundsätzlich hätte das geheißen, dass die Sportlerin „absichtlich“ gedopt hatte. Die zweijährige Sperre bedeutet aber automatisch, dass Scharapowa „ohne Absicht“ den verbotenen Stoff einnahm. Eine ein- bis zweijährige Sperre wäre die Strafe für eine „unwesentliche Schuld“ bzw. für ein „Versehen“.

    Laut ITF-Informationen hatte Scharapowa wegen ihres Beraters Max Eisenbud nicht gewusst, dass Meldonium auf die Dopingliste gesetzt worden war. Dieser war seit 2013 für die Einhaltung der WADA-Regeln zuständig gewesen. 2015 soll er aber nach der Scheidung von seiner Frau seinen bisherigen Lebensstil verändert und vergessen haben, die neue Liste der verbotenen Stoffe zu überprüfen.

    „Wir hatten damit gerechnet, dass die Sperre höchstens zwei Jahre betragen würde“, so Haggerty gegenüber "Kommersant". „Maria hatte die Substanz auf Empfehlung ihres Arztes eingenommen und nicht um ihre Ergebnisse zu fördern. Leider hat sie übersehen, dass Meldonium seit dem 1. Januar 2016 auf der ‚schwarzen Liste‘ stand.“

    Scharapowa will nun Einspruch gegen die Zweijahressperre einlegen. Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne wird dann endgültig und für alle an dem Fall beteiligen Seiten verbindlich sein. 

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Doping-Skandal: Kreml nennt neue ARD-Doku Verleumdung
    Kremlsprecher: Keine fundierten Beweise für Doping durch russische Sportler
    Kreml befremdet über „exterritoriale“ Allüren der USA bei Doping-Ermittlungen
    Doping-Vorwürfe werden zur politischen Diskreditierung Russlands instrumentalisiert
    Tags:
    Tennis, Doping, Meldonium, WADA, Maria Scharapowa, Russland