12:12 25 April 2019
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    Frauen im von IS-Terroristen besetzten Falludscha.

    Falludscha in IS-Hand: Stadt der Sklaven und Selbstmordattentäter

    © REUTERS / Thaier Al-Sudani
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    IS-Terroristen missbrauchen die Einwohner der von ihnen besetzten irakischen Stadt Falludscha als lebendiges Schild und als Sklaven, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    Davon berichtete ein Mitglied des irakischen Volksheeres namens Karim an-Nuri. Bei dem Volksheer handelt es sich um eine halboffizielle Struktur, die neben der Regierungsarmee gegen den so genannten „Islamischen Staat“ kämpft und sich den Behörden in Bagdad unterordnet.

    „Die Kämpfer lassen die Einwohner nicht aus der Stadt und nutzen sie als lebendiges Schutzschild“, betonte er. Zudem würden die Zivilisten verschiedenen Experimenten unterzogen: Beispielsweise müssten sie IS-Kämpfern Blut spenden, so dass viele von ihnen an massivem Blutverlust sterben.

    Darüber hinaus nutzten die IS-Kämpfer die katastrophale humanitäre Situation in der Stadt aus und versorgten die Einwohner mit Nahrungsmitteln, nur wenn die sich bereit zeigen, auf ihrer Seite zu kämpfen. Oft setzten sie dabei Kinder ein, beispielsweise als Fahrer von mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugen, die dadurch quasi zu Selbstmordattentätern werden, so Karim an-Nuri.

    Kampf gegen IS in Irak
    © REUTERS / Stringer

    Viele Einwohner versuchen nach seinen Worten, aus Falludscha zu fliehen, unter anderem den Euphrat zu überqueren, werden dabei jedoch von IS-Kämpfern erschossen. 

    Den Beginn der Offensive der irakischen Regierungstruppen bei Falludscha hatte Ministerpräsident Heidar al-Abadi am 23. Mai verkündet. In den ersten Tagen konnten mehrere Dörfer nahe der Stadt vom IS befreit werden. Dann aber geriet der Einsatz ins Stocken.

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    Der russische Botschafter im Irak, Ilja Morgunow, vermutete in einem Interview für die Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass die Kampagne bei Falludscha viel Zeit in Anspruch nehmen könnte. „Die Amerikaner haben diese Stadt nach dem Sturz Saddam Husseins zwei Mal erobert, indem sie mit Phosphorbomben beworfen wurde. Im ersten Anlauf konnte die US-Armee Falludscha aber nicht einnehmen – und das war eine Armee, die zuvor im Laufe von nur 20 Tagen den gesamten Irak unter Kontrolle genommen hatte. (…) Ich denke, das wird eine ziemlich langwierige und blutige Kampagne sein“, so der Diplomat.

    Zuvor hatte der Sprecher des irakischen Außenministeriums, Ahmed Dschamal, „Iswestija“ mitgeteilt, dass sich IS-Kämpfer unter Zivilisten verstecken, was die Offensive viel schwieriger mache, weil die Streitkräfte die Verluste unter friedlichen Einwohnern minimieren wollen.

    Inzwischen äußerte die Uno ihre Besorgnis über die Situation in Falludscha. „Die Situation ist sehr fragil, und solange die Kriegshandlungen weitergehen, bestehen große Risiken für friedliche Einwohner“, sagte der Sprecher des UN-Generalsekretärs, Stephane Dujarric. „Unsere Kollegen von humanitären Organisationen sind über das Schicksal der in der Stadt verbleibenden Zivilisten äußerst besorgt.“ 

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    Laut einem am 7. April veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch leidet Falludscha unter einer Hungersnot. Die Menschen müssen Gras essen, um zu überleben. Dabei seien Nahrungsmittel vorhanden, aber die Preise dafür seien enorm hoch: So koste beispielsweise ein 50 Kilogramm schwerer Sack Mehl 750 Dollar und ein Sack Zucker 500 Dollar. Zum Vergleich: In Bagdad könne man dieselbe Mehl- bzw. Zuckermenge für jeweils 15 und 40 Dollar kaufen.

    Der Direktor des irakischen Republikanischen Zentrums für Strategie- und Sicherheitsstudien, Muatazz Muhi Abdel Hamid, bestätigte seinerseits, dass die Situation in Falludscha äußerst schwierig sei: „In der Umgebung der Stadt sind internationale humanitäre Organisationen aktiv, die den Menschen helfen, die Stadt zu verlassen. Aber zwischen den Regierungstruppen und den Extremisten gehen die blutigen Gefechte weiter, was die Versorgung der Stadt mit humanitären Hilfsgütern äußerst schwierig macht.“

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